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Symbolbild: Himmlisches Blunzengröstl.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein Papst aus Bayern mit Liebe zum benachbarten Österreich schon das eine oder andere Blunzengröstl verputzt hat. Jetzt nach der Fastenzeit würde es ja passen - und zu den Geburtstagsfeiern mit heimatlichen Schuhplattlern erst recht. Christen finden, sofern sie keine Vegetarier sind, gemeinhin nichts dabei, ein blutiges Steak zu verspeisen, Schlachtplatten detto. Blickt man in die Heilige Schrift der Christen, sollte man das eigentlich bleiben lassen.
Eine der ersten Streitfragen nämlich (merke: Konflikte gab es von Anfang an), die die Apostel zu klären hatten, bezog sich darauf, ob Heiden, die sich zum Christentum bekannten, den jüdischen Gesetzen folgen mussten - Beschneidung, Speisegebote und Schächtungsvorschriften inklusive. Die Kompromissformel fand Jakobus:
"Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden; man weise sie nur an, Verunreinigung durch Götzen (Opferfleisch) und Unzucht zu meiden und weder Ersticktes noch Blut zu essen" (Apg 15, 19f.).
Das mit dem Blutgenuss hat sich offensichtlich nicht durchgesetzt.
Wie ist das möglich, dass in dieser so traditionsreichen Kirche ein Gebot, das direkt auf die Apostel zurückgeht, einfach ignoriert wird?
Eine andere Versammlung erklärte ausführlich, warum das Blunzengröstl kein Problem darstellt - wenn auch erst rund 1.400 Jahre nach der Zusammenkunft der Apostel in Jerusalem. Manchmal dauert es eben ein wenig. Das Konzil von Florenz hielt am 4. Februar 1442 fest, dass das Blutverbot "für jene Zeit angemessen war, als aus Juden und Heiden, die zuvor mit verschieden Zeremonien und Sitten lebten, die eine Kirche im Entstehen war ..." Da den Juden der Blutgenuss als ein Gräuel galt, sollten die anderen um der Gemeinschaft willen darauf Rücksicht nehmen. Zur Zeit des florentinischen Konzils waren Judentum und Christentum längst völlig getrennt. Also zog das Konzil die Schlussfolgerung, "da hörte, weil die Ursache für jenes Verbot der Apostel aufhörte, auch die Wirkung auf".
Das ist doppelt bemerkenswert: Zum einen rekonstruierte das Konzil von Florenz einen Grund, der so in der Überlieferung gar nicht zu finden ist (war dann auch das Verbot der Unzucht nur ein zeitbedingtes Zugeständnis an die Pharisäer?). Zum anderen nahm sich die Synode die Freiheit, Zeitbezogenes zu ändern. Aus diesem Blickwinkel haben die Apostel keine zeitlosen Normen aufgestellt, sondern einen angemessenen Kompromiss gefunden. Der eben auch veränderbar ist.
Die florentinische Blunzengröstl-Reform könnte gerade Traditionalisten eine Grundlage dafür zu finden, Reformen der Kirche nicht als abwegig zu betrachten. In der Kirche hat Reform nämlich Tradition.
So hatte auch das Konzil von Florenz genug Zeitbezogenes zu bieten. Außerhalb der Kirche gebe es kein Heil, hieß es beispielsweise. Man war der Überzeugung, dass keine Außenstehenden, "auch keine Juden oder Häretiker und Schismatiker, des ewigen Heiles teilhaftig werden können, sondern dass sie in das ewige Feuer wandern werden ..." Gott sei Dank folgten noch weitere Konzile, um diese Sichtweise zu ändern. In diesem Sinn würde ein baldiges Konzil der Kirche vielleicht gut tun, um den Reformstau aufzulösen. Das Konzil von Konstanz legte schon 1417 mit dem Dekret Frequens fest, dass es der beste Weg der Kirchenreform sei, alle zehn Jahre ein Konzil abzuhalten. Nachfolgende Päpste wussten das leider zu verhindern. Ein bisschen ungehorsam ist das schon.
PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Der derzeitige Papst hat bisher lediglich zur Schuld einzelner Priester und Bischöfe Stellung genommen. Zu den Vorgängen innerhalb der vatikanischen Mauern fand er kein Wort. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig. (Wolfgang Bergmann, derStandard.at, 23.4.2012)
Autor
Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD. 2010 erschien sein Romanerstling "Die kleinere Sünde" (Czernin Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche.
Den einst modernen Theologen Joseph Ratzinger hat an der entscheidenden Stelle der Mut verlassen
258.300 Euro sollten eigentlich für den Unterhalt eines Bischofs ausreichen
Nur so nebenbei - auch das mit dem Estickten hat sich nicht durchgesetzt. 99,9% der Fische, die wir essen sind erstickt - praktisch alle, die industriell mit einem Netz gefangen werden...
Ich glaube, Bergmann meint: Das Verbot des Blutgenusses hat sich nicht "durchgesetzt" bzw wurde schon vor Längerem über Bord geworfen?
Die "Blutwurst" heißt nicht nur dem Namen nach so, sie wird zu einem guten Anteil aus Blut hergestellt.
Als Jugendlicher durfte/musste ich einmal beim Nachbarn am Schlachttag mithelfen; eine Sau, am Bauernhof. Das frische Schweineblut wurde in Schüsseln aufgefangen, mit Salz und Mehl vermischt, und in Pfannen unter ständigem Rühren zum pfannkuchenartigen "Blut-Tommerl" gebraten.
Einige Nomadenstämme in Afrika ernähren sich von Rinderblut: Kuh anpieksen, trinken, Loch zukleben... usw
jep, ich wollte nur - völlig wertfrei - darauf hinweisen, dass sich nicht nur der Blutgenuss, sondern auch der von Ersticktem durchaus durchgesetzt hat.
Blut ist ein wertvolles Nahrungsmittel, reich an Mineralstoffen und Salzen - nur anerzogener Ekel und indoktrinierte Geistergeschichten hindern viele am Genuss.
Ich durfte übrigens Ihre Erfahrung als Jugendlicher teilen - ohne Ekel, dafür mit viel Interesse und Verständnis - und bin dankbar dafür.
Mk 7,18ff:
18 Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht? Seht ihr nicht ein, dass das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann?
19 Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden. Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein.
20 Weiter sagte er: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
21 Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,
22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.
in Kürze:
Fakten sind selten hilfreich, weil alles erlaubt ist, solange es
-gegen den Papst und
-gegen die (v.a. katholische) Kirche geht.
Deshalb muss ein Mag. der kath. Theologie durch keine Bibelkenntnisse befleckt sein.
Und deshalb ist Hr. Schüller hier so oft vertreten, dass man manchmal das Gefühl hat, man liest ein Pfarrblatt.
in Kürze:
Fakten sind selten hilfreich, weil alles erlaubt ist, solange es
-gegen den Papst und
-gegen die (v.a. katholische) Kirche geht.
Deshalb muss ein Mag. der kath. Theologie durch keine Bibelkenntnisse befleckt sein.
Und deshalb ist Hr. Schüller hier so oft vertreten, dass man manchmal das Gefühl hat, man liest ein Pfarrblatt.
Stephen Weinberg:”Religion ist eine Beleidigung der menschlichen Würde”.
Ohne Religion würde es gute Menschen geben die gute Dinge tun, und böse Menschen die böse Dinge tun, aber damit gute Menschen böse Dinge tun, braucht es Religion.
Das ist, denke ich, historisch ziemlicher Konsens (auch wenn antike Philosophie ebenfalls hereinspielt). Auch wenn andere Ableitungen der Idee einer solchen Würde dann natürlich ebenfalls versucht wurden.
Was in Paralleluniversen und anderen Zeitlinien passieren hätte können, wissen wir natürlich nicht.
aber die Geschichte verlief halt, wie sie verlief. Man könnte aber gut auch in der Welt de Sades landen.
Was Sie sagen, klingt auch stimmig, es ist wohl ein Wechselspiel bzw. ein komplexer Prozess, der sich mannigfach ausdrücken kann, aber ich denke, die grundsätzliche Idee einer Wertigkeit und Wichtigkeit jedes Menschen und des Lebens an sich ist schon stark (wenn auch nicht exklusiv) judäochristlich geprägt, wirklich naheliegend oder gar notwendig ist sie wohl nicht gerade.
Ich persönlich kann mit diesem Begriff, zugegebenermaßen, nichts anfangen, mir ist das irgendwie zu nebulös und pathetisch, "religiös".
Nur weil sich die ersten Aufklärer und Menschenrechtler auf die Bibel berufen haben, heißt das noch lange nicht, dass die Menschenrechte aus der Bibel kämen.
Damals musst man sich einfach auf die Bibel berufen, wenn man gehört werden wollte.
Man hat in der Bibel Belege für die Ideen gesucht, die man verwirklichen wollte.
De facto haben sich aber alle Ideen von Menschenwürde und Menschenrechten GEGEN die Religionen entwickelt.
Das sieht man gut daran, dass die Kirche immer noch nicht demokratisch ist, immer noch die Frauen nicht als gleichberechtigt betrachtet, immer noch homophob ist.
Wenn man Gal 2,6 Glauben schenken will, galt das sogenannte Aposteldekret nicht für die Heidenmission
des Paulus, sondern nur für die des Petrus. Also hatte schon damals das Blunzengröstl eine reale Chance, im einem christlichen Magen zu landen!
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