Hypo Tirol angelte Kunden im Blindflug

18. April 2012, 17:30
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Die Hypo Tirol hat in Italien Kredite an Kunden vergeben, die sie kaum kannte, und sich mit der Finanzierung riesiger Einkaufszentren ins Out manövriert

Die Hypo Tirol hat in Italien Kredite an Kunden vergeben, die sie kaum kannte, und sich mit der Finanzierung riesiger Einkaufszentren und Tourismusprojekte ins Out manövriert. Nun sucht man Käufer für Kreditportfolios.

 

Wien - Die Probleme der landeseigenen Hypo Tirol in Italien, wo sie wie berichtet notleidende Kredite um 125 Mio. Euro wertberichtigen muss, sind in erster Linie auf die "sehr, sehr starke Expansion" des Instituts zurückzuführen. Zu diesem Schluss kommt ein Mitglied der "Taskforce", die die Kreditportfolios der Banktochter in Bozen durchleuchtet hat.

Anders als vom Bankvorstand unter Markus Jochum Ende 2011 angedeutet, gebe es derzeit keine Hinweise auf "kriminelle Machenschaften"; also etwa auf Kickback-Zahlungen. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien ermittelt aber noch. Die Tiroler mussten schon 2009 und 2010 rund 144 Mio. Euro für Italien wertberichtigen; das Land hat zuletzt eine neuerliche Kapitalspritze von 230 Mio. Euro beschlossen.

Wie Jochum zu Wochenbeginn erklärt hat, wurden von den 1,037 Mrd. Euro an Ausleihungen 85 Prozent unter die Lupe genommen; die Quote an faulen Krediten liegt demnach bei sage und schreibe 37 Prozent. 80 Prozent der Kredite sind laut Jochum von 2002 bis 2008 vergeben worden - also unter dem früheren Bankvorstand. Selbiger weist die Schuldzuweisungen aber zurück; er selbst habe den Italienkurs 2008 nach 25 Jahren gestoppt.

Laut den Bank-Durchleuchtern habe die Hypo in Italien ihre Kunden schlichtweg nicht gekannt; ein Großteil der Geschäfte sei über Kreditvermittler eingefädelt worden. Als uneinbringlich hätten sich vor allem Kredite für Immobilienprojekte erwiesen.

Ein Bereich, in dem die Landesbanker von Bozen bis nach Rom hochaktiv waren; sie haben riesige Einkaufzentren, Innenstadtimmobilien, Fremdenverkehrsprojekte am Gardasee ebenso finanziert wie Infrastruktur- und Wohnbauten oder Hotels und Liftanlagen in den Bergen. Kontrollen und Risikomanagement hätten dabei aber versagt; den Rest zum Fiasko habe dann der Absturz der Immobilienpreise beigetragen, heißt es.

Rund 200 problematische Fälle sind so zusammengekommen - "das muss man in seinem Heimmarkt erst einmal schaffen", fasst es ein Involvierter unromantisch zusammen.

Das Ende vom Lied: Bozen wird, wie berichtet, nur noch als Filiale weitergeführt, die Banklizenz zurückgelegt. Derzeit sind die Tiroler Landesbanker dabei, Kreditpakete zu schnüren, um sie zu verkaufen - was bei der derzeitigen Marktlage aber etliche Jahre dauern kann. (Renate Graber, DER STANDARD, 19.4.2012)

  • Die landeseigene Hypo Tirol muss Muskeln zeigen, um ihre Probleme in Italien stemmen zu können.
    foto: standard/matthias cremer

    Die landeseigene Hypo Tirol muss Muskeln zeigen, um ihre Probleme in Italien stemmen zu können.

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