Oh, St. Laurent!

Luzia Schrampf
24. April 2012, 11:07
  •  Zu Reh, Hirsch und anderen Freunden des Waldes schmeckt St. Laurent unvergleichlich gut
    foto: margot kessler/ www.pixelio.de

    Zu Reh, Hirsch und anderen Freunden des Waldes schmeckt St. Laurent unvergleichlich gut

Luzia Schrampf über eine Sorte, an die man nicht oft genug erinnern kann

Österreichs Rotweine finden international immer mehr Anerkennung. Im Windschatten des - zu Recht - gehypten Blaufränkischen, dem eben wieder eine mehrseitige Abhandlung im US-Weinmagazin Wine & Spirits gewidmet war, und des omnipräsenten Zweigelt entwickelt sich St. Laurent zum dritten spannenden Player in Österreichs Rotweinszene. Auch diese Sorte durchlebte im Laufe der vergangenen Jahre einen Stilwandel und wird heute wie alle seine roten Kollegen deutlich puristischer behandelt, wodurch die geschmacklichen Eigenheiten der Sorte nicht mehr "zuvinifiziert" werden.

Als Pinot-noir-Anverwandter ist er hochelegant, obwohl er farblich-optisch Dichte suggeriert, was wieder jene beruhigt, denen Rotweine, durch die man durchschauen kann, suspekt sind. Im Geschmack erinnert er an Weichseln und Brombeeren, die frisch und reif vom Busch gepflückt werden. Zu Reh, Hirsch und anderen Freunden des Waldes schmeckt St. Laurent unvergleichlich gut, greift er doch dessen feine Aromanuancen auf, die von Laubwald im Frühtau bis zu würzigem, nassem Waldlaub im Herbst reichen.

Zickig und krankheitsanfällig

St. Laurent hat eine "technische" Eigenschaft, die ihn gerade in Zeiten zupasskommt, in denen es sickert, dass Alkoholwucht nicht mehr der alleinige Bringer in puncto Geschmack ist: Er kann bei der Assimilation über die Blätter nicht unendlich viel Zucker einlagern, was hohen Alkoholgehalt bedeuten würde, sondern riegelt selbst in heißen Jahren bei einem potenziellen Alkohol von 12,5, vielleicht 13 Volumenprozent ab.

Im Weingarten ist St. Laurent eine richtige Pest, weil zickig und krankheitsanfällig. Ein Winzer bekannte sich einmal coram publico zum Masochistentum, weil er sich mit dieser Rebsorte eingelassen hat. Dennoch haben sich seine Rebflächen zwischen 1999 und 2009 fast verdoppelt, was wieder von großer Zuneigung und Respekt zeugt.

Wer jetzt probieren möchte, wie denn der derart Besungene in seinen besten Formen schmeckt, der wende sich zum Beispiel an Gerhard und Brigitte Pittnauer in Gols, Josef Umathum in Frauenkirchen, Hannes Schuster in St. Margarethen im Burgenland, die Burgundermacher in der Thermenregion, das Stift Klosterneuburg, Freigut Thallern oder - last, but ganz sicher not least, wenn auch für so manche möglicherweise überraschend - Schloss Gobelsburg und Willi Bründlmayer im Kamptal. Prost! (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 20.4.2012)

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Ein guter und ehrlicher österreichischer Rotwein

ist der Blaue Portugieser.

Gefällt mir nicht

"St. Laurent hat eine "technische" Eigenschaft, die ihn gerade in Zeiten zupasskommt, in denen es sickert, dass Alkoholwucht nicht mehr der alleinige Bringer in puncto Geschmack ist..."

"Ihn" ist natürlich falsch. Darf man heut "zupasskommt" schreiben? Finde ich sehr unschön.
"Sickert", "Bringer"... nun, so schreiben die Leute wohl heute. Macht mich unfroh.

Laurenziwein,

kräftig und fein!

Ich mag den S-Budget-Wein aus der Plastikflasche eigentlich lieber.

Süffig, ja; aber ein Packerl-Wein!!!

Nächstes Mal werd ich ein sarkastisches Smiley einbauen... =/

augustin leser?

Studentin ;)

Frisch, leicht, fruchtbetont, blumig, ja suuuper!
Aber hoffentlich nicht trocken am Gaumen!;-)))

mir schmeckt er nicht

stimmt das,

dass das genmaterial von st. laurent und vom blaufränkischen zusammen die naziplörre zweigelt ausmacht?

Einfach in jedem Zusammenhang den Nazi aufs Tapet zu bringen, zeichnet den wahren Fortschrittlichen aus.

sind sie nicht fähig wikipedia zu bedienen, oder wollten sie einfach nur den nazi-plörre spruch anbringen?

http://de.wikipedia.org/wiki/Zweigelt

für diese ehrlichkeit

von mir grün.

nun gut

Zweigelt züchtete 1922 an der Weinbauschule Klosterneuburg die von ihm als Rotburger benannte Rebsorte.

Schon vor dem Anschluss 1938 war Zweigelt illegaler Nationalsozialist. 1938 übernahm er die Leitung der Weinbauschule Klosterneuburg, sein Vorgänger wurde zwangspensioniert, und ließ einen Schüler namens Josef Bauer, Mitglied der Widerstandsgruppe um den Klosterneuburger Chorherrn Roman Scholz, der Gestapo ausliefern.

und was kann die traube dafür?
isst du auch keine mafiatorte?

Und deswegen ist der Zweigelt jetzt schlecht?

mhm

wenn man ihn olivin nennt

Originelle Einstellung zu und von Geschmack!
O.K.: "De gustibus non est disputandum!" - die politische Einstellung des Züchters als Fundament der geschmacklichen Kritik ist neu - sehr originell!

umfrage

wie sprechen sie "st. laurent" aus?

deutsch: grün
französisch: rot

der hintergrund dieser frage ist eine doofe diskussion unter freunden, wie denn dieser name korrekt auszusprechen wäre.

wienerisch, mit meidlinger "el".
also circa "sangd llaurend".

was?

bei den meidlinger branntweinern trinkens jetzt st. laurent statt stroh-rum?
wahnsinn, diese soziale kälte, dieser neoliberalismus, der immer mehr um sich greift.

deutsch mit der Betonung auf dem "au"

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