Klimaschutz im Wohnbau: Sanierung gescheitert

Kommentar | Johanna Ruzicka
18. April 2012, 18:16

Der Sanierungsscheck ist mittlerweile viel zu komplex gestaltet, die Renovierungsbemühungen der Regierung dümpeln dahin

Gebäudesanierung könnte eine Art eierlegende Wollmilchsau der Wirtschaftspolitik sein: Wenn man den abgewohnten Gebäudebestand in Österreich zügig nach modernen, thermisch-energetischen Gesichtspunkten herrichtet, muss schließlich ordentlich Geld in die Hand genommen werden.

Davon profitieren in diesen schwachen Wirtschaftszeiten der Bau, das Gewerbe und deren Beschäftigte. Und auch die Menschen in den renovierten Häusern und Wohnungen haben was davon, wenn ihre Energiekosten sinken. Und am Ende steht dann der Klimaschutz: Weniger Energie bedeutet schließlich weniger vom Treibhausgas Kohlendioxid, das beim Heizen entweicht.

Aufgrund dieser schönen Rechnung wurde der Sanierungsscheck erfunden, mit dem die Bundesregierung in der mittlerweile dritten Auflage Investitionsunterstützung unterm Volk verteilt. Dass die anfängliche Begeisterung bei ebendiesem Volk stark abgeklungen ist, hängt nicht mit abflauender Renovierungsbegeisterung zusammen, sondern mit einem typischen Austriakum: Da die erste Runde des Sanierungsschecks so erfolgreich und damit rasch ausverkauft war, wurden Zugangsklauseln so komplex gestaltet, dass sie für Interessierte undurchschaubar wurden. Der Effekt: Viele eigentlich dringend notwendige Sanierungsarbeiten wurden nicht in Angriff genommen; die von der Regierung postulierte Renovierungswelle dümpelt dahin.  (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 19.4.2012)

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Hier ein kleine Speibliel

wie thermische Wohnsanierung so ausgeht:
http://www.willhaben.at/iad/immob... =37775898&
"Die Liegenschaft wurde vor kurzem thermisch saniert und präsentiert sich in einem sehr guten Erhaltungszustand."
Aha, und was kostet das?
"57m² Preis € 110.000,-"
Nabitte, fast nachgeschmissen, immer noch unter 2.000 pro m²!
Und was schreibt die Hausverwaltung so vor?
"monatliche Betriebskosten belaufen sich auf ca. EUR 182,-"
Aber weiter unten:
"Darlehensrückzahlung für die Thermosanierung ein monatlicher Betrag von EUR 195,95"
Oh, läppische 377.- p.m. Belastung!

Noch Fragen? Ein bissel Suchen im Netz und die erstaunten Kulleraugen im Artikel hätte man sich sparen können...

Die erste Runde des Sanischecks war überhaupt nicht schnell ausverkauft. Im Dez11 waren noch etl. Mill. über!
Bin noch am überlegen ob ich mit diesem Sanierungsscheck die Fassade saniere oder doch nur die Fenster tausche. Für den Energieausweis verlangt der Baumeister €650 brutto. Bei einer Teilsanierung(mit 30%) bleiben von den €3000 dann nur mehr €2350 über. Dazu noch der Grundbuchauszug, Ausweiskopien, der Zirkus mit dem Ausfüllen. Die tech. Vorgaben für die förderungswürdigen Baustoffe.
Und am Ende hat man ein Haus mit einer Außenfassade aus brandbeschleunigendem Styropor mit dem neben Austrotherm & Co. auch jeder Specht seine wahre Freude hat und die Feuerwehr jede Menge Probleme wenn die Pl. denn einmal brennen die Bude zu löschen.

Die erste Runde des Sanierungsschecks war 2009 ...

... und da waren die 63 Mio. Euro innerhalb von 10 Wochen weg.

PS: Für den Energieausweis sollten Sie sich einen anderen Anbieter suchen, den müssten Sie für ein durschschnittliches Einfamilienhaus um 300-400 Euro bekommen.
PPS: Sie müssen ja nicht mit Styropor dämmen, schon mal an Kork oder ähnliches gedacht?
PPPS: Ihr Nick ist passend.

Ich komme immer noch in Wohnungen und Büros etc wo die Heizkörper nicht einmal einen Thermostate haben, nur einfachste Ventile

Man sollte mal da anfangen nachzurüsten denn das bringt am meisten und ist am billigsten und rechnet sich am schnellsten. Mit der heutigen Bustechnik lässt sich billigst ein Heizmanagement verwirklichen. Man braucht nicht mal aufstemmen um einen Elektroanschluss zum Thermostat zu bringen. Ein Batteriebetriebener Thermostat tut es auch.
Ältere Menschen könnten eventuel mit der Bedienung überfordert sein (siehe z.B. Fahrkartenautomaten), aber wofür gibt es Kinder die ab und zu neue Einstellungen machen könnten?

aufgeheizte Situation

Eigentlich logisch dass es so nicht geht: Die Kosten für Handwerker sind hoch, daher sind die Amortisationszeiten länger. Das führt zu geringen Akzeptanz trotz Förderungen. Die Verringerung der Lohnsteuer und Abschaffung der Umsatzsteuer auf Energie-sparende Produkte bei gleichzeituger Abschaffung der Förderungen würde viele dieser Probleme beseitigen.

UNSINN ! Thermische Sanierung rechnet sich bei anstehender Renovierung und im Neubau IN WENIGEN JAHREN !

Man braucht nur nach ÖNORM B 8110 Teil 4 nachzurechnen !

http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%... ORM_B_8110

Diese Norm ist übrigens auch für die Ausschreibung und Vergabe von Bauaufträgen eine zweite Möglichkeit neben der ÖNORM A 2050 (Bestbieter bei den Errichtungskosten) zur Ermittlung der Bestbieter über die gesamte (voraussichtliche) Nutzungszeit !

Das ist richtig, es hat nur nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun wo die Unübersichtlichkeit bei den Fördermöglichkeiten kritisiert wird...

Schon von Hintergrundinformation gehört ?

"…rechnet sich bei anstehender Renovierung und im Neubau IN WENIGEN JAHREN !"

Öhm - für wen? Für die bauausführenden Firmen? Für Hausverwalter, die schon bei Reparatur einer Wasserleitung einen Vergabezirkus samt Sachverständigenreigen aufführen, alls ginge es darum, Kaprun umzubauen?
_Nach_rechnen? Darf man kreischen? Die diversen Tabellenwerke sind, so meinen deutsche Richter über diverse Normen von DIN abwärts, seien von beherrschenden Firmen interessengeleitet.
Sie haben ja aber vorschtigerweise nicht von _rechnen_ geschrieben…
Oder übersehe ich die Ironie-tags…? Ich bin ja schon ein bissel älter.

"Rechnet sich" bezieht sich IMMER auf den/die Investor/in !

Ich habe doch den link zur ÖNORM B 8110 Teil 4 (9 Seiten plus Anhang) eingefügt, dort finden sich auch Hinweise auf die unterschieblichen Interessenslagen der beteiligten Gruppen. Und die dortigen Formeln und Finanztabellen sind mit einem Taschenrechner bewältigbar.

http://www.bdb.at/Service/N... l?id=64021

Seit 15. Juli 2011 übrigens ohne Änderung (ausgenommen ATS auf EURO) von einer VORNORM 1998 zur NORM "gereift".

Bei Kosten für Heizung und Warmwasser

von ca.750,-€ pro Jahr müsste ich 53 Jahre ohne einen Cent auskommen um meine Investitionskosten herinnen zu haben. Muss ich es kreditfinanzieren, zahle ich mehr Zinsen als ich Heizkosten habe - sicher keine Option für mich.

Wir haben die Norm nicht als Mearketinginstrument für Wärmeschutz gemacht, sondern als Planungs- und Entscheidungshilfe !

Und wenn nach dem Rechenmodell der ÖNORM B 8110 Teil 4 (manche der 12 Parameter sind übrigens Annahmen wie etwa die reale Energiepreisentwicklung und die Finanzierungkosten) der (erhöhte) Wärmeschutz unwirtschaftlich ist, dann hat die Norm ihren Zweck durchaus erfüllt.

Hahahahah!

Was eröffnete uns der Prokurist einer der grössten Wohnbaugenossenschaften, die unglückseligerweise unsere Wohnungseigentumsanage verwaltet?
"Wollen Sie denn, dass Österreich 640 Mio Euro Strafe zahlen muss, wenn Österreich die Kyoto-Zile verfehlt?"
Antwort darauf:
"Der Vollständigkeit halber ist noch anzumerken, dass ökologische Gesichtspunkte, mögen sie auch zum Vorteil der Allgemeinheit sein, beim hier zu untersuchenden eindeutigen Vorteil aller Wohnungseigentümer nicht zu veranschlagen sind."
Aus:
http://www.ris.bka.gv.at/Dokument.... 0H0000_000

Mit den "lustigen Wohnbau-Genossenschaften"

hatte ich auch schon meine Erfahrungen...
In dem Objekt in dem ich meine Studentenwohnung hatte haben die auch ein "Sanierungskonzept" erstellt.
O-ton: "Es ist uns egal ob Sie sich dafür oder dagegen entscheiden..."
Das Angebot hätte sich in frühestens 45Jahren amortisiert, ich schätze aber auch, dass es 30-50% über dem Branchenüblichen Preis für die umzusetzenden Maßnahmen lag. -Quasi "Listenpreis". Die tatsächlich üblichen und bis zu 50% ausmachenden Rabatte Teilen sich dann vermutlich der Sachverwalter und der Baumeister :)
Mein Tipp: Man sollte BESONDERS auch bei Mehrparteinanlagen sich nicht auf das Angebot der Hausverwaltung verlassen sondern ein Alternativangebot vom Baumeister(Lagerhaus usw.) seines Vertrauens einholen!

plus ein weiterer Grund

wer bei "sanierten" Bekannten und Verwandten zu Besuch war, hat nun i.d.R. den blanken Horror davor, daß er ebenfalls künftig in einer großen Tichy-Eisbox leben muß

Allein die Zwangs-Zugluft zur Vermeidung von Schimmel dürfte jährlich vielen Pensionisten via Lungenentzündung das Leben kosten

Jüngere Menschen können noch wegziehen, aber ältere sind durch diesen Wahnsinn zu einem furchtbaren Lebensabend verurteilt

es gibt auch dämmstoffe jenseits des styropor!!!
von zellulose über hanf, rohrkolben, kork, schilf, stroh, holzfaserplatten bis zu schafwolle. (das war jetzt die liste von EINEM baustoffhändler)
damit hat tichy-box-feeling keine chance, -und man kann häuser auch ohne passive wohnraumlüftung isolieren, -und trotzdem verbessertes innenklima +niedrigere heizkosten geniessen, nur ein bissl wille zum selbstinformieren und sich nicht von baumeistern überfahren zu lassen (mir mochn des oba scho imma mit styropor!) braucht man. ; )

in dem alten haus, in dem ich jetzt wohne, wuchert der schimmel, obwohl die fenster nicht dicht sind. denn es gehört saniert und ist nass.

in der wohnung, in die ich ziehen werde, ist alles bombendicht und es gibt keinen schimmel. es hat eine gute belüftung.

Ja, klar

Zugluft tötet. Hilfe, wir sind alle ausgestorben! (4 Millionen Jahre lebte der Mensch in freier Natur.)

Na ja, bleiben wir mal auf dem Teppich

bzw. auf dem Boden der physikalischen Tatsachen. Ja, es gibt schlecht Lüftungsanlagen, bzw. eigentlich schlecht ausgeführte (die Lüftungsanlage kann ja nix dafür), aber deswegen ist nicht gleich das ganze Prinzip schlecht. Grundprobleme sind einerseits das mangelnde Verständnis bzgl. Lüftungsanlagen und andererseits die z.T. eklatant schlechte Ausführung. Es gibt kaum gute Facharbeiter in Österreich und beim Nachwuchs schaut's dzt. (mengenmäßig) nicht gut aus

Energetische Sanierung ist Schwachsinn, den sie niemand leisten kann.

Eine energetische Sanierung meiner bescheidenen 350m²-Hütte würde gemäß KV € 75.000,-- kosten. Bei einer Förderung von knapp 10.000,-- müsste ich als zukünftiger Pensionist etwa 60.000,-- (!!) selbst stemmen, wobei ich gemäß meines Alters keine Kredite in dieser Höhe bekomme, da ich sie auf Grund meiner zukünftigen Pension nicht, auch nur ansatzweise, zurückzahlen kann.
Da zahle ich gerne den Rest meines Lebens um € 500,-- bis 700,-- mehr im Jahr für die Heizung als nach der Sanierung!

bei lediglich € 500.- bis 700.- Euro pro Jahr Mehrkosten dürfte Deine 350 m² Bude bereits schon Niedrigenergiehausstandard haben

warum dann über energetische Sanierung lamentieren? Oder heizt Du primär mit Holz vom eigen Wald?

Mein Bruder hat in einem alten 300 m² Haus gewohnt und war froh nach der thermischen Sanierung nur mehr etwa 250-300 Euro pro Monat an Heizkosten haben zu müssen.

Jetzt zahlt er in der neuen Wohnung gerade mal 30 Euro/Monat.

Meine Heizungskosten betragen für 18.000 bis 21.000 kWh im Jahr etwa 1.000,--

Trotzdem ist die Gemeinde an mich herangetreten meine bescheidene Hütte BJ 1980 "thermisch-zwangs-sanieren" zu müssen, gemäß NÖ-IG-Luft-Landesgesetz.
Und den entsprechenden Baumeister hatte sie auch schon an der Hand ....
Mit mir nicht!

Soviel ich weiss, betreffen diese IG-L Gesetze. sofern überhaupt, private Haushalte nur in Bezug eines allfällig nötigen Heizungstausches bzw. Neuinstallation einer Heizungsanlage.

Da wollte Sie anscheinend irgend jemand auf Ihre Kosten mit Bezugnahme auf dieses Gesetz ein gutes Geschäft machen.

völlig richtig bemerkt!

Es ist ein finanzieller Schwachsinn, der bei Gemeindewohnungen boomt (da wird ja niemand gefragt) und manch clevere (od. linke) Hausverwaltung überrumpelt WEGs...

Nach frühestens 30-35 Jahren amortisiert sich die Investition, nur muss dann die Styropor-Fassade wieder erneuert werden (wenn sie nicht schon früher abgeschimmelt ist).

Am Bau der übliche Pfusch... massenhaft Wärmebrücken... selbst bei einem "Eigentumshaus" erlebt... was da erst bei Gemendebauten gepfuscht wird...

Habe Miteigentümer erlebt, die erst im Laufe der Sanierung festgestellt haben für welchen Schwachsinn sie zuvor gestimmt haben... aber so sind viele Menschen... erst machen, dann rechnen und nachdenken.

Die Baufirmen und Banken danken.

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