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Göttingen - Bisher war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass Tuberkulose beim Menschen erst vor einigen tausend Jahren erstmals aufgetreten ist. Nun sieht es so aus, als wäre schon unser Urahn vor 500.000 Jahren von dieser bakterieller Infektionskrankheit betroffen gewesen: Ein in der Türkei gefundener Schädel eines Homo erectus zeige Spuren, die auf eine Gehirnhautentzündung infolge einer Tuberkulose hindeuteten, teilte ein Sprecher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) mit. Ein internationales Forscherteam hatte die Schädelstücke 2004 im Westen der Türkei gefunden. Die Teile gehören vermutlich zu den Überresten eines 18 bis 30 Jahre alten Mannes.
Sollten sich diese vom Paläopathologen Michael Schultz am Abguss eines Schädels erhobenen Befunde bestätigten, wäre dies der früheste Nachweis von Tuberkulose bei einer Menschenart. "Rein morphologisch gesehen ist es wahrscheinlich, dass es sich bei den "Grübchen" und Einkerbungen an der Innenseite des Vorderschädels um Überreste einer durch Tuberkulose ausgelösten Hirnhautentzündung handelt", erläuterte Schulz.
Die ein bis zwei Millimeter große Einkerbungen hatten Schultz und der US-Forscher John Kappelmann von der Universität Austin an der Schädeldecke aufgespürt. Sie seien nach Form und Platzierung typische Anzeichen für eine Infektion der Hirnhäute und charakteristisch für eine bestimmte Form der Tuberkulose. Sie seien entstanden, als der betreffende Homo erectus noch gelebt habe. Nach seiner Untersuchung des Abgusses will Schultz im Sommer in der Türkei auch am Original-Schädel lichtmikroskopische und endoskopische Untersuchungen durchführen. (APA/red, derStandard.at, 21.4.2012)
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