DO & CO mit Biss

18. Juni 2003, 13:03
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Wiener Edel-Gastronom sieht Wachstumspotenzial bei Billigairlines - Standorte in London und Osteuropa überlegt - Kein Delisting von Wiener Börse

Wien - Der Wiener Gastronomiekonzern und Airline-Caterer Do & Co hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002/03 (Ende März) bei Umsatz und Betriebsergebnis leicht zugelegt. Auch für das laufende Geschäftsjahr 2003/04 sei man trotz anhaltender Wirtschaftsschwäche und Luftfahrtskrise "positiv gestimmt" und erwarte ein Umsatzplus, kündigte Do & Co-Chef Attila Dogudan am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz an. Die Turbulenzen der internationalen Luftfahrtsbranche infolge von Terroranschlägen, Irak-Krieg und Sars sieht Do & Co als Chance für neue Geschäftsmodelle, etwa den Einstieg ins Billigflugsegment. Weiters überlege Do & Co die Eröffnung eines Standorts in London und in den EU-Beitrittsländern, so Dogudan.

Bei etablierten Airlines habe sich zuletzt im Kurzstreckenbereich in der Business Class die Nachfrage nach hoher Qualität verstärkt, während es bei den "Gummiweckerl-Fliegern" in der Economy-Class ein reduziertes Essens-Service oder sogar den Trend zum Essensverkauf an Bord gebe, berichtete Dogudan. Damit hätten sich die "Geschäftsbedingungen für Caterer wesentlich verändert".

Kunde wird nur kaufen, was ihm schmeckt

Neue Chancen für Do & Co ergäben sich auch durch das Aufstreben der Billigairlines, wo derzeit ein Wettbewerb im Essensservice beginne. "Der Kunde wird allerdings nur kaufen, was ihm schmeckt", meint Dogudan. Do & Co sei mit seinem Marktportfolio von Do & Co über Aioli bis Demel "gut aufgestellt". Vor allem die Wiener Traditionskonditorei Demel könne einen "wesentlichen Wettbewerbsvorteil" darstellen.

Im Langstrecken-Flugbereich ab acht Stunden werde das Essen hingegen bleiben, vor allem an Frequenzflughäfen würden sich die reduzierten Umsätze künftig wieder einstellen, meint Dogudan. Daher überlege Do & Co die Eröffnung eines Standorts am Flughafen in London Heathrow, womit Do & Co alle wesentlichen Frequenzplätze abgedeckt hätte. Der geplante Einstieg sei aber vom Erreichen einer "Grundauslastung" abhängig.

Produktionsstandorte in Osteuropa

Auch die Eröffnung von Produktionsstandorten im Luftfahrt- und Cateringbereich in Osteuropa werde geprüft: "Hier ist jede Menge Potenzial drinnen", zumal Osteuropa ein relativ hohes BIP-Wachstum und einen wenig entwickelten Markt aufweise. Nähere Details dazu will Dogudan in "den nächsten Wochen" bekannt geben.

Die Verhandlungen mit Airest sind nach dem Platzen der angedachten Hochzeit der beiden Catering-Unternehmen hingegen auf Eis. "Im Moment gibt es bei den Verhandlungen eine Pause, mein Interesse an einer Kooperation mit der AUA ist aber nach wie vor da", betonte Dogudan. Medienberichten zufolge wollte die Austrian Airlines (AUA) mit 5 Prozent beim Gastronomiekonzern und Lauda Air-Partner Do&Co einsteigen und dafür ihren Anteil an der Airest abgeben. Laut AUA-Finanzvorstand Thomas Kleibl wurde der geplante Verkauf gestoppt, weil die erhofften Rahmenbedingungen nicht mehr gegeben gewesen seien.

Internationaler Partner in Sicht

Das Szenario eines Partners für Do & Co könne aber in etwa zwei bis drei Jahren durchaus realistisch sein: "Über kurz oder lang wird ein internationaler Partner kommen", so Dogudan. Als mögliche Partner kämen etwa "Großcaterer" wie die Lufthansa-Tochter LSG und die Schweizer Gate Gourmet in Frage, die man im Zuge der Verhandlungen mit der AUA besser kennen gelernt habe. Im Moment stehe aber nichts Derartiges an.

Einen Medienbericht über einen möglichen Rückzug von der Wiener Börse wies Dogudan heute hingegen als falsch zurück: "Das ist ein Medienbericht, wir haben keine derartigen Pläne".

2002/03 "schwierigstes Jahr mit schlechtesten Bedingungen"

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2002/03 sei "das schwierigste Jahr mit den schlechtesten Rahmenbedingungen" gewesen, berichtete Dogudan. In allen Kernbereichen habe es Rückgänge gegeben. Do & Co hat den Umsatz 2002/03 um 3,0 Prozent auf 94,95 Mio. Euro gesteigert, das Betriebsergebnis (EBIT) stieg um 2,6 Prozent von 3,48 auf 3,57 Mio. Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ging hingegen um 3,7 Prozent auf 10,06 Mio. Euro zurück.

Im Airline-Catering-Bereich, der 46,5 Prozent des Konzernumsatzes stellte, ging der Umsatz um 1 Prozent auf 43,94 Mio. Euro zurück, das EBIT konnte sich mit 0,54 Mio. Euro mehr als verdreifachen (plus 237,5 Prozent). Do & Co habe fünf Neukunden - darunter die steirische Business-Airline "Styrian Spirit" - gewonnen und betreue und 15 Airlines.

Für 2002/03 will Do & Co an die Aktionäre eine unveränderte Dividende von 50 Cent je Aktie ausschütten. (APA)

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    DO&CO: Kleines feines Essen wirft kleine feine Gewinne ab.

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