73 Prozent glauben: Österreich ist auf dem falschen Weg

22. April 2012, 17:37
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Mehr als ein Drittel der Befragten wünscht sich zu den derzeit fünf Parteien im Parlament eine neue Gruppierung

Linz - 73 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher meinen, dass sich unser Land grundsätzlich in die falsche Richtung bewegt. Besonders deutlich wird diese Meinung von jungen und weiblichen Befragten getragen. Wähler der ÖVP und der Grünen haben einen deutlich positiveren Blick auf die Entwicklung als der Rest der Bevölkerung.

Diese negative Gesamteinschätzung geht mit besonders schlechten Noten für die Regierung einher. In einer Mitte April durchgeführten Market-Umfrage für den Standard wurden 402 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte gebeten, die Koalition aus SPÖ und ÖVP nach Schulnoten zu bewerten. Dabei vergaben weniger als ein Prozent ein "sehr gut" - vor einem Jahr gab es immerhin noch von sieben Prozent einen Einser. Dafür stieg der Prozentsatz der "nicht genügend" von 15 auf 17 - was den Notenschnitt von 3,31 auf 3,67 weiter verschlechterte.

"Klassenprimus" Grüne

Die Noten für die einzelnen Regierungsparteien unterscheiden sich dabei nur geringfügig, die SPÖ kommt auf 3,58, die ÖVP auf 3,62. der Standard ließ weiter fragen: "Welche Partei hat sich in den letzten Monaten in der Regierung stärker durchsetzen können, war das eher die SPÖ, war das eher die ÖVP, oder sind da beide Parteien etwa gleich stark?" Darauf sagten 66 Prozent, die beiden Parteien seien gleich stark, 21 Prozent sehen eher die ÖVP, 14 Prozent eher die SPÖ als durchsetzungsfähig an. Es sind vor allem die erklärten ÖVP-Wähler, die ihrer Partei Durchsetzungsfähigkeit zutrauen.

Und wie sieht das mit der Opposition aus? Da bekommt die FPÖ einen Notenschnitt von 3,83 - wobei freiheitliche, BZÖ- und ÖVP-Wähler deutlich milder urteilen als der Rest. Das BZÖ schneidet mit 3,86 noch eine Spur schlechter ab, die Grünen sind mit 3,41 die noch relativ bestbewertete Partei. Market fragte auch, ob die Opposition "alles in allem eine gute Arbeit im Interesse Österreichs" mache - aber da ist das Urteil kaum besser als bei den Regierungsparteien: 3,55 lautet die Zeugnisnote.

Ungenügendes Parteienangebot

"Daraus kann man schließen, dass die Österreicherinnen und Österreicher mit dem Parteienangebot insgesamt höchst unzufrieden sind", erläutert Market-Studienleiterin Bettina Müller. Dies mache verständlich, warum eine Piratenpartei derzeit so viel Aufmerksamkeit bekommt, obwohl sie weder auf ein Programm noch auf profilierte Persönlichkeiten verweisen kann. "Die Leute wissen nicht, was sie genau haben wollen - sie fühlen aber ein Unbehagen mit dem Ist-Zustand."

Dies belegt Müller mit aktuellen Zahlen. Market fragte: "Wenn man Regierung und Opposition in Österreich betrachtet, ist die Zahl von fünf Parteien für Österreich gerade richtig, oder wäre es da sinnvoll, wenn noch eine weitere Partei im Parlament vertreten wäre, oder wäre es besser, wenn es weniger Parteien im Parlament geben würde?" 36 Prozent sagten daraufhin, sie würden sich eine neue Partei wünschen.

Besonders deutlich ist dieser Wunsch in den Städten, bei den höher gebildeten und bei den jüngeren Befragten. 39 Prozent halten die Zahl von fünf Parteien für gerade richtig, 25 Prozent kämen allerdings mit weniger aus. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 22.4.2012)

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