Erforschen der Unzufriedenheit

19. April 2012, 17:55
posten

"Haut" und "Was heißt hier arm?": zwei Premieren des Walk-Tanztheaters

Ernsthaft schwierige Themen bearbeiten und gleichzeitig den Humor nicht verlieren - das hat man bei zwei Vorarlberger Schultheaterproduktionen geschafft: "Haut" und "Was heißt hier arm?" heißen die beiden Stücke, die am Freitag Premiere feiern. Entstanden sind sie im Rahmen der bundesweiten Initiative Macht/Schule/Theater.

Körperkult steht im Mittelpunkt der Inszenierung des Walk-Tanztheaters. Gemeinsam mit Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren wurde bereits im Herbst in einer Schreibwerkstatt mit Autorin Daniela Egger der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper auf den Grund gegangen. Was die mediale Körperrealität und Modellideale für Jugendliche bedeuten und was die daraus folgende Ausgrenzung für Menschen heißt, die nicht in diesen Raster passen, zeigt das Stück in einer szenischen Abfolge.

Dabei staunt man nicht schlecht über das professionelle Spiel der Jugendlichen. Zwischen Schaufensterpuppen, weißen Laufstegen und starken Lichteffekten zeigen sie, warum die Haut, das größte Organ des Menschen, zum Ausdruck der Seele wird. Die Schüler kommen von verschiedenen Schulen - Polytechnikum, Gymnasium und Handelsakademie - und haben das mit Regisseurin Brigitte Walk erarbeitet.

Ebenso ernsthaft haben sich Elf- bis Vierzehnjährige dem Thema Armut angenähert. Was heißt Armut in Vorarlberg? Was bedeutet es, Asylwerber oder Obdachloser zu sein? In Schreibwerkstätten mit Erika Kronabitter, Sabine Benzer und Petra Sattler gingen die Schüler diesen Fragen nach. In der Regie Sabine Wöllgens' entstand daraus ein collageartiges Theaterstück, das mit selbstgemachten Filmen und einem Rapsong überrascht. (rar, DER STANDARD, 20.4.2012)

 

"Haut", Stickereimuseum Lustenau, 19.30.
"Was heißt hier arm?", Theater am Saumarkt, 19.00

  • "Haut", Stickereimuseum Lustenau.
    foto: walk-tanztheater

    "Haut", Stickereimuseum Lustenau.

Share if you care.