Deutsche Manager fordern Obergrenzen

In der deutschen Wirtschaft werden Rufe nach begrenzten Top-Gehältern laut, die Politik soll aber nicht eingreifen

Düsseldorf - In der deutschen Wirtschaft gibt es offenbar einen Vorstoß zur Deckelung hoher Gehälter von Topmanagern. Mitglieder der Kommission für gute Unternehmensführung forderten in einem Brief an die Aufsichtsratschefs der 30 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax), in die Vergütungssysteme der Konzernvorstände müssten "Obergrenzen integriert" werden, wie das "Handelsblatt" berichtete. Jedoch müsse die Festlegung der Vergütungshöhe und die Beurteilung der Angemessenheit auch künftig "natürlich im Ermessen der Aufsichtsräte liegen".

"Wir sollten uns immer wieder klarmachen, dass auch und gerade marktwirtschaftliche Systeme des Verständnisses und der Akzeptanz der Gesellschaft bedürfen", zitierte das "Handelsblatt" aus dem Schreiben von Kommissionschef und Commerzbank-Chefkontrolleur Klaus-Peter Müller sowie dem Kommissionsmitglied und Ex-Daimler-Manager Manfred Gentz. Die Wirtschaft müsse selbst aktiv werden und Grenzen einführen, weil andernfalls angesichts anstehender Wahlen die Politik handle. Es sei zu befürchten, dass Politiker "schon aus populistischem Impuls an gesetzgeberische Maßnahmen denken."

Zweistellige Anstiege im Blickfeld

Die für einzelne Spitzenmanager für 2011 in den Finanzberichten der Unternehmen ausgewiesenen Vergütungen seien in den vergangenen Wochen "Gegenstand von zum Teil massiver öffentlicher Kritik geworden", zitierte die Zeitung aus dem Schreiben. Insbesondere auch Gewerkschaftsfunktionäre hätten den zweistelligen Anstieg der Bezüge für Vorstandschefs für das vergangene Jahr kritisiert. Die Gehälter und Löhne normaler Arbeitnehmer seien 2011 im Schnitt nur um 3,3 Prozent gestiegen. Die Autoren des Briefes beobachteten "mit Sorge", dass zunehmend auch gesetzliche Regelungen gefordert würden.

In den vergangenen Wochen hatten viele Unternehmen ihre Geschäftsberichte für das Jahr 2011 veröffentlicht. Darin sind auch die Vergütungen für die Vorstände dokumentiert. VW-Chef Martin Winterkorn erhielt für 2011 beispielsweise 16,6 Mio. Euro, Siemens-Chef Peter Löscher 8,7 Mio. Euro. In den vergangenen Jahren stiegen die Gehälter der Topmanager massiv.

SPD-Bundestagsfraktionsvize Joachim Poß kündigte an, das Thema Managervergütungen aufgreifen zu wollen. Die Sozialdemokraten wollten sich "für eine Begrenzung der Managergehälter einsetzen", sagte Poß den Zeitungen der WAZ-Gruppe vom Montag. Dabei gehe es nicht nur um Boni und Gehälter, sondern auch um die Altersversorgung für die Vorstände. Der SPD-Politiker griff die Vorstandsvorsitzenden von Daimler, VW und RWE an: "Die einzigen, die in Deutschland in einer sozialen Hängematte liegen, sind Spitzenmanager wie Zetsche, Winterkorn und Großmann", sagte der Fraktionsvize. (APA, 23.4.2012)

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