Hugs Sehnsucht nach Platz eins

20. April 2012, 21:15
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Zum Auftakt der Art Cologne gewährt deren Chef Einblick in seine ambitionierten Pläne: Die Messe in Köln soll der Art Basel den Rang ablaufen

Art-Cologne-Chef Daniel Hug vermittelt gerade der deutschen Grünen-Chefin Claudia Roth in einer Koje aus dem arabischen Raum, dass die dortige Kunst sich kritisch mit dem Frauenbild im Islam beschäftigt. Das reichlich erschienene Vernissagenpublikum vermittelt neueste Modetrends, bisweilen sogar am Rand zu grenzwertiger Körperkunst. Gestresste Aussteller wollen teure Kunst an wichtige Sammler/Käufer vermitteln. Business as usual auf der diesjährigen 46. Art Cologne. Auch wenn Hug irgendwann die Art Cologne vor die Art Basel positionieren will, wie er jüngst im Art-Interview tönte, hat sich über sein Upgrade seit 2008 doch mächtig etwas getan.

Die vormals kümmerliche Regionalposse entwickelte sich heuer zur bühnenreifen Leistung, was Offertenbreite und besonders das Topsegment betrifft. Nach Karsten Greve, Annely Juda, Michael Werner oder Hauser&Wirth, sind heuer etwa David Zwirner (New York) oder die arg überschätzte australische Galerie Roslyn Oxley9, vor allem aber ein Global Player wie Thaddaeus Ropac (Salzburg/Paris) wieder vor Ort. Gleich zum Auftakt konnte Letzterer einen Warhol (After Picasso) für 1,1 Mio. Dollar rot markieren und eine Arbeit Antony Gormelys für 300.000 Pfund in einer französischen Sammlung platzieren.

Vom Oberhaus zur Plattform

Ropac attestiert zunehmende Sehnsucht nach der einen starken deutschen Messe in Köln. Der Moment sei günstig, die Fiac in Paris hätte dasselbe Problem gehabt und sei nun stärker denn je. Das Thema Krise reduziert Ropac aktuell auf ein Beschaffungsproblem bei Topqualität.

Amüsiert zeigt sich Kollege Michael Beck (Düsseldorf) jedenfalls über die Hug'sche Sehnsucht nach Platz eins. Auch weil das Ende der monetären Fahnenstange in Köln bei drei Millionen Euro zu liegen scheint, etwa bei David Zwirner für einen frühen Baselitz (2,3 Mio.). "Basel und Maastricht haben die großen Sammler und die Kunst, die es in Köln nicht gibt", kommentiert Beck.

Der kontinuierlich agierende, klassische deutsche Sammler kaufe Macke, Nolde, Kirchner oder Zero-Vertreter. Passend hat er ein Topwerk Heinz Macks mitgebracht. Das silbrige Riesenrelief (1967) glitzert für 600.000 Euro.

Nicht nur im Oberhaus der zwei Art-Cologne-Messe-Etagen (200 Galerien, 15 Österreicher) stehen die Zeichen auf höhere Wertigkeit und mehr internationale Anmutung. Den Tummelplatz der zeitgenössischen Avantgarde bestückt heuer mit Nada (New Art Dealer Alliance) eine international besetzte, 2002 gegründete junge Galerienplattform aus New York. In einer dieser 32 Kojen stößt man übrigens auf Emanuel Layr (Wien) mit Franz Amann, Marius Engh und Lisa Holzer. Die gefälliger konzipierte Kunstlandschaft des mehrjährigen Open-Space-Projekts hat somit ausgedient.

Auf schwarzem Hallenboden versucht man, so gut es geht, zeitgenössisch karg zu provozieren und sich avantgardistisch zu gebärden - wozu der globale und kaum noch überschaubare Wirtschaftsfaktor "Kunstmarkt" im Grunde genuin gar nicht mehr in der Lage ist, sein kann. (Roland Gross , Album, DER STANDARD, 21./22.4.2012)

  • Tony Craggs "Round the Block" (2002) wartet in der Galerie Hans Mayer für 390.000 Euro auf einen neuen Besitzer.
    foto: galerie mayer

    Tony Craggs "Round the Block" (2002) wartet in der Galerie Hans Mayer für 390.000 Euro auf einen neuen Besitzer.

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