Deserteursdenkmal: Stadt prüft Heldenplatz

20. April 2012, 13:03
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Standortfrage bleibt aber offen - Vier andere Möglichkeiten weiter im Rennen

Wien - Nächste Runde im Streit um den Standort eines Denkmals für Wehrmachtsdeserteure: Auch am Freitag konnten sich Stadt Wien und das Personenkomitee "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" nicht festlegen. Letztere halten den Heldenplatz für den geeignetsten Ort.

Immerhin kommt ihnen da die Gemeinde entgegen: Man sei übereingekommen, mit der dem Wirtschaftsministerium unterstellten Burghauptmannschaft Gespräche aufzunehmen, da es sich beim Heldenplatz nicht um einen Grund der Gemeinde Wien handle, sagte ein Sprecher des zuständigen Kulturstadtrats Andreas Mailath-Pokorny (SP).

Als Präferenz für den Heldenplatz will man dies aber nicht verstanden wissen. "Kein Denkmal für Kameradenmörder am Heldenplatz!", tobte dennoch Wiens FPÖ-Landtagspräsident Johann Herzog. Im Mailath-Büro versichert man, es seien nach wie vor alle fünf möglichen Standorte im Rennen, weil jeder die Kriterien zentrale Lage und Sichtbarkeit erfülle. Zur Diskussion stehen noch: der Ballhausplatz, der Julius-Raab-Platz bei der Urania, der Grete-Rehor-Park zwischen Parlament und Justizpalast und die Roßauer Lände. Vorteil dieser Standorte ist, sie sind alle im Eigentum der Stadt.

Keine "Alltagstauglichkeit"

Thomas Geldmacher vom Personenkomitee sieht vor allem bei der Roßauer Lände und dem Raab-Platz durch das hohe Verkehrsaufkommen vor Ort die " Alltagstauglichkeit" nicht gegeben. Beim Ballhausplatz gibt es wiederum seitens des Innenministeriums Vorbehalte. Dort werden nämlich die Absperrgitter für etwaige Demonstrationen von der Polizei gelagert. " Darüber hinaus ist im Einzelfall gelegentlich ein Abstellen von Fahrzeugen des öffentlichen Sicherheitsdienstes aus einsatztaktischen Gründen erforderlich", heißt es in einer Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen.

In Anbetracht der langen Platzsuche fürchtet Thomas Geldmacher, dass der Zeitplan - 2013 soll das Monument stehen - wackeln könnte: "Die Umsetzung gestaltet sich nach wie vor zäh." Er würde sich bei den Verhandlungen "mehr Dynamik" wünschen. (Bettina Fernsebner-Kokert, Peter Mayr, DER STANDARD, 21./22.4.2012)

  • Mitglieder des Personenkomitees haben am Freitag mit einer Aktion auf dem Heldenplatz verdeutlicht, ...
    foto: personenkomitee gerechtigkeit für die opfer der ns-militärjusitz

    Mitglieder des Personenkomitees haben am Freitag mit einer Aktion auf dem Heldenplatz verdeutlicht, ...

  • ... wo sie das Deserteursdenkmal sehen wollen.
    foto: personenkomitee gerechtigkeit für die opfer der ns-militärjusitz

    ... wo sie das Deserteursdenkmal sehen wollen.

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