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EHEC-Bakterien, eine gefährliche Version der normalerweise harmlosen Escherichia coli (E. coli). Aufgenommen mit einem Elektronenmikroskop.
Wir sind nicht allein, bei weitem nicht. Für diese Erkenntnis bedarf es keines Beweises außerirdischen Lebens, es reicht, auf und in uns selbst nachzusehen. Den menschlichen Körper besiedeln Abermilliarden an Mikroorganismen. Wir tragen sie Tag und Nacht mit uns, mehr als ein Kilogramm schwer.
Bis vor kurzem war die menschliche Bakterienlandschaft ein ziemlich unerforschtes Territorium. Um die kleinen Organismen besser zu verstehen und zu identifizieren, forschen derzeit internationale Wissenschaftler am "Human Microbiome Projekt". Mit der Kategorisierung der unterschiedlichen Bakterienarten stehen sie aber erst am Anfang. Statistiken zum Projekt zeigen, dass der größte Bakterienanteil im Gastrointestinaltrakt lebt, gefolgt von der Haut und dem Mund.
Wie die Bakterienpopulation zusammengesetzt ist, ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Und nicht nur das, auch Bereiche desselben Organs können unterschiedlich besiedelt sein: "Man weiß inzwischen, dass verschiedene Hautbereiche am Körper eines Menschen sehr unterschiedliche Mikrobengemeinschaften beherbergen können", sagt Michael Wagner vom Institut für Mikrobielle Ökologie an der Uni Wien.
Von der Mutter zum Kind
Doch hat es einen Einfluss auf die Bakterienkulturen, ob Menschen einander nahe sind? Ähneln sich Bakterien von Menschen, die über längere Zeit zusammenleben? Bekannt ist, wie ein Baby seine Bakterien erlangt: Im Mutterleib ist ein Kind noch bakterienfrei, erst mit der Geburt wird es besiedelt. Die ersten Bakterien, mit denen es in Kontakt kommt, sind die Vaginalbakterien der Mutter im Geburtskanal - vorausgesetzt, es handelt sich nicht um einen Kaiserschnitt.
Diese Bakterien bilden einen wichtigen Schritt in Richtung Aufbau eines gesunden Immunsystems. "Kleine Koala-Bären müssen sogar den Stuhl des Muttertiers fressen, damit sie die richtigen Darmbakterien bekommen", sagt Elisabeth Presterl, Hygienikerin und Klinische Mikrobiologin an der MedUni Wien.
Austausch unter Partnern
Aber nicht nur bei der Geburt werden Bakterien ausgetauscht - im Umgang mit Menschen und im Kontakt mit der Umwelt passiert das ständig. Berührungen, Austausch von Körperflüssigkeiten, aber auch Hautkontakt mit Objekten sorgen für einen ständigen Bakterientumult. "Es ist bekannt, dass ganze Populationen - wie etwa Städte oder Familien - ähnliche Bakterien haben", so Elisabeth Presterl. Daher sei es auch wahrscheinlich, dass sich das Mikrobiom zweier Partner, die über einen längeren Zeitraum zusammen sind, anpasse. "Je länger und je häufiger ein enger Kontakt stattfindet, desto eher und desto mehr Bakterien werden übertragen", sagt die Mikrobiologin. Und auch die Bakterien selbst nutzen den Austausch mit ihren Artgenossen, denn sie tauschen wichtige Informationen in Form von Genen aus.
Einen anderen Aspekt gibt Michael Wagner zu bedenken: "Man weiß, dass die Mikrobengemeinschaften bei einem Mensch über längere Zeiträume eher stabil sind. Dieser Befund spricht eher dagegen, dass sich etwa die Hautflora eines Partners im Erwachsenenleben stark auswirkt."
Austausch fürs Immunsystem
Aber ein reger zwischenmenschlicher Bakterien-Austausch kann durchaus nützlich sein. Das Immunsystem kennt sich dann mit solchen Populationen aus, es wird stärker. Aber auch ein weniger positives Beispiel gibt es: Parodontitisbakterien können über Speichelkontakt übertragen werden. Doch Presterl beruhigt: "Es müssen mehrere Einflussfaktoren zusammenspielen, damit die Krankheit wirklich ausbricht."
"Bekannt sind Studien über den Austausch von Candida-Pilzen bei Partnern oder die Übertragung von Mikroorganismen durch die Hände und Gegenstände im Patientenumfeld", sagt die Hygienikerin. Hygiene habe daher einen hohen Stellenwert im Krankenhaus. Presterl verweist darauf, dass ein Mindestmaß an Hygiene wie Händewaschen und Reinlichkeit auch im täglichen Zusammenleben mit den kleinen Besiedlern sinnvoll ist. (Marietta Türk, derStandard.at, 25.4.2012)
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