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Günter Bentele.
STANDARD: Gegen den Bundeskanzler ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Staatssekretär sagt über das Verfahren in der Öffentlichkeit: ein Klacks. Sind beide gut beraten?
Bentele: Ich kann diesen konkreten Fall nicht beurteilen, weil ich ihn nicht ausreichend kenne. Aber erstmal beschwichtigen und sagen, es ist eigentlich gar nichts gewesen - das kennen wir seit eh und je. Allerdings gilt es festzuhalten, dass Menschen bei öffentlicher Kommunikation sensibler sind als vor 20, 30 Jahren.
STANDARD: Steckt das Image der Politik in der Krise?
Bentele: Ich denke, dass in der politischen Kommunikation Prozesse wirken, die Krisensymptome zeigen. Die großen Unterschiede zwischen Politik und Wirtschaft sehe ich allerdings nicht.
STANDARD: Hat PR dem Image von Politikern nicht sogar geschadet, weil nur noch populistische Aussagen kommen?
Bentele: Die hören Medien ja auch gern, nicht? Natürlich fahren Medien auf inszenierte Geschichten ab, denn sie erregen mehr Aufsehen. Das haben Politiker inzwischen gründlich gelernt. Es ist ein schmaler Grat. Einerseits braucht es die Organisation politischer Kommunikation, andererseits soll die Botschaft glaubwürdig ankommen. Da passieren Fehler.
STANDARD: Wer macht's richtig?
Bentele: Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat bisher keine großen Fehler gemacht.
STANDARD: Günter Grass?
Bentele: Ich hätte Günter Grass geraten, dieses Gedicht gar nicht zu publizieren. Jetzt würde ich raten, vorerst nichts zu sagen. Grass ist kein PR-Mensch, aber er hat gewisse "Talente". Er ist ein Meister der Worte und weiß, wie man Aufmerksamkeit erzielt.
STANDARD: Welchen Weg nimmt PR-Journalismus in der Krise?
Bentele: Die Printverlage sind in der Klemme, sie nehmen zähneknirschend, häufig aber auch dankbar die Kommunikationsangebote der Organisationen an.
STANDARD: Gibt es bestimmte Branchen, die besonders anfällig sind?
Bentele: Überall, wo attraktive Angebote gemacht werden.
STANDARD: Helfen Ehrenkodizes?
Bentele: Der deutsche PR-Verband hat eine Richtlinie. Geschenke müssen so bemessen sein, dass sich Journalisten nicht schämen müssen, wenn sie sie annehmen.
STANDARD: Die Schamgrenze ist nur nicht bei jedermann gleich.
Bentele: Aber da geht es los. Wenn zu Weihnachten teure Uhren verteilt werden, ist das Bestechung.
STANDARD: Angeblich wird es besser. Ist das auch Ihre Beobachtung?
Bentele: Ich glaube, dass früher die Sitten viel versauter waren, als das heute der Fall ist. (Doris Priesching, DER STANDARD, 23.4.2012)
Günter Bentele ist Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie an der Uni Leipzig. Der österreichische PR-Ethikrat lud ihn vorige Woche zu einer Podiumsdiskussion über den Glaubwürdigkeitsverlust der Public Relations nach Wien.
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auf der uni war das erste beispiel in der vorlesung :
wie lügt man die anrainer eines atomkraftwerkes so an, dass sie ernsthaft glauben es ist kein problem neben einem akw zu wohnen.
erst seit dem ALLE politker pr sklaven geworden sind ist der populismus so ausgebrochen.
kenne beide seiten. im endeffekt ist der journalismus zwangsläufig anfälliger für pr geworden, ganz einfach, weil die arbeitsbedingungen für journalisten immer schlechter geworden sind. zeitdruck und vorgaben der eigentümer führen dazu, dass die "fertige geschichte" den vorzug bekommt. die zeiten von worm und bretterebner sind vorbei. leider. aber: nicht jede pr-geschichte muss eine schlechte, weil tendenziös und unausgewogen, sein.
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