Das Gehirn mag gutes Fett

18. April 2012, 16:34
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Gesättigte Fettsäuren, wie sie in tierischen Fetten enthalten sind, wirken sich negativ auf Blutzucker, Gehirnaktivität und körperliche Bewegung aus

Tübingen - Der Konsum von tierischen Fetten kann die Gehirnfunktion und den Schlaf verändern. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen. Danach führt eine gesteigerte Aufnahme von Milchfett zu erhöhten Blutzuckerwerten, einer verminderten Gehirnaktivität und weniger Bewegung. Dies ist bei einer vergleichbaren Aufnahme von Rapsöl, das reich an ungesättigten Fettsäuren ist, nicht der Fall.

Die Forscher weisen in einer Aussendung darauf hin, dass Fette, die einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren enthalten, das Diabetesrisiko erhöhen und die Hirnleistung reduzieren. Die Ergebnisse dieser Studie wurden aktuell in der Fachzeitschrift der Amerikanischen Diabetesgesellschaft "Diabetes" publiziert.

Fettqualität spielt eine Rolle

Die gute Verfügbarkeit von Lebensmitteln mit einer hohen Energiedichte wird heute, zusammen mit körperlicher Inaktivität, als eine der Hauptursachen für Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 angesehen. Neben der Gesamtfettaufnahme wird der Fettqualität eine entscheidende Rolle beigemessen. Forscher der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen untersuchten in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V., wie sich eine kaloriengleiche Aufnahme von Rapsöl oder Milchfett auf den Blutzuckerspiegel, die körperliche Aktivität sowie die Aktivität des Gehirns und das Schlafverhalten auswirkt.

Gesättigte versus ungesättigte Fettsäuren

Aus ernährungsphysiologischer Sicht handelt es sich bei Rapsöl um ein äußerst wertvolles Speiseöl, da es einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren enthält und besonders arm an gesättigten Fettsäuren ist. Milchfett, ein tierisches Fett, besteht zum größten Teil aus gesättigten Fettsäuren, Hauptbestandteil ist hier Palmitinsäure.

In Mäusestudien konnte bereits nachgewiesen werden, dass zu viel gesättigte Fettsäuren in der Nahrung zu erhöhten Blutzuckerwerten und einer verschlechterten Insulinwirkung in Gehirn führen und stellt fest: "Diese übergewichtigen Mäuse zeigen ein reduziertes Bewegungsverhalten, eine Beeinträchtigung der Gehirnaktivität und ein verändertes Schlafmuster. Dahingegen führen ungesättigte Fettsäuren zu keinen Veränderungen im Blutzuckerprofil obwohl auch diese Mäuse übergewichtig sind. Sie bleiben dennoch körperlich aktiv und haben keinen gestörten Schlaf."

Effekte auf das Gehirn

Auch beim Menschen konnte das Forscherteam ähnliche Effekte nachweisen. Obwohl die Probanden nach einer 3-monatigen Aufnahme von Joghurt, das mit Milchfett oder Rapsöl angereichert war, keine Veränderungen in Bezug auf das Körpergewicht oder den Blutzucker zeigten, war die Gehirnaktivität bei denen, die vermehrt gesättigte Fettsäuren gegessen haben, reduziert.

Dies betrifft vor allem Gehirnregionen, die für das Sättigungsgefühl, das Gedächtnis und das Bewegungsverhalten verantwortlich sind. Zusammenfassend, so Studienautorin Anita Hennige von der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen, kann man sagen, dass zu viel Fett in der Nahrung immer zu Übergewicht führt. Allerdings, so die Expertin, wirken sich nur gesättigte Fettsäuren, wie sie in tierischen Fetten enthalten sind, negativ auf den Blutzucker, die Gehirnaktivität und die körperliche Bewegung aus, was dann zu einer weiteren Gewichtszunahme führt. (red, derStandard.at, 18.4.2012)

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    Neben der Gesamtfettaufnahme wird der Fettqualität eine entscheidende Rolle beigemessen.

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