Rettet Fucking! Auf nach Votzenbichl!

Österreich und Deutschland haben ein breites Repertoire an versauten Ortsnamen. Lasst uns ein bisschen schweinisch sein

Sex verkauft sich gut, immer noch, daher machen wir es uns diese Woche leicht und blicken nach: Fucking. Die kleine Gemeinde in Oberösterreich leidet an ihrem Namen, vor allem, wenn man ihn englisch ausspricht. Die Bewohner und der Bürgermeister überlegen eine Namensänderung. Sie haben die Diebstähle der offenbar heiß begehrten Ortstafeln satt.

Unverständlich ist, dass Fucking noch keinen eigenen Souvenirladen eingerichtet hat und offensiv die Vermarktung der Gemeinde betreibt, indem man etwa Ortstafeln zum Verkauf anbietet. Damit ließen sich auch die Gemeindefinanzen sanieren.

Fucking steht mit seinem Namensdilemma aber nicht allein da, es gibt ein paar Leidgenossen - die direkte Steigerung etwa, nämlich Bad Fucking. Angeblich in der Nähe von Weibhausen, nicht weit vom Wonneberg.

Petting in Bayern hat ja schon Bekanntschaft erlangt, die Gemeinde Mösendorf in Oberösterreich wartet noch auf ihre Entdeckung. Auch Busendorf, Hodenhagen, Fickmühlen, Geilsdorf oder Sexau, allesamt in Deutschland, wären eine Erkundung wert. Votzenbichl und Zipfleck haben auch klingende Namen. In Österreich fiele den Kollegen auch zu Langenrohr, St. Blasen oder Tuttendörfl einiges ein.

Dass es dem Bürgermeister von Fucking auf die Nerven geht, wenn die Ortsschilder gefladert werden oder sich britische Talkshow-Moderatoren am Telefon einen Scherz erlauben, ist verständlich, aber ein bisschen Schweinigeln in der Alltagssprache sollte erlaubt sein. Daher: Rettet Fucking! Lasst uns schweinisch sein! (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/20.4.2012)

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