Arbeitspsychologie: Machtlosigkeit am Arbeitsplatz

39 Prozent der Mitarbeiter fühlen sich in der Arbeitsstelle machtlos, weil sie mit der Menge und Art der Arbeit überfordert sind. Passt das mit der Außensicht zusammen?

Ein erschreckend hoher Anteil, nämlich vier von zehn Personen, gibt seine Machtlosigkeit am Arbeitsplatz zu. So lautet ein Ergebnis aus einer aktuellen Studie der Universität Graz mit ca. 1450 berufstätigen Personen. Widerspricht diese Zahl unserer eigenen Wahrnehmung? Sie ist eines der Geheimnisse und Widersprüche, die sich in der Arbeitswelt finden lassen.

Es gibt viele Dinge, die nicht gerne geäußert werden. Versteckt, aber damit zusammenhängend, finden wir das Phänomen des inneren Rückzugs, des Verlusts an Beteiligung im Unternehmen. Diese Serie soll Konzepte der Arbeits- und Organisationspsychologie präsentieren und Lösungsansätze formulieren. Die Rolle der Psychologie wird manchmal mit der Behandlung "kranker" Aspekte verbunden, hier können wir positive Seiten vorstellen - beginnend mit dem Zauberwort der Motivation.

Demotivation ist schnell erreicht

Wer kennt ihn nicht, den Satz: "Wir müssen die Mitarbeiter mehr motivieren, dann ..." folgt mehr Einsatz, wird besser und schneller gearbeitet etc. Aber - gelingt das denn immer, ist das eigentlich möglich? Eine Studie zeigt: Es ist, vereinfacht gesagt, mindestens viermal so leicht, einen Menschen zu demotivieren, als ihn zu motivieren. Man benötigt mehr als viermal so viel Einsatz als Führungskraft, um ein Demotivationserlebnis auszugleichen - davon berichten Mitarbeiter vielfach. Demotivation ist schnell erreicht und beginnt bei einfachem Ignorieren und Nichtgrüßen und geht weiter, wenn Arbeitsergebnisse ohne Dank oder Lob, oftmals sogar nur mit Kritik entgegengenommen werden.

In vielen Studien berichten uns Mitarbeiter von den Dingen, die sie " frustrieren", ihnen den Spaß an der Arbeit nehmen. Das Ergebnis ist nicht nur "Frust", sondern vor allem innerer Rückzug, die "innere Kündigung". Dieser Endpunkt ist dann erreicht, wenn das Engagement auf null sinkt und die Demotivation sehr hoch ist.

Arbeiten nach Vorschrift

Viele arbeiten dann nur mehr nach Vorschrift, die Kreativität sinkt, in vielen Unternehmenskennzahlen wird das sichtbar - nur nicht bei den Mitarbeiter: Innere Kündigung ist unsichtbar. So konnten wir in einer Studie die hohe Zahl von 62 Prozent innerlich Gekündigter identifizieren, die Hälfte ist aber weit davon entfernt, einen anderen Job zu suchen. Innerlich gekündigte Mitarbeiter verlieren auch den Glauben an ihre Wirksamkeit. Die Quellen für Demotivation werden oft nicht deutlich erkannt. Wir sehen in Studien und in Projekten in der Praxis auch deutlich, dass die Gründe dafür nicht gerne wahrgenommen werden.

Es sind alte Werte, die die Basis für Engagement und den Schutz vor Demotivation bieten: Wertschätzung, Respekt, Anerkennung, Fairness. Der volle Einsatz kann nur erreicht werden, wenn Mitarbeiter erleben, dass sie mit ihren Fähigkeiten mitwirken können und die genannten Werte im Unternehmen ernst genommen werden.

Was bedeutet das für die Praxis? In arbeits- und organisationspsychologischen Beratungen können Prozesse und Strukturen erkannt und verändert werden, die Engagement am Arbeitsplatz fördern. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, muss nicht nach "mehr Motivation" gerufen werden, dann kommt Engagement "von selbst". (Paul Jiménez, DER STANDARD, 21./22.4.2012)

PAUL JIMÉNEZ ist Leiter der Fachsektion Arbeitspsychologie im Berufsverband der österreichischen PsychologInnen und Forscher am Institut für Psychologie an der Universität Graz.

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www.boep.eu

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11 Postings
kein Wunder,

bei den Chef-Nieten. Habe ja alle keine Ausbildung in Mitarbeiterführung.

Motivation nicht überschätzen!

Es gib halt viele Jobs, die nicht besonders lustig sind. Aber jeder Mensch hat einen enormen Eigenantrieb, solange das Unternehmen nicht unfair wird. Hochnäsige Kunden, unfähige Vorgesetzte, unfaire Kollegen; das alles lässt sich aushalten. Wenn aber Überstunden nicht bezahlt werden, andere für gleiche Arbeit mehr bekommen oder Beförderungen nur für Arschkriecher erreichabr sind, dann steigt der Zorn.

Demotivation ist schnell erreicht

Erlebe dies derzeit in einem intern. Konzern:
Der Druck, den das Management mit viel Geld abgegolten erhält, wird gnadenlos noch unten weitergegeben! Nur das diese Ebene nicht so toll bezahlt wird und oft auch nicht für die neuen Aufgaben ausgebildet ist! aber überall im Unternehmen hängen die Werte und seltsamerweise wird immer nur ein Wert ausgesprochen: der Wert "Leistung" an dem sich der Untergebene (habe mit Absicht dieses Wort gewählt) orientieren soll. Alle Anderen Werte (Respekt, Anerkennung, Wertschätzung, etc.) kommen nur an schön gestalteten Postern vor und werden un unserem Unternehmen nicht gelebt. Es lebe der Kapitalismus mit allen seinen Auswüchsen!!

Ich kann ja nur meine Gründe nennen.

1; Wirtschaftprognosen gehen von einem Wachstum von 2-3% aus. Konzern will 10 - 15% Umsatzwachstum. Wird diese unrealistische Kennzahl nicht erreicht -> Keine Prämien für die Managementebene.

2; Auch wenn diese Kennzahlen erreicht werden, unter der Managementebene bekommt niemand Prämien. Bei mir persönlich sind es dann jedes Jahr Reallohnverluste, durch den tollen Handels KV.

3; Zur Zeit werden gerade Mitarbeiter abgebaut, um so doch noch an oben genannte Kennzahlen zu kommen. Nicht dafür ausgebildete MItarbeiter finden sich plötzlich mit Projektleitertätigkeiten betraut, werden aber dafür weder bezahlt, noch werden sie als solche geführt.

und so vieles mehr.....

...

wenn man den kunden alle handlungsmoeglichkeiten nimmt und das arbeit nennt stresst es, da muessen dann die psychologen helfen, bis man zur inhaftierung schreiten muss, da muessen dann die psychologen helfen, bis man resozialisieren muss, da muessen dann die psychologen helfen. das ist uebrigends strafbar. ich mag das nicht.

dass psychologen helfen ist strafbar?

hä?

Und was heißt das jetzt i.d.praxis? Noch mehr managementseminare, consultingfirmen die sich die inneren (haha) Strukturen anschauen u.s.w.
Was bringts für den kleinen Maxi? Mehr Arbeit denn er soll ja gefordert werden..... Mehr Kritik denn er soll ja zu selbständigem denken angeleitet werden.

Dass das ganze mit freundlichem und respektvollem Umgang miteinander viel besser gelöst wäre und ev. die Unmenge an Geld die in solche firmen gesteckt werden an die Arbeiter als Prämien od. Lohnerhöhungen gut angelegt sind.... Daran denkt kaum noch jemand.

Am besten Dilbert lesen.

...

nur weil sie dilbert witzig finden und nicht wahr...

es tut mir leid, ich kenne die situationen aus meinem persönlichen leben sehr gut.

http://blogs.warwick.ac.uk/images/st... Height=600

Nichts neues.

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