"Werbegag" täuschte in Wien Parkschäden vor: 6.000 Autos betroffen

Allianz-Versicherung: "Punktuelle Kurzfristaktion für eine Gebrauchtwagenkasko" in den Bezirken Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund

Wien - Eine Werbeaktion der Allianz-Versicherung hat für einige Aufregung gesorgt. Wie der "Kurier" berichtet, wurden Fahrzeuge in vier Wiener Innenstadtbezirken mit selbstklebenden Folien präpariert. Dies sollte einen Parkschaden täuschend echt simulieren. Autofahrer, die erschrocken zum Fahrzeug kamen, fanden eine wasserfeste Visitenkarte mit einer Telefonnummer hinter dem Scheibenwischer. Wer anrief, erhielt im Gespräch eine Kaskoversicherung angeboten.

ÖAMTC: Absoluter Wahnsinn

"Absoluten Wahnsinn" nennt man die Aktion bei den Automobilclubs, der ÖAMTC hält sogar Klagen für möglich. Laut Marita Roloff von der Allianz-Versicherung handelte es sich nur um eine "punktuelle Kurzfristaktion für eine Gebrauchtwagenkasko" in den Bezirken Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund.

Ein Mitarbeiter der Marketingabteilung hat laut "Kurier" bereits "Opfer" angerufen und sich für den erlittenen Schock entschuldigt. Dabei erklärte er, dass die Aktion wider Erwarten zu stark polarisiert habe und deshalb sofort gestoppt wurde. Als Wiedergutmachung wurde ein Gutschein für eine Autowäsche angeboten.

"Folien ohne Klebstoff"

"Eine Visitenkarte hinter dem Scheibenwischer wies auf eine Ansprechpartnerin in der Allianz hin. Diese klärte die Anrufer darüber auf, dass es sich hier um eine Marketing-Aktion handelt: Die Folien sind adhäsiv, haften also ohne Klebstoff, sind leicht zu entfernen und hinterlassen keine Rückstände. Durch die spezielle Beschaffung der etwa DIN-A4-großen Folie sind keine Schäden an den Fahrzeugen entstanden", erkärt die Allianz-Versicherung.

Die Aktion sei von vornherein für zwei Tage - 16. bis 18. April - und nur für die vier Bezirke geplant gewesen und am 18. April früher als vorgesehen beendet worden, teilte die Allianz mit. Weitere Aktionen stünden nicht auf dem Programm. Insgesamt sei die Folie an rund 6.000 Autos angebracht worden, "die Beschwerdequote liegt bei rund 0,5 Prozent", erklärte die Versicherung.

Klagen möglich

ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer meint, dass das Anbringen selbstklebender Gegenstände eine Besitzstörungshandlung am Fahrzeug sein könnte. Entsprechende Klagen wären möglich. Hoffer: "Außerdem ist das nicht wirklich ein fairer Werbevorgang, also vielleicht sogar UWG-widrig", würde also gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstoßen. Im Falle einer tatsächlichen Beschädigung ist eine Anzeige wegen Sachbeschädigung möglich.

Die Allianz-Versicherung wird werblich von JWT Wien betreut, mit dieser Aktion habe man jedoch nichts zu tun gehabt, sagt die Agentur. Idee und Umsetzung seien direkt über den Kunden gelaufen. (APA/red, derStandard.at, 20.4.2012)

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