Im Flaschenhals des neuen Skylink

Reportage | Michael Möseneder
22. April 2012, 17:54
  • Mit vier Jahren Verspätung testen nun rund 400 Statisten den neuen Skylink. Im Abfluggate versprechen sogar Liegen Komfort.
    foto: apa/techt

    Mit vier Jahren Verspätung testen nun rund 400 Statisten den neuen Skylink. Im Abfluggate versprechen sogar Liegen Komfort.

Im Test fallen vor allem ein paar deutliche Engstellen auf - doch daran kann man baulich jetzt nichts mehr ändern

Wien - "Sie fliegen Businessclass, da müssen Sie zum Schalter 370", sagt die nette Dame am Infoschalter des Skylink, des neuen Terminals des Flughafens Wien-Schwechat. Der Hinweis ist gut, hat nur einen Schönheitsfehler: Es gibt keinen Schalter 370, was mehrere Passagiere ziemlich verwirrt. Tragisch ist das nicht - schließlich wird man den Bau, der am 5. Juni eröffnet wird, ohnehin nie verlassen. Denn das Ganze ereignet sich im Rahmen des Massen-Probebetriebs mit rund 400 Statisten.

Donnerstagvormittag, die Freiwilligen werden mit sieben Bussen aus Wien auf die Noch-immer-Baustelle gefahren oder kommen im eigenen Auto. Sie warten in der Ankunftshalle. Metallsägen kreischen, Bauarbeiter stellen die Geschäfte und Lokale fertig. An den Wänden hängen noch immer Plakate, die 10.000 Euro für die Ergreifung eines Saboteurs versprechen, der seit Herbst aktiv war.

Geld und Interesse

Zwei Testläufe sind geplant, die die Abläufe von der Ankunft am Airport über den Abflug bis zur Rückkehr simulieren sollen. Die Realität bilden sie an diesem Tag nicht ganz ab - es sind vorwiegend Jüngere und Menschen im Pensionsalter hier. Warum sie sich quasi als Versuchstauben zur Verfügung stellen? Fast alle nennen zwei Motive: Geld und Interesse.

Etwa Herr Rudolf, 60 Jahre alt, das Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden. Die 32 Euro, die der Tag als Tester bringt, nimmt er gerne. Aber die Sache selbst reizt ihn: "Ich bin immer viel geflogen, da interessiert es mich, wie es hier aussehen wird." Schließlich gebe es gerade für Transitpassagiere deutliche Unterschiede in Flughäfen, fachsimpelt er. Ob der mit vier Jahren Verspätung eröffnete neue Flughafenteil, der um hunderte Millionen Euro teurer wird als geplant, seinen Vorstellungen gerecht wird, muss sich erst weisen.

Im Trockentraining drängt sich der Eindruck auf, dass das Gebäude, das über 150.000 Quadratmeter Nutzfläche verfügt, doch um einige Meter zu schmal ist. Beispiel Sicherheitskontrollen: 16 Röntgenstraßen führen zu acht Metalldetektoren. An diesem Tag sind weniger in Betrieb, die Menschen stellen sich quer zur Gehrichtung an. Die Folge: Sobald 15 Passagiere eine Schlange bilden, stoßen sie an die Außenfassade, Nachkommende müssen sich mühsam einen Weg bahnen.

Anstellflächen

Das werde sich ändern, verspricht Flughafensprecher Peter Kleemann: "Die Anstellflächen werden mit Bändern markiert." Warum es nur halb so viele Metalldetektoren wie Röntgenstraßen gibt? Das Passieren der Detektoren gehe rasch, argumentiert er - "die Wartezeiten entstehen ja bei der Handgepäckkontrolle". Manche haben dennoch Befürchtungen: "Jetzt verliere ich aber mein Handgepäck aus den Augen", sorgt sich ein älterer Herr.

Theologiestudent Markus, der schon zum dritten Mal Testpassagier ist, findet Skylink grundsätzlich gelungen. Einige Bereiche seien aber tatsächlich etwas eng geraten. "Und der Andachtsraum war nicht zu finden, ich musste hingeführt werden. Obwohl er sehr nett geworden ist."

Gelangt man vorbei an den größeren Raucherkabinen bis zum Abfluggate, ist man zunächst angenehm überrascht. Die Glasfront bietet freie Sicht auf Vorfeld und Pisten, Sitzgelegenheiten mit Tischen, selbst Liegen versprechen Komfort. Doch nicht für jeden: Mehrere Testpassagiere kritisieren, dass zu wenig Plätze vorhanden seien. Bei den Schleusen für Flüge im Schengenraum sind es gut 60 pro Gate - die kleinsten Airbus-Jets haben aber deutlich über 100 Sitzplätze.

Kontrolle

Kleemann versucht zu relativieren: "Durch die zentrale Sicherheitskontrolle werden sich die Kunden im Terminal verteilen. Bisher wurden wir kritisiert, dass die Sicherheitskontrollen erst an den Gates stattfinden und man schon früh dort sein muss. Nun können Gäste in Shops und Restaurants gehen."

Auffallend sind auch die teilweise nur 80 Zentimeter breiten Rolltreppen, die zu den Fluggastbrücken führen. Nur eine Person kann dort stehen, was geschieht, wenn jemand stürzt und die Nachfolgenden keine Chance zum Ausweichen haben, bleibt offen.

Sprecher Kleemann argumentiert, der Sinn sei, "dass die Gäste sehr konzentriert hinunterkommen", sich also möglichst in einer Reihe anstellen, um den wartenden Flieger zu betreten.

Eines gesteht er schließlich aber ein: "Grundsätzlich reicht der Platz, aber es gibt Teilbereiche, die eng dimensioniert sind." Ändern könne man baulich daran leider nichts mehr. Der Hintergrund: Nach 9/11 wurde Skylink verkleinert, da man eine Stagnation oder nur leichte Steigerung der Passagierzahlen befürchtete. Eine Fehleinschätzung, die offensichtlich Meter gekostet hat. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 23.4.2012)

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ist ganz normal

Zwei bänder .... Ein metalldetektor

Bin nur einmal von Schwechat aus geflogen, hab da aber gerade die dezentrale Sicherheitskontrolle als sehr stressfrei erlebt, weil man eben nicht hinter jemandem ansteht, der womöglich erst zwei Stunden später fliegt, während man selbst vielleicht schon knapper dran ist. Dacht mir auch, dass es für das Personal übersichtlicher ist, wenn sie sehen, wieviele Leute schon oder noch konkret für diesen Flug anstehen.

Natürlich ist das für die Passagiere 1000x angenehmer.

Aber "kritisiert" wurde der Flughafen dafür vermutlich von den Betreibern der "Shops und Restaurants", und nicht von den Passagieren.

Noch besser ist nur Berlin Tegel, da ist auch noch ein Eingang zum Terminal direkt bei jedem Gate (mit Sicherheitskontrolle).

ein Debakel.

400 personen = masse?!

wenn 400 personen als masse wahrgenommen werden, ist das gute bauwerk ein reinfall.

die 400 millionen ...

.... die man als überziehung der projektsumme versemmelt hat würden 2 mal reichen um die TU WIEN vor der pleite zu bewahren !! nur als kleine anmerkung ;-)

wär es nicht sinnvoller solche tests VOR dem eigentlichen baubeginn durchzuführen - in einer grossen halle, auf einem platz um die baufehler zu vermeiden?

10.000 Euro für den Saboteur?

Die Saboteure in der Chefetage verdienen das in zwei Wochen.

Jetzt schon von Gestern

Im Prinzip ist das SkyLinkTerminal in Schwechat jetzt schon veraltet. Wie heutzutage Flughafenterminals konzipiert werden müssen um das zukünftige Passagieraufkommen zu bewältigen sieht man beispielsweise in Madrid oder Barcelona. Dagegen wirkt selbst der Münchner Flughafen angestaubt und umständlich.

bitte ned

MAD und BCN (T1) haben eines gemeinsam: ewig lange Wege und eine Blockade der Wege, sobald das Boarding beginnt, da die Leute quer über den Pier die Schlange bilden und es keine Bänder gibt, die das verhindern könnten.

Madrid ist ein tolles Beispiel, vor Allem was Pünktlichkeit angeht…not

madrid

in madrid sind alle sitzge so konzipiert, dass man sich auf keinen fall hinlegen kann (armlehnen), was mich mit zwei müden kindern SEHR gestört hat.

und auch der baulich schönste terminal kann das unfreundliche personal dort und die vielen verpassten anschlussflüge nicht wett machen.

madrid ist für mich ein beispiel, wie's in wien bitte, bitte NIE sein sollte.

Wie wird die Zufahrt zum Skylink geregelt sein?

Man wird doch hoffentlich nicht über den alten Terminal zufahren müssen!
Da ist ja jetzt schon regelmäßig ein Mega-Stau, dass es meist gescheiter ist, über die Ankunftsebene in den Terminal zu gehen.

die Zufahrt bleibt wie sie ist

oder sehen Sie da Bauarbeiten bis zum 5.Juni?
Wir werden weiterhin alle im Stau vor der Fussgängerquerung zum AirBerlin-Terminal stehen. Es gibt noch keine Entscheidung, das wegzunehmen. Ins neue Terminal kommen die nicht und im alten muss erst mal dringend renoviert werden...

Wenn sich die Abflug-Ebene tatsächlich ...

... die gleiche Rampe teilt mit Terminal 1, dann haben sie va. in der Früh dort dann gleich den nächsten Flaschenhals!

32 Euro für einen Arbeitstag, das entspricht 4 Euro pro Stunde, womöglich noch brutto.

Sklaventreiber !!

Das sind keine 8 Std., sondern nur 4

inkl. Verpflegung.

"Die 32 Euro, die der Tag als Tester bringt, nimmt er gerne..."

siehe Airport-Webseite...

..."für ca. 4h" siehe http://www.viennaairport.com/jart/prj3... 5586604701

nicht im Artikel ersichtlich ;-)

Doch, ganz unten

Probebetriebszeiten
Mit Ausnahme der Probebetriebe am 20.03.2012 & 12.04.2012 finden die Probebetriebe immer Dienstag und Donnerstag zwischen 12:00 Uhr und ca. 15:45 Uhr statt.

Bei den Probebetrieben am 20.03.2012 & 12.04.2012 handelt es sich um Nacht-Probebetriebe, welche in der Zeit zwischen 18:30 Uhr und ca. 22:15 statt finden.

ich meinte nicht im Standard-Zeitungsartikel ersichtlich ;-)

Shopping-Hype

Ich glaub' das das Einkaufen auf Flughäfen grundsätzlich überbewertet ist. Weder in Wien - noch auf anderen Flughäfen mit großzügigen "Shopping"-Bereichen - habe ich den Eindruck, dass dort narrisch viele Koffer, Schuhe oder Label-Klamotten verkauft werden.

Vielfach geht's dort vermutlich einfach um Präsenz, und nicht um Umsatz. Und wenn, dann wird der Umsatz mit deutlich überhöhten Preisen, und nicht mit Frequenz erzielt ...

Und für diese "Zwangsbespielung" zahlen die Passagiere dann auch noch doppelt ...

Ich bin früher viel geflogen und mir waren Flughäfen, wo man nach der Sicherheitskontrolle nur mehr sterile Wartebereiche hat, immer ein Graus.

Wenn zu einem Anschlussflug mal noch etwas Zeit war, fand ich es immer wesentlich angenehmer, in einem Kaffee oder Restaurant zu warten oder ein wenig durch die Shops zu spazieren.

Und wenn man ...

... den x-ten Swarovski, Rimowa oder Ralph Lauren Shop dann links liegen lassen hat, dann freut man sich über eine halbwegs bequeme Sitzgelegenheit (ohne von den Passagiermassen überrannt zu werden) und eine passable WLAN-Verbindung, bei der man nicht abgezockt wird.

(btw - ich fürchte dass es mit Letzterer in Schwechat dann auch vorbei sein wird, sobald der Skylink eröffnet ist. Irgendwer hat da sicher schon die Hand drauf ...)

die flughafenpreise

liegen z.B. in London um mind. 10-15% unter den Shoppreisen in der Stadt (Stansted), auch die Prada Brille kostet um 20 Euro weniger....

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