Ubuntu: "Null Interesse an Kernel-Entwicklung"

22. April 2012, 11:19

Canonical sieht seine Aufgaben in anderen Bereichen - Selbst Microsoft trägt mehr zum Kernel bei

Die Kontroverse rund um die Herangehensweise von Ubuntu-Hersteller Canonical an die Linux-Entwicklung ist beinahe so alt wie das Unternehmen selbst. Gerade mit dem wachsenden Erfolg von Ubuntu wurde die Kritik immer lauter, dass sich Canonical zwar gerne beim Source-Code der Linux-Community bediene, selbst aber kaum etwas zur Weiterentwicklung beitrage. Rein rechtlich ist dem Unternehmen dabei natürlich kein Vorwurf zu machen, gerade Konkurrenzunternehmen finden es aber nicht immer gar so berauschend, wenn Canonical den Ruhm für Ubuntu einheimst, die Grundlagen des eigenen Erfolgs aber zunehmend verschweigt.

Ranking

Neu aufgeflammt ist dieses Kontroverse durch eine aktuelle Statistik, die Anfang April von der Linux Foundation veröffentlicht wurde: In dieser zeigt sich, dass Canonical nicht einmal mehr in den Top 20 der am meisten zum Kernel beitragenden Unternehmen aufscheint. Dies im Gegensatz zu Windows-Hersteller Microsoft, der im Jahr 2012 immerhin 1,1 Prozent neuen Codes geschrieben hat.

Wahrnehmung

Und auch wenn sich das Engagement der Redmonder zur Gänze um die Unterstützung für die eigene Virtualisierungstechnologie HyperV dreht, zeigt die Statistik doch auch sonst recht klar die aktuellen Verhältnisse auf: An der Spitze steht einmal mehr Red Hat, das im Jahr 2012 bereits 37,7 Prozent des Codes geschrieben hat, an zwanzigster Stelle rangiert AMD mit 0,5 Prozent, Canonical - das sich erst vor kurzem damit gerühmt hat, dass Ubuntu mittlerweile im Server-Bereich angeblich mehr eingesetzt werde, als Red Hat Enterprise Linux - muss also noch unter dieser Wahrnehmungsgrenze liegen.

Kein Interesse

Gegenüber "The Inquirer" bestreitet Mark Shuttleworth diese Tatsache auch gar nicht, sondern steht ganz offen zum eigenen Konzept: "Es stimmt, dass wir kein Interesse an der Kernel-Entwicklung haben, und zwar absolut keines" zitiert die IT-Seite den Ubuntu-Gründer. Die Aussage versteht sich nicht zuletzt als Antwort auf Red-Hat-Vizepräsident Scott Crenshaw, der unlängst diagnostiziert hat, dass Canonical kaum eigenen Code schreibe,insofern auch gar nicht die Expertise habe, ernsthaften Enterprise-Support zu liefern.

End User

Shuttleworth zeigt sich davon überzeugt, dass dieser Ansatz der richtige sei, schließlich gebe es rund um den Kernel ohnehin schon eine sehr aktive und funktionierende Entwicklungs-Community. Was Linux aber bislang gefehlt habe, sei ein Fokus auf die End-User-Experience, und genau da liege auch der Beitrag Canonicals. Es sei absurd zu behaupten, dass Canonical nichts beitrage, während selbst ein großer Teil der Kernel-EntwicklerInnen Ubuntu benutze. Außerdem verwende auch Red Hat die eine oder andere Ubuntu-Technologie, etwa im Cloud-Bereich. (apo, derStandard.at, 22.04.12)

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Dann bleibt ja gar nichts mehr von Torvalds

wenn nun den Kernel auch noch weranders machen soll.

geniales Video zu diesem Thema

Greg Kroah Hartman auf der Linux Plumbers über Kernel Statistiken. Hat auch ein paar Sprüche zu Ubuntu... Habt Ihr gewusst, dass Inode mehr code für den Kernel schrieb als Ubuntu? :)

http://video.google.com/videoplay... 7824733336

gutes video, rentiert sich wirklich!

aus dem jahr 2008

Was Linux aber bislang gefehlt habe, sei ein Fokus auf die End-User-Experience, und genau da liege auch der Beitrag Canonicals.

WAS ist denn dieser End-User überhaupt? DAS sollte mal erst geklärt sein, bevor hier groß gejammert wird.

Wenn es die alten DAUs sind, dann ist das auch wirklich nicht schlecht.

Jedoch wird jeder, der ein bischen mehr Anforderungen und Ansprüche stellt, mit dieser User-Beschneidung wohl nicht zufrieden. Geht bis zur totalen Ablehnung der Freiheitseinschränkung!

Schließlich hat man sich damals für Linux entschieden, weil Windows und OS 9 (OS X) zu beschnitten sind ....

Wo genau beschneidet Sie Ubuntu denn? Der "End-User" ist der, der das System BENUTZT. Das gibts nämlich auch noch. Genau diese Einstellung trägt dazu bei, dass Linux bis heute den Ruf als Nerd-OS hat. Ich benutze nun seit fast 10 Jahren Linux und hab -- damals noch unter Debian -- auch viel an meinem System herumgebastelt. Heute für mich ist in erster Linie mal wichtig, dass die Kiste stabil läuft und ich damit effizient damit arbeiten kann - und darin hat Linux einen immensen Fortschritt gemacht. Und um wieder auf den Artikel zurückzukommen: Dazu haben die Kernel-Entwickler einen großen Teil beigetragen, aber auch Ubuntu. Es hat schon einen Grund, warum Ubuntu die beliebteste Desktop-Distribution ist und nicht Red Hat.

Jedes OS hat Stärken und Schwächen

Seit Jahren verwende ich Windows und verschiedene Linux Distros parallel. Für spezielle Software nehm ich Windows, im Alltagsbetrieb Linux. Der unity Desktop ist allerdings nicht nach meinem Geschmack ( ich nutze Gnome, XFCE und LXDE ), daher läuft bei mir kein Standard-Ubuntu mehr.

Canonical macht GENAU das was dem Linux-Desktop am meisten fehlt: polish.. und das machen sie am besten. Das ist extrem entscheidend für die User-Experience und folglich auch für die Verbreitung von Linux auf PCs und Laptops. Sicher wäre es nett wenn sie mehr tun würden, aber Mark Shuttleworth finanziert Ubuntu privat und solche Vorwürfe empfinde ich im besten Fall als frech.

perfekt auf den punkt gebracht! genau so sehe ich das auch!

http://xkcd.com/619/

Ein Betriebssystem ist für den Anwender hauptsächlich NICHT der Kernel, und der beste Beweis dafür ist Windows - als Windows 9x durch NT ersetzt wurde, hatte man einen neuen Kernel und eine neue Architektur... und keinen Benutzer hat es wirklich interessiert. "Es war ja noch immer Windows, denn es fühlte sich an wie Windows".

Canonicals Hauptleistung besteht im "Ködern" von Benutzern. (Die ja nicht unbedingt bei Ubuntu bleiben, denn Ubuntu hat auch seine Schwächen - Freunde von mir sind zu Fedora und OpenSuse abgewandert, ich selbst ging zu Scientific Linux, könnte aber wegen des langen Supports von 12.04 doch wieder zurückkehren.)

Was er tut, ist, die nötige Publicity zu schaffen, auch wenn man es als etwas "unmoralisch" empfinden mag.

Diese ganze Aufregung ist für die Wiascht

Ich habe so den Eindruck, daß die Leute, die sich hier aufregen rein gar nichts von Open Source verstehen und vermutlich auch nie eine eigene Zeile Code unter die GPL gestellt haben.
Außerdem der Firma Cannonical vorzuwerfen, etwas nicht zu tun wo sie ihr gebasteltes Produkt doch auch gratis abgeben, ist auch nicht zu verstehen.
Jeder reine User trägt noch weniger zum Linux-Ökosystem bei. Also was soll dieser Scheiß? Darum ist es bei der Grundidee von Linux immer gegangen - ein EIGENES Betriebssystem basteln zu können. Linus Torvalds hat der Community ein Geschenk mit der Absicht gemacht, daß JEDER daraus machen soll was er will und dafür das entstandene Resultat weiter zu schenken. Genau dieser Philosophie entspricht auch Cannonical.

was hat der

gegen eine kernöl entwicklung?

was nutzt der beste kernel, wenn niemand linux verwendet. es gibt verschiedene bereiche, um sich "für die sache" einzusetzten.

Wen soll das bitte wundern? Es ist doch systeminhärent dass die Gratiswelt der Linuxianer schlechte Anreize bietet etwas zu leisten. Nichts anderes verdeutlicht Canonical. Wer intellektuelles Eigentum freigibt darf sich auch nicht wundern wenn andere es konsumieren und nichts beitragen wollen. Freeriding ist die logische Folge der Linux-Welt, deshalb ist sie auch nach noch so vielen Jahren und Mannjahren, nach noch so vielen Millionen Arbeitsstunden, chancenlos gegenüber Windows. SSKM. Piraten, zur Kenntnis nehmen und mal drüber nachdenken! ;-)

Linux

als Alternative finde ich toll... ob sich das GPL Konzept jedoch durchsetzt ist fraglich (betrachtet man die Geschichte im Allgemeinen stellt man fest, dass gemeinnützige Projekte irgendwann letztendlich doch nur einigen wenigen verhelfen damit Kapital zu schlagen... )
Eines ist auch klar: je größer das Linux-Projekt wird, desto weniger reizvoll die Teilnahme an der "Gratispartizipation", da der Zeitaufwand zum Durchblicken des gesamten Codes enorm zunimmt. Weiters sind eigene Ideen auch nur bedingt umsetzbar, da die Entscheidung (zumindest den Kernel betreffend) immer noch nur auf eine Person zurückgeht (Torvalds).
Die Streitereien, wer was "erfunden" oder entwickelt hat werden zunehmen wie es aussieht...

linux ist in so gut wie jedem bereich führend abgesehen vom desktop. darunter webserver bzw. allgemein internet-infrastruktur, supercomputing, embedded systems oder smartphones.
so schlecht scheint das entwicklungsmodell also nicht zu sein.

ah ja

diese systeminhärente gratiskultur sorgt wohl auch dafür, dass die letzten 20 jahre so gut wie nix weiterentwickelt wird auf dem sektor und linux bis auf ein paar (piraten)desktops in der it welt so gut wie keine rolle spielt, oder?

Android ist auch chancenlos gegenüber Windows Phone und Webserver laufen ausschließlich auf Windows Server....

Was Linux jetzt auf einmal mit den Piraten zu tun hat? Sie sind eben Profi auf jedem Gebiet...

Nicht nur bei der Kernel Entwicklung zeigt Ubuntu Null Interesse. Auch die Distri selbst ist am absteigenden Ast. Mint hat Ubuntu abgelöst und auch Fedora wird U balt überholen. Und selbst Debian kann man heute installieren und Out-of-the-Box benutzen.

mint basiert doch auf ubuntu, nicht?

Ja stimmt.
Allerdings haben die Mint Leute, schon eine auf Debian basierende Mint Variante auf die Beine gestellt.
Ubuntu ist also durchaus entbehrlich.
Ist ohnehin immer schrottiger, die Ubuntu Distri.

wieviel tragen

eigentlich die mint leute zum kernel bei?

Das wissen wohl nur die Mint Leute.
Aber wie wäre es, wenn sie einfach selber fragen?
Gibt ja eine Kontaktmöglichkeit.
http://www.linuxmint.com/contactus.php

Also ich wage einmal zu behaupten dass es Ubuntu zusammengebracht hat, sowohl den "SuperDAU" als auch den professionellen Anwender zu bedienen. Der "SuperDAU" möchte sich beim Mediamarkt oder dgl. ein Computerzubehör kaufen und das soll dann mit seinem PC zu Hause funktionieren. In 80-90% der Fälle wird es das auch tun. Der Professionist kann sich sein System so zusammenstellen wie er möchte. Auch dass ist zu 80-90% möglich. Also wo ist da ein Problem? Zumindest kann man Ubuntu zugute halten dass es Linux im Allgemeinen bekannter und verbreiteter gemacht hat und dass sich andere Größen dadurch bemühsigt gefühlt haben auch daran zu arbeiten.

und das ist gut so denn sie machen etwas, was bisher keine andere distri in dem ausmaß zusammen bekommen hat: die ganzen bauklötze zu einem durchdachten, funktierenden, nach etwas aussehenden, bedienbaren desktop-system zusammen zu stecken. das machen sie nämlich besser als jeder andere der es bisher versucht hat.

am kernel arbeiten sowieso schon viele fähige leute.

.. naja...

... Ubuntu ist auch nichts anderes als ein ursprünglich auf dem flotteren Gnome aufsetzendes SuSE - was jahrelang im deutschsprachigen Raum DIE Linux Distribution mit KDE schlechthin war!

Der größte Unterschied war, daß Ubuntu auf Debian fußte, während SuSE eine Eigenentwicklung war.

Mit YAST von SuSE wurde auch der Grundstein für bessere graphische Unterstützung bei der Installation und Verwaltung gelegt.

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