Burgenland wendet rückwirkend alten Notenschlüssel an

Landesschulsprecher Spiegl: Bei Fremdsprachen "Genügend" einheitlich ab 50 Prozent - Amtsführender Präsident Resch: Bei Bedarf werden auch Schularbeiten neu benotet

Eisenstadt  - Die Verwirrung rund um angeblich nicht gerechtfertigte Fünfer, die Lehrer bei Fremdsprachen-Schularbeiten in Kärntner Maturaklassen nach dem Notenschema der neuen kompetenzorientierten Matura vergeben haben, hat auch im Burgenland für Diskussionen gesorgt. Um Klarheit zu schaffen, sollen an burgenländischen AHS nun sämtliche bereits geschriebene Schularbeiten, die bereits nach dem "neuen" 60-Prozent-Schlüssel benotet worden sind, rückwirkend dem "alten" Schlüssel angepasst werden, teilte AHS-Landesschulsprecher David Spiegl am Dienstag mit. Der Amtierende Präsident des Landesschulrates, Gerhard Resch, bestätigte diese Vorgangsweise.

Mehr als das halbe Schuljahr sei in den Fremdsprachen erst ab 60 Prozent ein "Genügend" vergeben worden sein, so Spiegl. Hintergrund: Das auf dem "Europäischen Referenzrahmen für Sprachen" basierende Beurteilungsschema geht von einer positiven Gesamtbeurteilung einer Arbeit ab 60 Prozent richtiger Aufgabenerfüllung und Textqualität aus, während bisher an Schulen eine positive Benotung bei erbrachter Leistung über 50 Prozent üblich war. Als Schulversuch kommt das neue Beurteilungsschema heuer an 299 AHS österreichweit bei der schriftlichen Reifeprüfung in den lebenden Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch) zum Tragen, soll aber nur mit entsprechenden Beurteilungsrastern eingesetzt werden. Nur dann würde ein Ergebnis von 60 Prozent "unserer gültigen Notendefinition von 'Genügend' genauso entsprechen", wie die AHS-Landesschulinspektorin in Wien, Gabriele Dangl, kürzlich gegenüber erklärte.

Zahlreiche Schüler-Anrufe

Aufgrund von zahlreichen Anrufen von "erbosten" Schülern wegen "falscher" Benotung habe sich die Landesschülervertretung im Burgenland des Themas angenommen. Vor Ostern sei dann vereinbart worden, dass für die noch ausstehenden Schularbeiten ausschließlich der altbekannte Notenschlüssel samt 50-Prozent-Regelung angewandt werden soll. "Seit Montag steht jetzt auch fest, dass auch die bereits geschriebenen umbenotet werden auf die 50 Prozent", schilderte Spiegl. Wenn beispielsweise jemand bei einer Schularbeit 58 Prozent erreicht und einen "Fünfer" bekommen habe, dann werde daraus ein "Vierer", so der Landesschulsprecher: "Das Burgenland ist das einzige Bundesland, wo wir das geschafft haben."

Mit dem Schülervertreter sei ausgemacht worden, dass er - nachdem die rechtliche Klärung in Form einer Adaptierung der Leistungsbeurteilungsverordnung vom Unterrichtsministerium nicht vor dem Sommer erfolgen werde - nach Ostern den Landesschulinspektor ersuchen werde, wieder auf das "eingefahrene" System mit 50 Prozent zurückzugehen, so Landesschulratspräsident Resch. "Es werden jetzt die Schularbeiten und bei Bedarf auch die Schulnachrichten entsprechend adaptiert." Er sei der einzige Amtsführende Präsident, der dies getan habe. "Ich kann damit leben", weil er in diesem Zweifelsfall auf der Seite der Schüler sei, meinte Resch.

Im Schuljahr 2013/14 sollen die ersten AHS-Maturanten die standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung absolvieren. Im Jahr darauf starten auch die Schüler der berufsbildenden höheren Schulen (BHS). In den Fremdsprachen nehmen mehr als 90 Prozent der Schulen an Schulversuchen teil, in Mathematik und Deutsch gibt es noch keine Schulversuche. (APA, 17.4.2012)

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