Asylantin fürchtet Beschneidung der Tochter bei Abschiebung

17. Juni 2003, 22:44
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Grüner Gemeinderatsklub in Graz fordert Anerkennung von sexueller Verstümmelung als Asylgrund

Graz - "Die Gefahr der sexuellen Verstümmelung muss ein allgemein anerkannter, entsprechend schnell abhandelbarer Asylgrund sein", so lautet die Forderung des Grünen Grazer Gemeinderatsklubs im Vorfeld des Internationalen Weltflüchtlingstages. Den Hintergrund dieser Forderung illustrierte Klubobfrau Sigi Binder anhand des Schicksals einer Grazer Asylwerberin. Der jungen Frau mit ihrer dreijährigen Tochter droht die Abschiebung - und die rituelle Genitalbeschneidung des Mädchens.

Familie will es so

Weibliche Genitalverstümmelung ist laut Bundesasylamt ein Akt unmenschlicher Behandlung. Was aber ist zu tun, wenn dieser Akt nicht in einem der für die Beschneidung bekannten Staaten, sondern in einem europäischen Land selbst droht - vor diesem Problem stehen die österreichischen Asylbehörden und vor allen Dingen die Grazer Asylantin Brigitte Serubuga, die eine lange Odyssee hinter sich hat: 1994 flüchtete sie im Zuge des Völkermordes im ostafrikanischen Ruanda gemeinsam mit ihrer Familie nach Kenia. Von Kenia aus ging es 1998 weiter nach Mali, wo die junge Frau im Jahr 2000 von einem Mann aus Mali schwanger wurde. Vierzig Tage nach der Geburt begann die Familie des Kindesvaters die Mutter zu bedrängen: Das Kind müsse beschnitten werden. "Die Beschneidungsrate in Mali liegt bei 97 Prozent aller Mädchen", verdeutlichte Binder.

"Ich versuchte, die Beschneidung so weit als möglich hinauszuschieben, und nach zweieinhalb Jahren hatte ich endlich ein Visum für Belgien in der Hand", so Serubuga. Dort leben Verwandte des Kindesvaters. Der Schock war groß, als dann aber auch die belgischen Familienangehörigen begannen, die Frau zu bedrängen. "Sie wollten, dass das Kind in der Wohnung beschnitten wird", schilderte die Mutter am Dienstag. Sie flüchtete wieder - diesmal vor ihrer Familie, diesmal nach Österreich - und landete im Oktober 2002 in Graz.

Todseangst um Tochter

"Das Verfahren dauert jetzt schon Monate und das Bundesasylamt lässt die Frau, die Todesängste um ihre Tochter aussteht, warten", so Binder. Kompliziert wird der Fall, weil die Frau aus einem sicheren Drittstaat gekommen war und der belgische Staat auch akzeptiert hat, sie zurückzunehmen. Kehrt die Frau allerdings nach Belgien zurück, warten dort die Angehörigen vor allem darauf, am Mädchen den illegalen Eingriff vorzunehmen. Vom Kindesvater hat sich Serubuga übrigens mittlerweile getrennt.

Erst im Vorjahr hat ein französisches Geschworenengericht Strafen gegen aus Mali stammende Eltern verhängt, die in Frankreich - trotz geltenden Verbotes - Beschneidungen im Familienkreis durchgeführt hatten. (APA)

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