Weihnachten für Plattensammler

19. April 2012, 17:48
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Der mittlerweile global zelebrierte Record Store Day untermauert die auch wirtschaftlich relevante Renaissance der Schallplatte

Wien - Es ist erst wenige Jahre her, da wurden Schallplattensammler nur noch milde belächelt. Als Nostalgiker im besten, als Modernisierungsverlierer im schlimmsten Fall. Doch die Verfügbarkeit von Musik im Internet macht eher der CD als der LP den Garaus, Vinyl als Trägermedium erfreut sich wieder erhöhten Zuspruchs.

Diesen Trend feiert und verstärkt der Record Store Day. Den 2007 erstmals ausgerufenen Tag erdachte Chris Brown. Nicht ganz uneigennützig: Brown betreibt in den US-Bundesstaaten Maine und New Hampshire nämlich mehrere Plattenläden und wollte dem schleichenden Tod des traditionellen Plattengeschäfts etwas entgegensetzen. Daraus ist schnell eine globale Bewegung von wirtschaftlich nicht unwesentlichem Ausmaß geworden.

An diesem Tag veröffentlichen Musikerinnen, Musiker und Bands spezielle Editionen - fast ausschließlich auf Vinyl. Unveröffentlichte Songs, Wiederaufgelegtes, erstmal auf Vinyl Erhältliches. Boxsets, Doppelalben, einfache, Singles, EPs - das volle Programm. Sogar Schellacks nachempfundene Platten, die nur mit 78 Umdrehungen pro Minute korrekt abspielbar sind, werden veröffentlicht.

Der Record Store Day wird jeden dritten Samstag im April begangen, kommenden ist es wieder so weit. Der Botschafter des Record Store Day 2012 ist der Schutzheilige des Punkrock, Iggy Pop. Nicht nur die an diesem Tag partizipierenden Plattenläden - nur solche werden mit dem Record-Store-Day-Sortiment beliefert - freuen sich über Rekordumsätze, auch die Zulieferindustrie frohlockt.

Schließlich veröffentlichen neben unzähligen Independent-Labels auch die großen Verlage eigene Editionen für diesen Tag. Vor allem aber die Plattenhersteller freuen sich über gutes Geschäft. Ein Sprecher der Leipziger Manufaktur R.A.N.D. Muzik Record Manufactoring berichtet von deutlichen Auftragsspitzen im Vorfeld des Record Store Day.

Tendenz steigend

Die Firma erfreut sich generell wachsender Nachfrage, 50.000 bis 60.000 Alben presst R.A.N.D. im Monat und für Auftraggeber aus aller Welt, Tendenz steigend. Das mag am Gesamtkuchen des Ertrags aus verkauften Tonträgern immer noch nur ein kleines Stück sein. Aber diesen Markt bilden treue, wiederkehrende Kunden, für die Musik nicht nur bloß Accessoire, sondern Liebhaberei und Obsession ist.

In Österreich nehmen heuer sieben Läden am Record Store Day teil. Es müssen private Geschäfte sein, Handelsketten sind davon ausgeschlossen. In Wien sind es Rave Up, Recordbag und Substance, in Klagenfurt Di Marcos High Fidelity, in Innsbruck Downtown Sound, in Graz In and Out sowie Ein:klang.

Neben der via Record Store Day unterfeuerten Aufregung um limitierte Schätze bemüht sich etwa der Wiener Recordbag auch um einschlägiges Rahmenprogramm.

Wie schon im Vorjahr wird es in dem Laden in unmittelbarer Näher der Mariahilfer Straße wieder Livekonzerte geben. Ab 16 Uhr treten dort der Sado Maso Guitar Club und Bo Candy & His Broken Hearts auf. Bands, deren reine Herzen nur deshalb schwarze Flecke aufweisen, weil sich in diesen ihre Liebe zu Vinylscheiben abbildet. (Karl Fluch, DER STANDARD, 20.4.2012)

Details und Sortiment

recordstoreday.com

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  • Platten, Platten, Platten. Am Record Store Day am Samstag kommen wieder einige dazu.
    foto: karl fluch

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