Meine Bakterien, deine Bakterien

Marietta Türk
25. April 2012, 16:32
  • EHEC-Bakterien, eine gefährliche Version der normalerweise harmlosen Escherichia coli (E. coli). Aufgenommen mit einem  Elektronenmikroskop.
    foto: apa/epa/manfred rohde/hzi handout

    EHEC-Bakterien, eine gefährliche Version der normalerweise harmlosen Escherichia coli (E. coli). Aufgenommen mit einem Elektronenmikroskop.

Ähneln sich Bakterien von Menschen, die über längere Zeit zusammenleben?

Wir sind nicht allein, bei weitem nicht. Für diese Erkenntnis bedarf es keines Beweises außerirdischen Lebens, es reicht, auf und in uns selbst nachzusehen. Den menschlichen Körper besiedeln Abermilliarden an Mikroorganismen. Wir tragen sie Tag und Nacht mit uns, mehr als ein Kilogramm schwer.

Bis vor kurzem war die menschliche Bakterienlandschaft ein ziemlich unerforschtes Territorium. Um die kleinen Organismen besser zu verstehen und zu identifizieren, forschen derzeit internationale Wissenschaftler am "Human Microbiome Projekt". Mit der Kategorisierung der unterschiedlichen Bakterienarten stehen sie aber erst am Anfang. Statistiken zum Projekt zeigen, dass der größte Bakterienanteil im Gastrointestinaltrakt lebt, gefolgt von der Haut und dem Mund. 

Wie die Bakterienpopulation zusammengesetzt ist, ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Und nicht nur das, auch Bereiche desselben Organs können unterschiedlich besiedelt sein: "Man weiß inzwischen, dass verschiedene Hautbereiche am Körper eines Menschen sehr unterschiedliche Mikrobengemeinschaften beherbergen können", sagt Michael Wagner vom Institut für Mikrobielle Ökologie an der Uni Wien.

Von der Mutter zum Kind

Doch hat es einen Einfluss auf die Bakterienkulturen, ob Menschen einander nahe sind? Ähneln sich Bakterien von Menschen, die über längere Zeit zusammenleben? Bekannt ist, wie ein Baby seine Bakterien erlangt: Im Mutterleib ist ein Kind noch bakterienfrei, erst mit der Geburt wird es besiedelt. Die ersten Bakterien, mit denen es in Kontakt kommt, sind die Vaginalbakterien der Mutter im Geburtskanal - vorausgesetzt, es handelt sich nicht um einen Kaiserschnitt. 

Diese Bakterien bilden einen wichtigen Schritt in Richtung Aufbau eines gesunden Immunsystems. "Kleine Koala-Bären müssen sogar den Stuhl des Muttertiers fressen, damit sie die richtigen Darmbakterien bekommen", sagt Elisabeth Presterl, Hygienikerin und Klinische Mikrobiologin an der MedUni Wien. 

Austausch unter Partnern

Aber nicht nur bei der Geburt werden Bakterien ausgetauscht - im Umgang mit Menschen und im Kontakt mit der Umwelt passiert das ständig. Berührungen, Austausch von Körperflüssigkeiten, aber auch Hautkontakt mit Objekten sorgen für einen ständigen Bakterientumult. "Es ist bekannt, dass ganze Populationen - wie etwa Städte oder Familien - ähnliche Bakterien haben", so Elisabeth Presterl. Daher sei es auch wahrscheinlich, dass sich das Mikrobiom zweier Partner, die über einen längeren Zeitraum zusammen sind, anpasse. "Je länger und je häufiger ein enger Kontakt stattfindet, desto eher und desto mehr Bakterien werden übertragen", sagt die Mikrobiologin. Und auch die Bakterien selbst nutzen den Austausch mit ihren Artgenossen, denn sie tauschen wichtige Informationen in Form von Genen aus.

Einen anderen Aspekt gibt Michael Wagner zu bedenken: "Man weiß, dass die Mikrobengemeinschaften bei einem Mensch über längere Zeiträume eher stabil sind. Dieser Befund spricht eher dagegen, dass sich etwa die Hautflora eines Partners im Erwachsenenleben stark auswirkt."

Austausch fürs Immunsystem

Aber ein reger zwischenmenschlicher Bakterien-Austausch kann durchaus nützlich sein. Das Immunsystem kennt sich dann mit solchen Populationen aus, es wird stärker. Aber auch ein weniger positives Beispiel gibt es: Parodontitisbakterien können über Speichelkontakt übertragen werden. Doch Presterl beruhigt: "Es müssen mehrere Einflussfaktoren zusammenspielen, damit die Krankheit wirklich ausbricht." 

"Bekannt sind Studien über den Austausch von Candida-Pilzen bei Partnern oder die Übertragung von Mikroorganismen durch die Hände und Gegenstände im Patientenumfeld", sagt die Hygienikerin. Hygiene habe daher einen hohen Stellenwert im Krankenhaus. Presterl verweist darauf, dass ein Mindestmaß an Hygiene wie Händewaschen und Reinlichkeit auch im täglichen Zusammenleben mit den kleinen Besiedlern sinnvoll ist. (Marietta Türk, derStandard.at, 25.4.2012)

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"Kleine Koala-Bären müssen sogar den Stuhl des Muttertiers fressen, damit sie die richtigen Darmbakterien bekommen",

oame viecha!

wieso?

schmeckt sicher gut nach eukalyptus :)

Wen wundert das? Wer zusammenlebt isst ja meist auch dasselbe, wohnt in derselben Umgebung, usw. Die Ähnlichkeit heißt also noch lange nicht dass man sie überträgt, kann auch ganz einfach heißen dass man nur denselben Umwelteinflüssen ausgesetzt ist.

Küssen ist hygienische Tollheit!

Aber wer tut das heut schon noch? Die Leute sind vernünftiger als man meinen möchte. Ich kenne niemanden, der in reiferen Jahren noch diesem infantilen Gehaben frönt.

könnte am trinkverhalten liegen...

mich küsst die meinige auch nicht mehr (so gern), wenn ich nach 16-Blech feu ...

tut mir aber leid für dich ;-)

"Hast du Lust auf Bakterien austauschen?"

Naja, auch nicht wirklich der aussichtsreichste Anmachspruch...

wer weiß

vielleicht haben sie glück und treffen auf eine bakteriologin.

grad mikrobiologen hören in ihrem studium dermaßen viel über dadurch ausgelöste krankheiten... :)

"Mund zu Mund ist ungesund!"

Alternative?

wird nicht durchs zenserl gehen.

schlaf mit mir,

es ist für unser Beider Wohl!

wobei ich vermute,

daß Promiskuität eher negative Auswirkungen hat ;-)

bin ich froh

daß ich kein koala bin. übrigens sind das keine bären.

Kein Bär? Da bin ich aber enttäuscht und verwundert!

Aber Seekühe sind doch Kühe, Seehund sind Hunde, und der Tasmanische Tiger ist ein Tiger - nicht wahr?

und der tigerhai ist ein hai! juhu

und der Tasmanische Teufel?

Also ich hab schon Zitronenfalter Zitronen falten gesehen! Echt jetzt!

lg mensch

ein seehund ist ein hundeartiger, immerhin (wie alle robbenarten).

jetzt lassens mir doch die freud

außerdem brauch ich hier dringend ein mitarbeitsplus.

wenn Sie noch eine Zierzeile hinlegen, bin ich bereit mit einem goldenen Sternchen rauszuruecken

Zierzeile ...

... ma, is des lange her .... :-))))

Aber das hat mir einen Grinser ins Gesicht gezaubert - danke! :-)

lieber nicht

sonst gelte ich noch als streber.

Ja sicher

Und ein Wombat ist eine Fledermaus, anstatt die berühmte Verschwendung von Geld, Hirn und Zeit.

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