Die Drehscheibe zieht immer noch

Markus Böhm
22. April 2012, 19:26
  • Soll neue Betriebe anlocken: das Technologiezentrum Aspern IQ in der gleichnamigen Seestadt in Wien.
    vergrößern 800x532
    foto: standard/corn

    Soll neue Betriebe anlocken: das Technologiezentrum Aspern IQ in der gleichnamigen Seestadt in Wien.

Ausländische Firmen siedelten sich 2011 besonders gern in Wien an - vor allem deutsche, aber auch mittel- und osteuropäische. Die Aussichten sind weiter positiv

Österreich verkauft sich traditionell als Bindeglied zwischen West- und Osteuropa, und das offenbar mit Erfolg: So konnte die österreichische Betriebsansiedlungsagentur Austria Business Agency ABA-Invest in Austria 2011 einen signifikanten Anstieg der Investitionssumme um 34 Prozent auf 296,2 Millionen Euro verbuchen. 2010 waren es 221,1 Millionen Euro. Die Anzahl der mit den jeweiligen Regionalgesellschaften angesiedelten internationalen Betriebe betrug zwar mit 183 um 7,5 Prozent weniger als 2010 (198), die durchschnittliche Projektgröße sei aber gegenüber dem Vorjahr aber gestiegen, heißt es vonseiten der ABA.

Das freut Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, Eigentümervertreter der Agentur, der den Standort Österreich als "weiterhin attraktiv für nationale Unternehmen" sieht, aber gleichzeitig vor einem härter werdenden internationalen Wettbewerb warnt: "Aufgrund der konjunkturellen Aussichten wird 2012 kein einfaches Jahr für Betriebsansiedlungen", hält Mitterlehner fest.

Unter Nachbarn

Dennoch rechnet der Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsgesellschaft René Siegl aufgrund des aktuellen Standes von 645 derzeit bearbeiteten Investitionsprojekten - von Solaranlagen über Automobilteile bis zum Logistikzentrum - mit einem positiven Wirtschaftsjahr 2012.

Wichtigstes Investorland 2011 war, wie in den Jahren davor, Deutschland. Mit 71 Ansiedlungen machten deutsche Firmen 39 Prozent aller Betriebsansiedlungen in Österreich aus. 2010 waren es 83, 2009 53 deutsche Unternehmen. Ein Stand von 138 offenen deutschen Investitionsprojekten per Ende 2011 gegenüber 155 im Vorjahr lässt auch für 2012 auf ein gutes Ergebnis hoffen.

Zweitstärkstes Investorland war 2011 wieder Italien mit 16 neuen Ansiedlungen (2010: 17). Die Arbeitsmarktliberalisierung für weitere CEE-Länder im Mai 2011 scheint dazu beigetragen zu haben, dass 13 ungarische (2010: elf) und acht slowenische Betriebe (2010: zwei) hierzulande ihre Zelte aufgeschlagen haben. Insgesamt war die Gruppe der mittel- und osteuropäischen bzw. der südosteuropäischen Länder bei Firmenneugründungen mit 41 oder 22,5 Prozent aller ABA-Projekte stark vertreten - darunter sechs russische und vier ukrainische Unternehmen.

Besonders attraktiv war und ist Wien - vor Kärnten und Niederösterreich. "Genau 50 Prozent der von der ABA im Vorjahr betreuten Firmen siedelten sich in Wien an", sagt Siegl und betont bei der Gelegenheit wieder die Drehscheibenfunktion der Bundeshauptstadt für Osteuropa. 126 Firmen waren es im Vorjahr, die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze hat sich mit 1900 gegenüber 2010 mehr als verdreifacht, rechnet Finanz- und Wirtschsftsstadträtin Renate Brauner vor.

Asien legt zu

Insgesamt konnte die Wirtschaftsagentur Wien gemeinsam mit der ABA seit 2004 rund 780 internationale Unternehmen in Wien ansiedeln. Zahlen der Wirtschaftskammer zufolge konzentrieren sich knapp 70 Prozent der in Österreich investierten 120 Milliarden Euro ausländischen Kapitals in Wien.

"Zusätzlich war Wien 2011 bei asiatischen Unternehmen hoch im Kurs", sagt Siegl. "Alle sieben japanischen und alle fünf chinesischen Unternehmen, die von der ABA bei der Niederlassung beraten wurden, entschieden sich für Wien als Standort." Darunter der japanische Konzern Mitsubishi Power Systems Europe, der hier sein europäisches Kompetenzzentrum für Energieerzeugungsanlagen MHI Engineering Vienna gründete. Vertreten waren aber auch einige große Handelsunternehmen wie die US-Marke Hollister, die im Donauzentrum ihren Flagshipstore eröffnete. Oder die ebenfalls aus den USA stammende Modekette Forever 21, die gleich zwei Filialen eröffnete.

Standort Aspern

Mit dem Ausbau der Infrastruktur möchte die Stadt weitere potenzielle Investoren anlocken. So soll beispielsweise das Technologiezentrum Aspern IQ als erste Gewerbeimmobilie der Seestadt Aspern im September 2012 fertiggestellt werden und Unternehmen einen Standort bieten. Mit dem Stadtentwicklungsgebiet "Neu Marx" soll ein Standort für Forschung, Medien, Technologie und die Kreativbranche entstehen.

Aktuell arbeitet die Wiener Wirtschaftsagentur auf demselben Areal an der Fertigstellung des größten Medienzentrums des Landes, dem Media Quarter Marx. Die rund 35.000 Quadratmeter Bürofläche sollen vor allem Medienschaffenden Raum bieten. Bis 2015 sollen dort rund 15.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Gebaut wird auch auf dem ehemaligen Waagner-Biro-Gelände im 22. Wiener Gemeindebezirk. Auf dem 140.000 Meter großen Gelände entstehen zwei Bürokomplexe unter dem Namen "Star 22", geplante Fertigstellung 2013. Hochtechnologiebetriebe wiederum soll "mittel- bis langfristig" ein neuer Wissenschafts- und Technologiestandort im Indus-triegebiet Liesing anlocken. (Markus Böhm, DER STANDARD, 21./22.4.2012)

Share if you care
7 Postings
In Wien eher weniger

sondern um Wien herum.

Denn dort sind Unternehmen viel willkommener. In Wien wetzt bei jedem neuen Gewerbetreibenden sofort der ganze Magistrat die Messer um es ihm möglichst schikanös zu machen. Die sind sehr innovativ im Erfinden von immer neuen Vorschriften, selbst wenn die alle erfüllt worden sind - dann gibts eine Parkpickerlzone als zusätzliche Strafe für alle die naiv genug waren in Wien zu investieren.

Wirtschaft zerstört Grünland"

Gewerbegebiete zerstören die Natur. Stop!

In Wien?

Lieber in NÖ und direkt an der Grenze zu Wien. In NÖ ist vieles einfacher, vor allem mit den Behörden und Gemeinden.Wien will ja auch keine Pendler mehr haben, da bietet sich NÖ wirklich perfekt an!

oha

man könnte ja fast glauben, der Wirtschaft geht es blendend. Tut es wahrscheinlich auch - aber eben nur der Realwirtschaft.

Wie war das mit der Wirtschaftskrise? Das ist doch nur eine Lüge der US/UK Finanzmafia um Top Renditen bei Staatsanleihen zu ergaunern, um Staaten zu ruinieren damit deren eigenen Wirtschaft nicht noch schlechter da steht.

hä?

Sie haben Feindbildmangel?

Selten soviel Blödsinn gelesen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.