ORF-Radio-Information fordert "umgehende Reparatur"

18. April 2012, 16:48

Ö3-Redakteurssprecher distanziert sich von Redakteursrat wegen "Ungleichbehandlung" - Aber man könne nicht "Besetzung des gesamten höheren und mittleren Managements des ORF bekämpfen"

Nach dem Protest der Onlineredakteure hat auch die Redakteursversammlung der Radio-Information am Mittwoch eine Resolution gegen die neuen Zuständigkeiten von Thomas Prantner als Onlinechef beschlossen. Ein Redakteurssprecher von Ö3 indes distanziert sich von den Aktivitäten des Redakteursrats gegen Prantner. Er frage sich, warum man nicht gegen die "Mehrheit der Bestellungen der letzten 15 Jahre" aufgetreten sei.

Die Radio-Inforedakteure beschlossen: "Die ORF-Radio-Information erstellt seit Jahren die aktuellen Informationsseiten des ORF-Teletext und damit die am meisten genutzten Teile dieses Mediums. Eine Übertragung der 'Gesamtverantwortung' für diese eigenverantwortlich und unabhängig erstellten journalistischen Inhalte in die technische Direktion ist absolut inakzeptabel.

Die Journalistinnen und Journalisten der Radio-Information fordern deshalb eine umgehende Reparatur der Mitte März erlassenen TD-OA. Es muss aus der Organisationsanweisung unmissverständlich hervorgehen, dass die inhaltliche, budgetäre und personelle Zuständigkeit für die Informationsseiten weiterhin ausschließlich bei der HD1 liegt. Die Redakteursversammlung unterstützt daher selbstverständlich sämtliche Aktivitäten des Redakteursrats gegen die Verlagerung journalistischer Kompetenzen in die technische Direktion."

"So problematisch einzelne Besetzungen, so berechtigt die Kritik"

Der (Name etat.at bekannt) Redakteurssprecher von Ö3 distanzierte sich indes per Mail an Redakteursratsvorsitzenden Fritz Wendl von der Beschwerde gegen Prantner: Er sei "nicht einverstanden", wie der Redakteursrat "gegen bestimmte ORF Führungskräfte" vorgehe.

Auch er habe sich in den Widerstand gegen Niko Pelinka als Bürochef von ORF-General Alexander Wrabetz eingereiht. "Bevor nun aber in ähnlicher Weise andere Postenbesetzungen bekämpft werden, muß es meiner bescheidenen Meinung nach eine grundsätzliche Diskussion darüber geben, wo dieser Kampf beginnt und wo er endet. So fragwürdig manche Führungskräfte auch agieren, so problematisch einzelne Besetzungen sind und so berechtigt die Kritik ist, frage ich mich bei DER MEHRHEIT der Bestellungen der letzten 15 Jahre im gesamten Unternehmen, mit welchem Argument wir nicht auch dagegen auftreten, und zwar mit derselben Vehemenz."

Der Ö3-Redakteurssprecher: "Solange wir hier eine willkürliche Auswahl treffen, die ich nicht mitentschieden habe, kann ich da nicht mitgehen.  Solange nicht offen darüber diskutiert wird, welche Missstände wir prioritär anprangern sollen, möchte ich betonen, dass entsprechende Schritte des Redakteursrates nicht in meinem Namen erfolgen."

Er verstehe "zum Beispiel" nicht "den Vorrang, der der Vorgehensweise gegen Thomas Prantner gegeben wird". Er finde diese "seltsam und übertrieben".

Besser "politische Einflussnahmen bekämpfen"

O-Ton: "Ich verstehe schon, dass man nicht die Besetzung des gesamten höheren und mittleren Managements des ORF bekämpfen kann, aber unsere Glaubwürdigkeit endet dort, wo der Eindruck von Ungleichbehandlung der verschiedenen Fälle entsteht, und das ist meiner Meinung nach hier der Fall, denn wo ist z.B. der vergleichbare Aufschrei in manchen Fällen der jüngsten Landesdirektorenbesetzungen?"

Ihm erscheine "weitaus wichtiger und unserer ureigensten Aufgabe angemessener, politische Einflussnahmen aufs Programm in ihren diversen sehr diffizilen und oft schwer zu verfolgenden Spielarten zu kontrollieren, als interne Strukturen zu bekämpfen".

Wendl: "Nicht ernst zu nehmen"

"Nicht ernst zu nehmen", antwortete Redakteursratsvorsitzender Fritz Wendl dem Ö3-Mann: Der Redakteursausschuss, dem auch dieser angehöre, habe einstimmig die Maßnahmen gegen den Job des Onlinechefs und seine Kompetenzen beschlossen. Und selbstverständlich habe sich der (von dem Ö3-Mann mit unterschriebene) Resolutionstext der ORF-Redakteure gegen jedweden Politeinfluss bei Postenbesetzungen verwahrt. Der Redakteursrat habe auch gegen Besetzungen etwa in Landesstudios protestiert. (red, derStandard.at, 18.4.2012)

Ist das der erste Sprecher, der unerkannt bleiben will? Oder wieso wird sein Name nicht genannt?

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ich bin der onlinechef.

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