Erotische Töne auf einem Aussichtsberg

  • Das Schobersteinhaus wird das ganze Jahr über bewirtschaftet.
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    foto: tvb ennstal & steyertal

    Das Schobersteinhaus wird das ganze Jahr über bewirtschaftet.

  • In Molln werden noch immer Maultrommeln erzeugt.
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    foto: apa/rubra

    In Molln werden noch immer Maultrommeln erzeugt.

  • Gesamtgehzeit 3½ bis 3¾ Stunden, Höhendifferenz 700 Meter. Schobersteinhaus ganzjährig bewirtschaftet (Montag und Dienstag - außer Feiertag - geschlossen). ÖK25V Blatt 4201-Ost (Molln), Maßstab 1:25.000; Nationalpark Kalkalpen Wanderkarte Sengsengebirge, Maßstab 1:35.000
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    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 3½ bis 3¾ Stunden, Höhendifferenz 700 Meter. Schobersteinhaus ganzjährig bewirtschaftet (Montag und Dienstag - außer Feiertag - geschlossen). ÖK25V Blatt 4201-Ost (Molln), Maßstab 1:25.000; Nationalpark Kalkalpen Wanderkarte Sengsengebirge, Maßstab 1:35.000

Der Schoberstein im unteren Ennstal ist ein Berg mit vielen Meriten und - Maultrommeln

Die Erhebungen im Zwickel zwischen der unteren Steyr und der Enns erweisen sich durch die Bank als Aussichtsgipfel erster Art. Da bildet auch der Schoberstein keine Ausnahme. Mit seinen felsigen Abbrüchen nimmt sich der Berg aus dem Tal ziemlich abweisend aus, der Eindruck täuscht jedoch. Die Runde über den Gipfel bereitet keinerlei Schwierigkeiten, nur anfangs ist es etwas steil. Der hoch gelegene Ausgangspunkt hält auch die Höhenunterschiede in Grenzen.

Der Ausblick vom Gipfelkreuz entschädigt für die Mühen. In der Runde liegen so prächtige Gebirgsstöcke wie Totes Gebirge und Sengsengebirge. Man überblickt einen Teil der Gesäuseberge, die Ennstaler Alpen mit Schieferstein, Hochbuchberg usw. Es zeigen sich der Traunstein sowie die südlichen Erhebungen des Mühlviertels. Besonders beeindruckend ist der Tiefblick in das Ennstal und zum Übergang in das Alpenvorland. Alpine Genießer lassen sich einen Sonnenauf- oder -untergang von der felsigen Spitze nicht entgehen.

Es kann daher nicht überraschen, dass der Schoberstein zu jeder Jahreszeit zahlreiche Wanderer anzieht. Etliche machen auch einen Abstecher auf die nahe Pfaffenmauer, was jedoch nur Trittsicheren anzuraten ist.

In der Schobersteinhütte gibt es Maultrommeln zu kaufen, die im nahegelegenen Molln erzeugt werden. Das Instrument - im Volksmund oft Brummeisen genannt - ist angeblich leicht zu spielen, was auch ein Gerücht sein kann. Im 18. Jahrhundert waren Maultrommeln verboten, weil ihr Klang die Mädchen schwach machte; trotzdem schrieb Georg Johann Albrechtsberger (1736-1809) ein Konzert für Maultrommel und Orchester. Die erotische Wirkung dürfte mittlerweile verlorengegangen sein, wie heimische Jünglinge überzeugend darlegen.

Eine weitere Spezialität der Gegend sind die in Trattenbach hergestellten Zauckerln, die anderswo als Feitln bekannt sind und quasi ein Relikt der einstigen Kleineisenindustrie darstellen.

Die Route: Vom Parkplatz beim Gasthof Klausberger - erreichbar von Ternberg über Trattenbach - geht es auf dem rot markierten Weg relativ steil in den Sattel unterhalb der Pfaffenmauer. Der Weg wendet sich nach Westen, wird deutlich flacher und führt zum Gipfel des Schobersteins, das Schutzhaus liegt knapp daneben. Gehzeit ab Gasthof Klausberger 1½ bis 1¾ Stunden.

Von der Hütte folgt man dem rot markierten Weg in westlicher Richtung. Über den Koglerstein hinweg gelangt man zum Mandlmais, dort hält man sich scharf rechts und steigt in das oberste Tal des Trattenbachs ab. Flussabwärts gelangt man zum kleinen, aber romantischen Schleierfall und zweigt bald darauf nach rechts ab, um nach einer gemütlichen Querung den Ausgangspunkt zu erreichen. Gehzeit ab Schobersteinhaus zwei Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Album/21.4.2012)

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Gasthaus Klausriegler

Das Gasthaus heißt Klausriegler, nicht Klausberger!

Albrechtsberger hat nicht nur ein Maultrommelkonzert geschrieben,

sondern wahrscheinlich mindestens sieben. Von dreien sind die Partituren erhalten (in der Budapester Nationalbibliothek). Sehr hübsche Aufnahmen des E-Dur und des F-Dur-Konzerts hat der Solist Fritz Mayr mit dem Münchner Kammerorchester unter Hans Stadlmair gemacht.

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