Europa dürfte 400 Milliarden IWF-Dollar bekommen

20. April 2012, 20:33

Den EU-Staaten droht aber über kurz oder lang Machtverlust in Stimmgremien. Brasilien und Kanada stößt Europa-Dominaz beim IWF auf

Washington - Europa muss sich im Gegenzug für eine Erhöhung des weltweiten Schutzwalls gegen die Eurokrise auf einen Machtverlust im Internationalen Währungsfonds (IWF) einstellen. Zwar zeichnete sich am Freitag bei der IWF-Frühjahrstagung in Washington ab, dass der Fonds wie erhofft deutlich mehr frisches Geld erhält, um notfalls Länder wie Spanien und Italien vor der Pleite zu bewahren. Der IWF kann demnach seine Mittel zur Krisenabwehr um mehr als 400 Milliarden Dollar (303 Milliarden Euro) aufstocken. Am Freitag gingen nach Angaben der IWF-Chefin Christine Lagarde weitere Zusagen ein, darunter aus Großbritannien, Russland, Australien und Südkorea. Diese hätten sich inzwischen auf 357 Milliarden Dollar summiert.

Große Schwellenländer wie Brasilien wollen jedoch für ihren finanziellen Beitrag mehr Mitsprache erreichen. Auch Kanada machte sich dafür stark, die traditionelle Dominanz der Europäer beim IWF zu brechen.

Briten und Russen dabei

Großbritannien will sich nach Angaben von Finanzminister George Osborne laut BBC mit zehn Milliarden Pfund (rund 11,8 Milliarden Euro) an der Aufstockung beteiligen. Die Summe liegt innerhalb des bereits vom britischen Parlament genehmigten Gesamtpakets. Die Parlamentarier hatten 40 Milliarden Pfund bewilligt, wovon bereits rund 30 Milliarden Pfund zugesagt worden waren. Vor allem aus Osbornes konservativer Partei kam Gegenwind für die Aufstockung.

Russland sprach von Fortschritten bei den Verhandlungen im Kreis der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20). "Vertrauen Sie mir, die G20 werden eine Summe verkünden, die auch das IWF-Management zufriedenstellt", sagte der stellvertretende Finanzminister Sergej Stortschak im Vorfeld. Russland ist mit zehn Milliarden Dollar dabei.

China und Brasilien Zünglein an der Waage

Europa und Japan haben zusammen bereits 320 Milliarden Dollar zugesagt. Aber auch die Unterstützung von China und Brasilien ist entscheidend, um die angestrebte Verdoppelung der IWF-Reserven für Europa zu erreichen. Brasilien pochte jedoch bis zuletzt auf die bereits zugesagte Stärkung der Schwellenländer beim IWF durch die Anpassung der Mitsprache-Quoten. "Einige Länder sind nicht sonderlich begeistert von den IWF-Reformen", beklagte Finanzminister Guido Mantega mit Blick auf die Europäer. "Sie tun sich weitaus leichter, um Geld zu bitten, als bei der Quotenreform voranzugehen." Angesichts dieser Haltung drohte bis zuletzt, dass die Erhöhung der Finanzkraft mit der IWF-Reform verknüpft werden muss - genau davor hatte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble eindringlich gewarnt.

Auch aus Kanada wehte den Europäern heftiger Gegenwind ins Gesicht. Finanzminister Jim Flaherty warf den Ländern der Eurozone vor, noch immer nicht genug zur Eindämmung der Krise zu tun. Er forderte deshalb neue Regeln, um den Europäern den Zugriff auf Krisenhilfen des Fonds zu erschweren - sie müssten sich zunächst grünes Licht bei den Ländern außerhalb der Eurozone holen.

Starker Widerstand

Der Widerstand gegen die traditionelle Dominanz der Europäer beim IWF war zuletzt kräftig angeschwollen, weil sie über den größten Stimmenblock verfügen und zudem mit Lagarde die Chefin stellen. Diese hielt es erst am Donnerstag für nötig zu betonen, der Fonds sei nicht nur für Europa da. Diplomaten aus Europa vermuteten bereits, dass hinter dem kanadischen Vorstoß die USA stehen. Die Europäer wiederum werfen den USA vor, die IWF-Stimmreform zulasten der Europäer und zugunsten der großen Schwellenländer zu blockieren. Die Reform muss noch durch den US-Kongress ratifiziert werden und ist wegen des US-Wahlkampfes in naher Zukunft unwahrscheinlich. (Reuters/APA/red, 20.4.2012)

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12 Postings
Alleine das Europa IWF-Geld benötigt ist so etwas von

pervers. Wie ruiniere ich einen Kontinent. Imobilienkrise, Finanzkrise, Euro. Und fertig ist der Kontinent.

Das Paradoxum

Da tritt der Euro an, um im internationalen "Geldwettbewerb", eine führende Rollen zu übernehemen.

Stattdessen muss er gehätschelt und gestützt werden, von einer Gouvernante namens Lagarde.

Ich kann jedes, aber auch jedes Land verstehen, dass diesen Eskapaden misstrauisch gegenübersteht und ablehnt.

Danke Euro verlieren wir Europäer nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch das Vertrauen der Internationalen Gemeinschaft.

Dieser Euro ist lächerlich, gefährlich und unnütz. Er gehört weg. Zum Wohlen aller.

Die Missgeburt der EU sieht man schön in dem Diagramm: Statt wie die USA mit einem Eintrag (EU) im IWF zu stehen, stehen lauter einzelnen EU-Nationalstaaten drinnen.

Nichtmal die europäische Kasperl-"Elite" glaubt an diese EU und tritt im IWF nicht mit einer gemeinsamen Stimme (und entsprechend starken EU-Prozentsatz) auf. Statt dessen und leider nur lauter EU-Einzelstaaten.

Dieser Bericht ist pure Stimmungsmache.

Die Schwellenländer wollen mehr Mitspracherechte. Das geh natürlich nur, wenn die 100 % anders aufgeteilt werden. Dafür müssen aber diese Länder ihre Einlagen durch Bareinzahlungen erhöhen. Doch Europa und den USA bleibt immer noch ihr Vetorecht vorbehalten.

Manche der "Schwellenländer" sind immer nicht Entwicklungsländer

z.b. China bezieht immer noch Entwicklungshilfe und ist damit ein Entwicklungsland. Trotz der ach so tollen High-Tech-Zentren und angeblich alles so super-toll-hochglanz.

Meiner Meinung sollte erstmal die Entwicklungshilfe an Länder wie China eingestellt werden.

hatten wir denn jemals wirklich Macht...

gehabt ? Das sieht man doch schon an den Besetzungsskandalen der letzen Zeit, daß dort nur Linientreue Zutritt haben. Als Strohmänner/frauen um der sogenannten "freien Welt" ein Feigenblatt umzuhängen, hat Europa auch in der NATO reussiert aber die Drahtzieher dahinter ? Nein, niemals ! Letztes Beispiel die Weltbank - da läßt man doch keinen anderen an der Futtertrog - es wird zwar von Partnerschaftlichkeit geredet und den Europäern damit der Kopf verdreht, aber die Realität zeigt Zähne - Haifischzähne.

machtverlust der europäer - nicht mit österreich, wir schleimen um unseren vizedirektor sogar um die gunst der türkei,einem " nichteuropäischen" land

kein Beinbruch

Ich sehe keinen Beinbruch darin, die Stimmrechte näher an die globalen Realitäten anzupassen und den Anteil Europas zugunsten von Schwellen- und Entwicklungsländern zurückzuführen.

Bei der Gelegenheit bitte auch gleich den Anteil des größten Schuldenstaates - der USA - zurückführen.

Danke.

Die USA sind aber der größte Zahler............

Da bin ich anderer Meinung

Sie meinen mit über 15 Billionen USD Schulden ist man Zahler? Ich hatte mich nicht auf etwaige Verbindlichkeiten zum IWF bezogen, sondern auf die Absolutsituation des US Staatshaushalts. Und da sieht es eher trist aus...

Ein aktueller Überblick dazu:
http://www.usdebtclock.org/

Ihre andere Meinung ist eine falsche Meinung.

Der Anteil der Länder hängt von ihren Einlagen ab. Die USA haben den grö0ten Anteil, also haben sie am meisten einbezahlt. Deutschland hat den 2. oder 3.größten Anteil. Schon mal was von Ziehungsrechten gehört?

Die Staaats-Schulden der USA haben mit dem IWF null zu tun. Das Wort "Absolutheitssituation" verstehen nur Sie, sonst kein Mensch. Wenn die Schulden ein Kriterium wären, müßten wir einen viel höheren Anteil halten.

thanks kanada - bitte durchhalten

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