Kurz will Leseförderung für junge Migranten

23. April 2012, 11:33

Beispiel Frankreich ein "spannender Ansatz", sagt Integrations-Staatssekretär bei VÖZ-Klausur - Kürzung bei Förderung der regionalen Vielfalt beträgt 2012 fast 20 Prozent

Hochgurgl - Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz spricht sich im Zusammenhang mit der geplanten Reform der Presseförderung für eine finanzielle Unterstützung der Leseförderung bei jugendlichen Migranten aus. Bei der Klausur des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) im Tiroler Hochgurgl nannte Kurz das Beispiel Frankreich, wo Jugendliche ein vom Staat finanziertes kostenloses Zeitungsabo erhalten. Dies wäre vor dem Hintergrund, dass 25 Prozent der heimischen Volksschüler einen Migrationshintergrund hätten, ein "spannender Ansatz", so Kurz.

Evaluierungsstudie bis November

Medien-Staatsekretär Josef Ostermayer informierte die heimischen Zeitungsverleger zuvor über den Zeitplan bei der Reform der Presseförderung. Bis November soll demnach eine Evaluierungsstudie der Universität Wien zur derzeitigen Presseförderungspraxis vorliegen, die auch konkrete Empfehlungen enthalten soll. Ehe es dann in die Umsetzung geht, soll es noch eine Gesprächsrunde mit allen betroffenen Akteuren geben.

Deutliche Kürzungen bei den staatlichen Fördermitteln gibt es aber bereits heuer. So werden 2012 insgesamt rund 10,8 Millionen Euro an Presseförderung ausgeschüttet, 2011 waren es noch knapp 12,4 Millionen Euro. 5,3 Millionen entfallen auf die besondere Förderung zur Erhaltung der regionalen Vielfalt (2011: 6,4 Millionen), 3,9 Millionen auf die allgemeine Vertriebsförderung (2011: 4,3 Millionen). Die Mittel für Qualitätsförderung und Zukunftssicherung bleiben mit 1,57 Millionen Euro nahezu unverändert, wie Ostermayer berichtete.

VÖZ befürchtet negative Auswirkungen auf Regionalzeitungen

Beim VÖZ befürchtet man, dass sich die im Zuge des Sparpakets der Regierung beschlossenen Streichungen vor allem bei den kleineren Regionalzeitungen negativ auswirken könnten, liegen doch die Kürzungen bei der Förderung zur Erhaltung der regionalen Vielfalt bei fast 20 Prozent. Einzelne Medienhäuser könnten dadurch unter massiven wirtschaftlichen Druck geraten.

Integrations-Staatsekretär Kurz, der bei der VÖZ-Klausur stellvertretend für ÖVP-Chef Michael Spindelegger auftrat, plädierte unterdessen beim Thema Medien und Integration für eine Versachlichung. Etliche Studien hätten gezeigt, dass Österreichs Medien in den vergangenen Jahren in der Ausländerberichterstattung eher auf Polarisierung und Negativ-Schlagzeilen gesetzt hätten. Kurz appellierte an die Verantwortung der Medienmacher. Es brauche eine klare "Trennung der Themen Asyl, Zuwanderung und Integration", und die Medien müssten weg vom "Täter-Opfer-Denken" und Integration stärker als Leistung thematisieren.

Positiver Trend

Kurz ortet dabei einen ersten positiven Trend. So habe eine Studie des Meinungsforschers Peter Hajek, die in den nächsten Wochen präsentiert wird, ergeben, dass im April 2011 nur rund 15 Prozent der Zeitungsberichte über Integrationsthemen eine positive Tonalität hatten. Dieser Wert habe sich inzwischen auf 55 Prozent positive Tonalität bei Integrationsthemen gesteigert, so der Staatssekretär. (APA, 23.4.2012)

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Bestehende Initiativen sehen

Der Vorschlag von Staatssekretär Kurz mehr Mittel in die Leseförderung zu investieren ist sehr zu begrüßen. Schön wäre aber auch, wenn man sehen würde, was es bereits für Initiativen gibt, die Leseförderung für alle Schüler/innen anbieten. Mit dem „ZiS-Zeitungsprojekt“ zum Beispiel haben Lehrer/innen bereits jetzt die Möglichkeit bis zu drei Tages-, Wochenzeitungen oder Magazine vier Wochen lang gratis und in Klassenstärke für den Unterricht bestellen. Eine wichtige Aufgabe der Politik wäre es, bestehende Initiativen zu sehen, zu stärken und diese ideell sowie finanziell mehr zu unterstützen.
www.zis.at

dann aber auch gleich die fpöler miteinbeziehen

Leseförderung für alle

Wenn ich mich an meine Schulzeit zurückerinnere, würde es nicht schaden, wenn ALLE eine Leseförderung bekommen würden, da haben Kinder mit Migrationshintergrund nicht mehr oder weniger gestammelt als Österreicher in der 12. Generation. Welches Zeitungsabo würde der Staat außerdem finanzieren? Krone-Abo für alle?

allerdings machen die

schüler ohne migartionshintergrund idr fortschritte, während die mit diesem hintergrund auch nach 8 jahren schule noch nicht richtig lesen können ;-)

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