Niedrige Gemeindebudgets belasten Rosenbauer

Wien/Leonding - Die Budgetknappheit der öffentlichen Hand in Europa und den USA hat dem oberösterreichischen Feuerwehrausrüster Rosenbauer im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 9 Prozent auf 541,6 Mio. Euro beschert. Der Nettogewinn ging um 20 Prozent auf 32,1 Mio. Euro zurück. Für 2012 wird wegen eines Rekordauftragsbestands ein Umsatz von über 600 Mio. Euro und ein Betriebsgewinn von mindestens 42 Mio. Euro anvisiert, erklärte Rosenbauer-CEO Dieter Siegel am Freitag bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz als Vorstandschef in Wien. Um über genügend Kapazitäten zu verfügen, werden in den kommenden Jahren rund 30 Mio. Euro in die Rosenbauer-Werke in Österreich und Deutschland investiert.

Im vergangenen Dezember hatte Rosenbauer den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte aus Saudi-Arabien erhalten. Das dortige Innenministerium orderte 1.125 Fahrzeuge, Boote und Ausrüstung für den Zivilschutz um 245,3 Mio. Euro. Der Auftragsbestand per Jahresende 2011 im Vergleich zum Jahr davor legte um 73 Prozent auf 682,3 Mio. Euro zu. Der saudi-arabische Großauftrag sichere die Vollauslastung der Werke bis ins Jahr 2014, betonte Siegel. Der hohe Auftragsbestand erfordere aber eine kurzfristige Kapazitätserweiterung. Im oberösterreichischen Traun soll ab Juli in einer extra angemieteten Werkshalle für Saudi-Arabien produziert werden. 50 zusätzliche Mitarbeiter werden voraussichtlich am neuen Standort beschäftigt werden. 

Kartellverfahren fast abgeschlossen

Das Kapitel Kartellabsprachen in Deutschland ist für den Rosenbauer-Chef nahezu abgeschlossen. Bei Löschfahrzeugen sei das Kartellverfahren mit einem Bußgeldbescheid von 10,5 Mio. Euro für Rosenbauer abgeschlossen worden. Bei Drehleitern habe man wegen dem Kronzeugenstatus keine Strafe erhalten. Im kommenden Juli soll ein Schadenersatz-Gutachten, das gemeinsam mit dem deutschen Städte- und Gemeindebund in Auftrag gegeben wurde, Klarheit schaffen. "Aus unserer Sicht ist kein Schaden entstanden", betonte Siegel. Deswegen habe man auch keine Rückstellungen für eventuelle Schadenersatzzahlungen an deutsche Kommunen in der Bilanz gebildet. Damit solche Vorgänge nicht mehr passieren könnten, sei extra ein eigener Compliance-Manager angestellt worden.

Rosenbauer erwartet heuer eine geringe Nachfrageerholung in den USA und in Teilen Europas. Das internationale Projektgeschäft werde aber weiterhin auf "hohem Niveau" gesehen, wenn auch der Preiskampf härter werde, betonte der Rosenbauer-Chef. Finanzvorstand Robert Kastil rechnet in den kommenden Jahren mit einer Marktbereinigung bei kleineren Feuerwehrausrüstern. Übernahmen seien für Rosenbauer nicht interessant, sondern man werde organisch wachsen. Als besonders interessante Märkte bezeichnete Kastil Brasilien und Indien.

Dividende trotz Gewinnrückgang

Trotz eines Gewinnrückgangs will Rosenbauer für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 erneut eine Dividende von 1,20 Euro je Aktie zahlen. In Summe gelangen damit wieder 8,2 Mio. Euro zur Ausschüttung. Im Ausblick gibt sich Rosenbauer angesichts eines hohen Projektvolumens und eines "ausgezeichneten" Auftragsbestands optimistisch.

2011 gaben die Umsatzerlöse um 9 Prozent auf 541,6 Mio. Euro nach. Das EBIT verringerte sich um 16 Prozent auf 41,6 Mio. Euro und das EBT um 18 Prozent auf 40,3 Mio. Euro. Die Investitionen wurden um 29 Prozent auf 11,5 Mio. Euro erhöht. Das Eigenkapital lag bei 40,6 (42,9) Prozent der Bilanzsumme. Der Mitarbeiterstand zum 31. Dezember betrug 2.123, ein Plus von 4 Prozent im Jahresabstand. (APA, 20.4.2012)

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