Linderung der Schuldenlast

Kommentar der anderen | Robert Skidelsky, 20. April 2012, 19:30

Damit sich krisengebeutelte Staaten erholen können, sollte über Schuldenerlässe in Europa nachgedacht werden

Fast vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise fragen sich viele, warum die wirtschaftliche Erholung so lange dauert. Selbst Experten zeigen sich angesichts des schleppenden Aufschwungs verblüfft. Für die Diskrepanz zwischen Prognose und Ergebnis gibt es zwei Gründe. Entweder hat die Finanzkrise schwerwiegendere Schäden angerichtet, als gemeinhin erkannt worden ist, oder die Medizin, die der Wirtschaft verabreicht wurde, war weniger wirksam, als politische Entscheidungsträger angenommen haben.

Eigentlich ist der Ernst der Bankenkrise schnell erkannt worden. In den Jahren 2008-2009 sind gigantische Konjunkturpakete aufgelegt worden, die Zinssätze wurden drastisch gesenkt, insolvente Banken gerettet, die Druckerpressen angeworfen, Steuern gesenkt und die Staatsausgaben erhöht. Einige Länder werteten ihre Währungen ab.

Erholung im Rückwärtsgang

Damit wurde die Talfahrt aufgehalten, und die Erholung setzte schneller ein, als Wirtschaftsprognostiker erwartet hatten. Doch die Konjunkturmaßnahmen verwandelten die Bankenkrise in eine Finanz- und Staatsschuldenkrise. Als Reaktion auf die wachsende Angst vor einem Staatsbankrott begannen Regierungen ab 2010 die Steuern zu erhöhen und die Ausgaben zu senken. Ab da legte die Erholung den Rückwärtsgang ein.

Gibt es einen Ausweg aus einer langen Rezession, wenn die Fiskal-, die Geld- und Wechselkurspolitik blockiert sind? John Geanakoplos von der Universität Yale plädiert für umfangreiche Schuldenerlässe. Statt darauf zu warten, die Schulden durch Bankrotte loszuwerden, sollten Regierungen "Schuldenerlässe anordnen". Sie könnten Kreditgebern faule Kredite abkaufen und Kreditnehmern einen Teil der fälligen Summe erlassen und somit die Deckungsanforderungen der Kreditgeber und den Schuldenüberhang der Kreditnehmer reduzieren.

Schrott bleibt Schrott

Das Prinzip Schuldenerlass lässt sich auch bei der Verschuldung öffentlicher Haushalte anwenden, besonders in der Eurozone. Diejenigen, die eine Überschuldung der Haushalte fürchten, sind die Banken, die Staatsanleihen halten. Schrottstaatsanleihen sind für Banken auch nicht sicherer als Schrottanleihen des privaten Sektors. Sowohl Kreditgeber als auch Schuldner wären mit einem umfassenden Schuldenerlass bessergestellt. So auch die Bürger, deren Lebensgrundlagen durch die verzweifelten Versuche der Regierungen, ihre Schulden abzubauen, zerstört werden.

Im Jahr 1918 drängte John Maynard Keynes auf den Erlass der interalliierten Kriegsschulden, die im Ersten Weltkrieg aufgelaufen waren. "Wenn es uns nicht gelingt, unsere Glieder von diesen Fesseln aus Papier zu befreien, werden wir uns nie wieder bewegen können." 1923 wurde seine Aufforderung zu einer Warnung, die die politischen Entscheidungsträger von heute besser beherzigen sollten: "Die Fanatiker der Vertragsheiligkeit ... sind die wirklichen Väter der Revolution." (Robert Skidelsky, DER STANDARD, 21./22.4.2012)

Robert Skidelsky, Mitglied des britischen House of Lords, ist emeritierter Professor für Wirtschaftspolitik an der Warwick University. Aus dem Englischen von Sandra Pontow. © Project Syndicate 1995-2012

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Die Regierung sorgt also dafür, dass die papierenen Fesseln wiedermal in echte Fesseln umgewandelt werden.
Wir brauchen einen new deal!
Dieses Anhäufen von Macht in Form von Giralgeld, das ziemlich risikolos (unsere Regierung macht uns ja zu Bürgen für die Verluste) in den Finanzkasinos verdient wird, bei gleichzeitigem Austrocknen der kleinteiligen Realwirtschaft und letztendlich auch Innovationen, wird langsam unerträglich.

Was ich überhaupt nicht verstehe ist, weshalb die Politiker ihre Macht so willfährig abtreten.

750 Zeichen reichen da bei weitem nicht.

Nur 2 Gedankengänge:
1.) Auch wir in Österreich wählen seit 1945 immer brav SPÖ oder ÖVP. In anderen Worten, jedes Land hat die Regierung, die es verdient...
2.) Die Innovationsrate ist weiterhin sehr, sehr hoch. Das dürfte ja einer der Gründe dafür sein, dass historische Daten nicht so leicht in die Zukunft interpoliert werden können. Und Europa tuckert hier mehr und mehr hinterher. Aber in unserer globalisierten Welt sind die Folgen eigentlich beschränkt, wir kaufen halt, um das berühmte Beispiel zu zitieren, Apple Handies und keine von Nokia (Nokia hatte das höchste F&E Budget in Europa).
Alles in allem denke ich, dass, auch bei unseren mittelmäßigen Politikern, die Lösung nicht einfach ist.

Sind 2008 wirklich gigantische Konjunkturpakete beschlossen worden???
Ich hab nur mitbekommen, dass zumindest unser Staat Ausgaben, die die Realwitschaft antreiben würden, gestrichen wurden, damit mehr Geld zum Abdecken der Zockerverluste der Banken zur Verfügung steht.
Aber uns Bürgern sagt ja leider keiner was.

...

komisch unser auto war kaputt und wir haben es neu betankt und es faehrt immer noch nicht... LOL witziger artikel...

Weil die Belastungsträger nicht abgeschaft werden

Pensionen über € 3.000/M (alleine der Betrag der über ASVG max liegt macht 1,8Mrd/Jahr aus!!!), Bundesrat, 10 sich teilweise widesprechende Legislativen, Bezirkskammern aller Art,.. bis hin zum dreigängigen Mittagstisch um weniger als € 4.- für Beamte = ca. €40.000/Tag Zuschuss.

Die Einführung der Alterspension oder Ruhestandspension ist seinerzeit eingeführt worden, damit niemand nach Beendigung des Arbeitslebens hungern muss. Heute haben wir den "Terror" der Beamtenclique,angeführt von Hn. Neugebauer. Da sie aber schon so viele sind und auch durch die Politiker, die ja auch Beamte sind, die horrende Pensionen erhalten,geschützt sind, sind sie heute mächtiger als alle Gewerkschaften zusammen.Da gibt es die ASVG-Grenze, dort gibt es nach oben offen.Und die Arbeitenden erhalten immer weniger Lohn, ergo weniger Pension.Und die Roten Politiker schweigen, denn sie sind - auch Politiker mit Pensionsanspruch nach 4 Jahren.

Ich hoffe, Sie wissen schon, dass Politiker KEINE Beamte sind.
Aber im Kern stimmt ihre Aussage, aufgrund der Unkündbarkeit (und den großzügigen Freistellungsregelungen) sind Beamte in den Parlamenten / Gemeindevertretungen massiv überrepräsentiert.

Ok, aber das sind trotzdem Peanuts im Vergleich zum 850 Milliarden ESM.
Hohe Beamtengehälter kommen wenigstens in der Realwirtschaft an und unterstützen beispielsweise Studierende, die auch deswegen studieren, weil sie sowieso keine akzeptablen Job bekommen.

Das wirkliche Problem ist doch, sich für Generationen zu verschulden, ohne dass um das Geld Innovationen und Infrastruktur entstehen und genau das geschieht durch die Bankenhilfe.

Ein einfaches Streichen der Staatsschulden würde aber mindestens genauso viel Ungerechtigkeit verursachen. Staatsanleihen werden nämlich hauptsächlich von Pensionsfonds und anderen konservativen institutionellen Anlegern gekauft, die zu einem großen Teil auch die Ersparnisse von Kleinanlegern (also den klassischen Leuten von der Straße) verwalten. Würde man diese Ersparnisse einfach von heute auf morgen vernichten, könnte das auf einen einzigen Schlag die Lebensplanung sehr vieler Menschen grundlegend und nachhaltig stören. Zur sozialen Stabiliserung würde das wohl kaum beitragen.

Die sinnvollere Lösung ist wohl der aktuell avisierte Weg, die Schulden durch moderate Inflation langsam und kontrolliert entwerten zu lassen.

Noch sinnvoller, weil gerechter

wären hohe Vermögenssteuern (zeitlich befristet bis zumindest die Staatschulden auf ein erträgliches Maß reduziert sind).

Sie haben es erfasst, das private Vorsorgesystem ist schlichtweg bankrott. Nicht aus ideologischen Gründen sondern rein aus logischen Gründen.

Die Pensionserträge der Zukunft werden für "private" Pensionen genauso erwirtschaftet wie für staatliche nämlich aus der Produktionsleistung der künftigen Generation. Warum sollte ich etwas dass sowieso nur eine Finanzierungsquelle kennt über mehrere Wege umverteilen? Damit die Pensionsfonds die Finanzmärkte noch zusätzlich destabilisieren können?

na ja, zu den kleinanlegern und ihrer lebensplanung...

man darf hier nicht vergessen dass sich diese kleinanleger ihre renditen durch höhere steuern, geringere sozialleistungen und höhere lebenshaltungskosten infolge höherer inflation selbst bezahlen.

der klassische kleinanleger investiert ja auch nicht direkt, er hat seine 200-300€ zusatzpensionsversicherung laufen, die wiederum in staatsanleihen investiert, bei der die renditen von seinem steuergeld bezahlt werden.

und wenn ich mir die inflation, gebühren- und steuererhöhungen und die kürzungen im staatshaushalt der letzten paar jahre ansehe muss ich kein mathematisches genie sein um zu sehen dass der kleinanleger an sich nichts gewinnt, wenn er ein halbwegs gutes leben mit einem auto und etwas eigentum hat zahlt er noch drauf.

Ersparnisse von Kleinanlegern...

wer hat denn die notwendigen finanziellen reserven um sich über pensionsfonds zusätzlich zu versichern? primare, notare, unternehmer, direktoren. das sind die so genannten kleinanleger. keine arme mindestrentnerin kein einfacher arbeiter der sein leben lang gespart hat.
sicher sind die anlagesummen der genannten klein im vergleich zu dem was eine investmentbank so am markt bewegt. aber einen partiellen wegfall ihrer anlagen könnten sie sicher besser verkraften als die mindestrentnerin einen anstieg der steuer oder kürzungen der krankenkasse.

aber mit einer leicht höheren inflation ließe sich da schon was machen, da haben sie schon recht.

Ganz einfach: Die Politik hat den falschen geholfen.

Statt Milliarden in den Bankensektor zu pulvern und Bad Banks mit Steuergeldern am Leben zu erhalten, hätte man besser das Geld in gesunde Banken gesteckt bzw. Good Beanks gründen sollen.

Dann hätte es auch keine Kreditklemme gegeben.

Aber leider hat die Politik es vorgezogen uns zu belügen und zu betrügen.
Den die Banken haben die Staaten im Würgegriff, weil Sie die abnehmer der Staatsanleihen sind. Daher wurden die Staaten von den Banken zur Hilfe erpresst.

Kaufen dann die Staaten den Banken die faulen Staatsschulden ab?

Ach ja, machen sie eh schon, mit dem ESM.

Die Vergemeinschaftung der überhohen Staatsschulden (der Teilstaaten!) war schon den USA der Anfang des gemeinsamen Haushalts...

http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2... skalunion/

Erlass von Schulden = Streichung von Guthaben

Die Staatsanleihen wurden von Banken, Versicherungen und Fonds gekauft, also jenen Institutionen, bei denen Klein Maxi seine Altersvorsorge und sein Sparbuch hat. Fällt die Schuld aus, muss der Verlust auf die Sparer verteilt werden.
Genau das darf aber auf keinen Fall passieren, denn dann erkennen die Menschen den Ernst der Lage und ziehen ihr Geld ab, um z.B. in Gold, Immobilien etc. zu investieren. Ein solcher Bankrun kann das ungedeckte Papiergeldsystem binnen Stunden vernichten- und das wollen die Profiteure dieses Systems (Hochfinanz, Banken, Politiker) nicht.

Lösung: Es wird Geld "gedruckt", um die Verluste zu verschleiern. Macht euch schon mal auf inflationäre Überraschungen im Supermarkt und auf der Tankstelle gefasst.

Wär ganz einfach mal interessant eine Gesamtrechnung zu erstellen und zu veröffentlichen, um zu sehen wer die Gewinner und wer die Verlierer sind.
Und ausgehend davon, soll Politik gemacht werden.

Was jetzt geschieht, geschieht auf Weisung von ein paar geschickten Einflüsterern im Auftrag von einigen wenigen Supergewinnern.

Das kann doch nicht sein, dass sich wir Bürger um 850 Milliarden und immer mehr verschulden und keiner kann oder will sagen wofür genau das sein soll.

Was immer Ihre Hoffnung sein mag, Sie wird sich nicht erfüllen.

Der Kleine bezahlt immer alle Rechnungen, egal ob das direkt oder indirekt passiert.

Bankster sind die Freunde der Politiker, weil die da Oben ganz einfach zusammenhalten, und Ihnen die kleinen Leute einfach wurscht sind.

Das einzige was der Bürger hier demonstrativ tun könnte ist eine einzelne Bank dadurch auszubluten, dass alle Ihr Geld von dieser einen Bank abziehen und auf eine andere Bank transferieren.

Da wäre z.B. eine Bank geeignet die durch Ihre politischen Beziehungen ganz besonders bekannt ist.
Da die entsprechende Partei sowieso gerade im sumpf der Korruption unterzugehen scheint, würde man damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen.

ein interessanter ansatz wäre es ein bank als verein zu gründen...

man stelle sich vor, ich weiss ein utopischer traum, man gründet eine bank die im sinne von vereinspolitik funktioniert und sich aus dem fractional reserve banking system heraushält und in die der protestsparer seine einlagen hinüberweisen kann.

klar wäre eine solche bank nicht konkurrenzfähig mit anderen banken, aber das muss sie ja auch nicht, sie dient rein als sparkassa und verwaltet die beträge ihrer kunden, vergibt kredite unter sehr strengen auflagen und vermeidet hochrisikogeschäfte.

sie wäre immer nur so gross wie die realen einzahlungen ihrer sparer, könnte jeden bankrun überstehen und wäre damit ein rettungsboot für den sturm den eine revolution des geldsystems mit sich bringen würde...

Ihr Hausverstand beleidigt die Poster !

Wenn Banker keine superreichen Plutokraten sondern nur Verwalter von Spareinlagen sind - wen soll man dann enteignen ?
Wählerbestechung durch Schuldenmachen muss doch auch in Zukunft möglich sein.
Zwangs-Umtausch von Gold und Hausbesitz in neue Staatsanleihen wirds möglich machen.
Hatten wir ja schon.

inflation

Inflation entsteht bei uns in der sogenannten realwirtschaft durch kosten und nicht durch gelddrucken. Inflation entsteht derzeit bei uns durch spekulation und spekulationsblasen. Dies wird durch gelddrucken verstärkt. Dies könnte durch reglementierung verhindert werden wenn man will. In der realwirtschaft geht es vielmehr um balance zwischen kosten preisen und löhnen. Der markt findet diese balance nicht und deswegen spricht man hier von marktversagen. Die lösung ist den markt zu reparieren (durch gelddrucken) und sinnvolle reglementierung (verbot von sinnloser spekulation). Stimme herrn Skidelsky zu.

Inflation entsteht IMMER durch Geldschöpfung.

Gibt es mehr Kartoffeln, so sinken sie im Preis. Sind zuviele Autos auf dem Markt, sinkt ihr Preis. Gilt auch für Geld: Je mehr davon im Verhältnis zur Gütermenge in Umlauf ist, desto weniger wird es wert, i.A. die Preise steigen. Natürlich können Preise auch aus anderen Gründen steigen, aber die allgemeine Teuerung fast aller Waren setzt mehr Geld im System voraus.

Wäre es so, wie Sie sagen, bräuchte der Staat keine Steuern, sondern könnte sich jede beliebige Summe einfach drucken, ohne dass es irgendjemandem schaden würde. Ein Perpetuum Mobile, sozusagen. Das existiert aber leider nicht!

Können Sie erklären, was eine Hyperinflation ist und wodurch diese entsteht?

Die einzige Möglichkeit der Staaten Ihre Schulden einigermassen im Schach zu halten ist Inflation und Steuererhöhung!

Also können Sie lange daruaf warten dass hier die Politik etwas gegen die Inflation unternimmt.

Und die Regierung in Ö. ist so schwach und unfähig sodass die TypInnen vermutlich gar nicht Wissen was da läuft.
Alle Krisenmaßnahmen in Ö. wurden 1:1 von Deutschland abgeschaut. Von selbst hätten unsere Demokratieschmarotzer gar nichts unternommen.

Es wurde eben kein Geld gedruckt

hätte man einfach Geld gedruckt, hätte man kurz etwas Inflation, die Staaten hätten ihre Schulden reduziert und es würde wieder laufen.

Man hat aber kein Geld gedruckt, sondern man hat Geld durch neue Schulden "erzeugt".
Man versucht ein Schuldenproblem mit noch mehr Schulden zu lösen.

Der Fehler der Staaten war es, dass sie sich das Geld geliehen hatten, dass sie sich eigentlich hätten nehmen sollen (durch die richtigen Steuern).

Dadurch sind riesige Guthaben entstanden die, wie sie richtig erkannt haben, die Schulden der anderen (der Staaten) sind...

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