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Die Norweger haben sich weltweit Hochachtung erworben für ihr demonstratives Festhalten an demokratisch-humanistischen Werten auch nach dem Massenmord auf der Insel Utöya. Doch nun sind der norwegischen Justiz zwei Kritiker erwachsen, die es kraft ihres Kolumnistenamtes besser wissen - in Österreich, und daher, wie könnte es anders sein, in der "Kronen Zeitung": Marga Swoboda und Michael Jeannée. Just in den Tagen, indem sich die ganze Armseligkeit und Verlogenheit von Anders Behring Breiviks rassistischem Gedankengebäude der Welt zu offenbaren beginnt - in denen Blätter, die mit Ausländerfeindlichkeit auch nicht sparsam umgehen, also viel lernen könnten - rüffelt Swoboda die norwegische Auffassung von Rechtsstaatlichkeit. Hätte der Rechtsstaat das Recht des Mörders nicht auf einen Auftritt unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschränken können?, fragte sie, und hatte dafür persönliche Gründe. Ich will diesem Mörder nicht ins Gesicht sehen. Ich will die Sätze nicht hören, die er in die Welt spuckt. Ich will die Zitate nicht lesen, die unsagbaren Schweinereien. Ja, und auch das: Ich will diese kalte Fratze nie mehr sehen. Ich will keinen dreckigen Satz von diesem Monster hören müssen. Ich bin gegen die Todesstrafe. Aber ich bin für die Strafe des Totschweigens. Nichts kann dem Monster wehtun, außer die eigene Bedeutungslosigkeit. Tut ihm weh!
Skandalös, dass sich Norwegens Justiz dieser Rechtsauffassung nicht anschließen will, und das umso weniger, als sie damit die eine Forderung der Kolumnistin - Tut ihm weh! - weit besser einlöst als diese es mit ihrer anderen Forderung nach Totschweigen verlangt. Denn nichts tut Breivik und Gleichgesinnten mehr weh, als die eigene Bedeutungslosigkeit vor der ganzen Welt enthüllt zu sehen.
Das Leiden Jeannées ging tiefer, er leidet an der verkehrten Welt, und deshalb hält er sich für berechtigt, das auch in angemessenen Worten auszudrücken. Und zwar in einem Brief an den lieben Schöffen Thomas Indrebö, der Sie ruckzuck Ihres Postens im Osloer Prozess gegen die erbarmungslos lächelnde menschliche Tötungsmaschine Anders Bering Breivik wegen "Befangenheit" (Sie forderten via Facebook die Todesstrafe für das Vieh) enthoben wurden.
In zivilisierten Blättern würde der Ausschluss eines Schöffen, der sein Urteil bereits vor Beginn eines Prozesses öffentlich bekanntgibt, als normal empfunden werden. Verkehrt ist die Welt nur, wenn es sich um Jeannée und Vieh handelt. Doppelt verkehrt, denn Jeannée verfügt über die wunderbare Gabe, zu wissen, was in allen Prozessbeteiligten - ob Richter, Vorsitzende Richterin, Staatsanwalt, die Schöffin , die nun statt Ihrer urteilt, oder auch die Verteidiger - vorgeht. Auf die Distanz zwischen Wien und Oslo eine gute Leistung: Der einzige Unterschied zwischen Ihnen, lieber Schöffe Thomas Indrebö, und den Genannten ist, frei herausgesagt zu haben, was jene denken: Die erbarmungslos lächelnde menschliche Tötungsmaschine gehört weg!
Was der Schreiber durchschaut zu haben meint, ist, in der verkehrten Welt des Osloer Gerichtssaales säßen lauter verkappte Jeannées. Und die halten immer alle anderen für verkehrt. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis er auch dem Präsidenten Jürgen Bodenseer in der verkehrten Welt der Tiroler Wirtschaftskammer per viehischer Post seinen Respekt erweist, weil er zu reden wagte.
Noch günstig ließ er unter Anlegung seiner hochmoralischen Maßstäbe Dienstag den Bundespräsidenten mit einem Brief davonkommen, in dem er sich die Irritation in Bad Mitterndorf zu beschreiben ersparte, die das Staatsoberhaupt dadurch hervorgerufen haben soll, dass er einen ihm von der dortigen Musikkapelle verliehenen Lebkuchen, statt ihn im stillen Kämmerlein allein aufzufressen, öffentlich der Mürzsteger Feuerwehr weiterreichte.
In seiner neuen Rolle als Spezialist für Peinlichkeiten aller Art sah sich Jeannée genötigt, dem Bundespräsidenten mitzuteilen, dass die Irritation in Bad Mitterndorf ob dieser Schändung des Lebkuchens gewaltig ist, handelte es sich bei diesem doch um ein wohlüberlegtes Präsent an den bekennenden "leidenschaftlichen" präsidialen Bergwanderer Heinz Fischer. Eine Staatsaffäre höchsten Ranges also, bei der die " Krone" gar nicht anders konnte, als die Überreichung des peinlichen Lebkuchens auf die Titelseite zu bringen. Schon um zu demonstrieren, was jenen widerfährt, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen. (Günter Traxler, DER STANDARD, 21./22.4.2012)
Der "Kurier" konnte "das letzte Habsburg-Rätsel" lösen und damit zurückschlagen - Dan Brown nichts dagegen
Um den Lesern des "Kurier" den Mund wässerig zu machen, berichtete die Redaktion bereits am Vortag, was zur Sprache kommen sollte
Was ist los bei Euch? - Da antwortet baroli - wie stets eloquent - vor 24 Stunden auf mein post, aber veröffentlicht ist es bis dato immer noch nicht.
Dabei möchte ich baroli ebenso wie der gleichermaßen zu lang schon vermissten lectrice mitteilen:
Dominique Manotti. Die derzeit besten französischen Polit-Krimis überhaupt---
Verehrter Dritter Mann,
es mag daran liegen, daß ich grad ein Wengerl im Clinch mit der Upper Class dieses Mediums liege.
Ich kann halt so schlecht buckeln.
Herzlichen Dank für Ihre Buchempfehlung, ich kannte die Autorin unverzeihlicherweise noch nicht, aber sie ist sofort auf meiner Leseliste gelandet.
Ihre Posts erfreuen jedenfalls immer mein Herz und entschädigen für so manche Unbill.
Ja, das waren noch Zeiten, als mich die damit adressierten Brieflein aus der Kanzlei des Dr. Michael Stern "beglückten"... Kennt man heute natürlich gar nicht mehr, aber so viel pure Höflichkeit möchte ich Ihnen auch gerne angedeihen lassen!
Die Manotti bis dato nicht gekannt zu haben, ist dieweil sehr verständlich, wurde sie ja erst spät ins Deutsche übersetzt. Sehr bemerkenswert hierzu das Interview mit ihr in "Hartes Pflaster" - und insbesondere, wer zunächst ihren Schreibstil prägte, James Ellroy nämlich, der zuletzt leider nur noch US-republikanischen Schund pro Todesstrafe geschrieben hat.
So tief möchte man denn doch nie sinken. Aber seinerzeit in der Frühzeit war Ellroy nahezu genial!
Sehr verbunden!***
Na, das ist ja einmal eine würdige Anrede.
Das mag ich.
Ich nehme an, Sie meinten noch den legendären "alten Stern".
Von Ellroy kenne ich nur "Die schwarze Dahlie" und "Stadt der Teufel", vielleicht schnuppere ich einfach einmal weiter.
Verbindlichste Grüße!
zu beiden Anfragen und mit größter Freude - weil: wer erinnert sich heute schon noch an den "alten Doktor Michael" bzw. an J. E. (auch "L.A.Confidental" war übrigens ziemlich gut und enorm stimmig dazu Bob Seger mit z.B. "Hollywood Nights"). - Indessen hoffe ich, dass Sie mir die verspätete Antwort verzeihen. Versank nach der ultimativen Niederlage des FC Barcelona in ein Stimmungstief, das weder Zigarren noch Rum beseitigen konnten. Den einzigen Lichtblick boten mir in dieser Düsternis nur die jüngst posthum erschienenen, gesammelten Artikel zum Thema von Wendelin Schmidt-Dengler, "Hamlet oder Happel", in denen man u.v.a. auch erfährt, wer E. Canetti zu "Masse und Macht" inspirierte und worüber sich S. Morgenstern amüsierte...
Ihnen verzeihe ich sogar das Fußballinteresse, das mir sonst mein Leben lang ein Mirakel geblieben ist.
Besonder lustig ist aber, daß ich meinem Mann vor kurzem "Hamlet oder Happel" geschenkt habe.
Jetzt werde ich wohl selbst einen Blick hineintun, besonders wenn von Canettis Masse und Macht die Rede ist, einem der interessantesten Bücher meines Lebens.
Und jetzt rauchen Sie genußvoll Ihre Zigarre, trinken ein Gläschen auf das Wohl all derer, die Ihnen wohlgesonnen sind und vergessen das (Fußball-) Leid dieser Welt.
der Satz stimmt schwerlich: "In seiner neuen Rolle als Spezialist für Peinlichkeiten aller Art". Wie bitte? "Neue Rolle"? Jeannee ist die personifizierte Peinlichkeit fast zeit seines Lebens, was schon beim Olfaktorischen beginnt und selbst im Freien auffällig wird, so er sich einem auf weniger als 50cm nähert. Konsequent ist er aber: Sein Schreiben entspricht seinem Odeur.
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