Passion und Weltende

Gerhard Dorfi
20. April 2012, 20:28
  • Geballte Faust eines leidenschaftlichen Provokateurs: der dänische Filmemacher Lars von Trier.
    foto: apa

    Geballte Faust eines leidenschaftlichen Provokateurs: der dänische Filmemacher Lars von Trier.

Seit mehr als zwanzig Jahren gelingt es dem dänischen Regisseur Lars von Trier, mit seinen Filmen Publikum wie Kritik zu irritieren. "Das Kino" widmet ihm eine Schau

Salzburg - Einem der einflussreichsten Filmregisseure der Gegenwart widmet Das Kino in Salzburg eine kleine Werkschau mit acht Filmen (bis 30. 4.): Lars von Trier, der am letzten Apriltag seinen 56. Geburtstag feiern wird. Bereits zu Beginn seiner Karriere lotet der gebürtige Kopenhagener die technischen und ästhetischen Grenzen des Mediums aus. So besticht die Kult-TV-Serie The Kingdom (1994/97) durch virtuosen Handkamera-Einsatz.

Von Triers nächster Film Breaking the Waves (1996) eröffnet heute die Reihe: Eine junge Frau opfert sich aus bedingungsloser Liebe für ihren Mann. Mit dieser Passionsgeschichte tritt von Trier in die Fußstapfen seines Landsmanns Carl Theodor Dreyer. 1995 begründet Trier gemeinsam mit Thomas Vinterberg sowie zwei weiteren Kollegen die Bewegung "Dogma 95".

Aus dieser Phase stammt Idioten (1998): Eine Gruppe gutsituierter Bildungsbürger imitiert geistig Behinderte, um so gesellschaftliche Restriktionen zu überwinden. Das Ergebnis ist schockierend, provokant und lustig zugleich. Mit Dancer in the Dark (2000) revitalisiert Trier das Genre Musicalfilm. In Dogville (2003) kommt eine junge Frau in ein kleines amerikanisches Bergdorf, bald hat die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Einwohner ein Ende.

Umstritten war die Horrormär Antichrist (2009), in der ein trauerndes Paar in einen Strudel aus Sex und Gewalt gerät. Die düstere Albtraumwelt des Regisseurs ist auch seinen eigenen Depressionen geschuldet. Nach einem surrealen Vorspiel zu Wagner-Musik erzählt er im bislang letzten Fim Melancholia (2011) von zwei Schwestern und einer unglücklichen Familie. Zur Schwermut kommen ein Komet und die Ahnung vom Weltuntergang. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 21./22.4.2012)

21.-30. 4.: Das Kino, Salzburg, 0662/87 31 00

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4 Postings
das Foto ist befremdlich

auf dem Foto sieht er aus wie Breivik beim Auftritt am ersten Prozesstag. (Faust!) Ok, Brille hatte B. keine auf.

Wenn man genauer hinschaut,

wird man erkennen, dass der Zweck der Pose wohl eher die Präsentation des f-Worts auf den Fingern ist. Die Hand so in die Kamera zu halten, dass das immer noch lesbar ist, aber er keine Faust macht, würde die Message wohl ein wenig konterkarieren.

Danke für den Hinweis, ich bin kurzsichtig ;-)

Es gibt angeblich Software für Fotografen, da können dann in der Postproduktion sowohl das Tattoo lesbar, als auch das Gesicht scharf fokussiert werden.

Mir fehlt in der Schau THE FIVE OBSCTRUCTIONS (2003), das grandiose gegenseitige Kino-Gemetzel mit Jorgen Leth. Meiner Meinung nach immer noch Triers bester Film.

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