Porr hofft auf frisches Kapital

17. Juni 2003, 21:36
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Österreichs zweitgrößter Baukonzern setzt im Herbst auf eine Kapitalerhöhung - Mit Zuwächsen wird gerechnet

Wien - Porr-Chef Horst Pöchhacker ist optimistisch, dass nach einem schwachen Jahr 2001 und einem realen Plus von einem Prozent im Vorjahr die Bauproduktion in Österreich heuer real um zwei bis drei Prozent wachsen wird. 2004 könnte sogar noch besser werden. Ausschlaggebend dafür sei der enorme Rückstau der vergangenen Jahre, in denen nichts investiert wurde. Der Bedarf sei einfach größer als die Nachfrage. Durch das kommende Roadpricing und diverse Public-Privat-Partnership-Modelle könne die Lücke zwischen Bedarf und Nachfrage geschlossen werden.

Der Porr, Österreichs zweitgrößtem Baukonzern, kommt diese Entwicklung entgegen: Nach einem verbesserten Vorjahresergebnis erwartet der Konzern (knapp 10.000 Mitarbeiter) heuer einen Umsatzanstieg um drei Prozent auf 1,85 Mrd. Euro. Auch das Ergebnis werde besser sein. Bereits im Vorjahr konnte das Betriebsergebnis (Ebit) auf 29,6 (26,8) Mio. Euro gesteigert werden. Das Ergebnis vor Ertragssteuern wurde auf 12,2 (2001: -2,5) Mio. Euro und das Konzernergebnis auf 9,3 (zuvor: -6,4) Mio. Euro verbessert. Grund dafür waren in erster Linie Sparmaßnahmen und Verkäufe - etwa des Office-Providers in Wien-Favoriten an einen deutschen Fonds.

Immobiliengeschäft bleibt bestehen

Um die Eigenkapitalquote von derzeit acht Prozent "hinaufzubringen" und den hohen Anteil an Fremdmittel zu reduzieren, könnte es im Herbst mit der seit langem gewünschten Kapitalerhöhung ernst werden. Gleichzeitig wird an Maßnahmen zur Bilanzverkürzung gearbeitet. Der neue Finanzvorstand Helmut Mayer will den Eigentümern bis zum Herbst neue Modelle vorschlagen, "wie Eigen- und Fremdkapital optimal zusammenpassen". "Die Barvorlage als Finanzierungsmodell hat ausgedient." Es bedürfe neuer, intelligenter Modelle wie Anleihen, Mezzaninkapital oder Asset-backed Securities.

Die geplanten Maßnahmen zur Bilanzverkürzung - etwa die Entkonsolidierung des umfangreichen Immobilienbesitzes (dem Konzern gehören zehn Millionen Quadratmeter Grund) - bedeuten aber nicht, dass Porr das Immobiliengeschäft ausgliedere, betonte Pöchhacker. "Wir haben nicht vor, uns operativ vom Immobiliengeschäft zu trennen." Es gehe nur darum, den Projektanteil auf 49 Prozent zu drücken - dadurch müsse das Projekt dann eben nicht voll konsolidiert werden. Der Porr-Chef schließt auch nicht aus, dass der Konzern aus Gründen der bilanziellen Darstellung den Anteil beim Immobilienentwickler UBM auf unter 75 Prozent senken werde - an die Aufgabe der Kontrollmehrheit sei aber nicht gedacht. (Claudia Ruff, DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.6.2003)

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