Die reichen Bojaren

André Ballin aus Moskau, 18. April 2012, 06:15

In den zwei Kammern des russischen Parlaments sitzen neun Dollarmilliardäre

Vor zwölf Jahren trat Wladimir Putin als Präsident mit dem Versprechen an, die Oligarchie in Russland zu beseitigen. Heute wimmelt es in der Beletage der Politik nur so von Reichen und Superreichen. Viele von ihnen sind unter Putin reich geworden, andere sehen in einem politischen Posten die beste Chance, ihre Milliarden abzusichern.

Igor Schuwalow arbeitet seit 1997 für den Kreml. Als Vizepremier ist er seit einigen Jahren verantwortlich für die Privatisierung der russischen Staatsbetriebe. Ein verantwortungsvoller Posten, auf dem er im Jahr 2011 umgerechnet 250.000 Euro verdient hat. Das ist nicht schlecht - aber im Vergleich zu seiner Gattin Olga, offiziell Hausfrau, nichts. Sie verdiente 9,4 Millionen Euro.

Olga Schuwalowa ist Begünstigte des Fonds Sevenkey. Der auf den Bahamas registrierte Fonds geriet kürzlich ins Zwielicht, als bekannt wurde, dass er vor einigen Jahren mit der Spekulation auf Gasprom-Aktien, kurz bevor die russische Regierung den Handel mit den Papieren liberalisierte und den Aktien damit einen enormen Aufschwung bescherte, rund 100 Millionen US-Dollar verdiente. Schuwalow sieht darin nichts Verwerfliches: "Als Jurist habe ich Interessenkonflikte immer strikt vermieden", kommentierte er den Vorwurf des Insiderwissens.

Familie Schuwalow ist nicht die einzige, bei der die Frau die Brötchen verdient: Auch bei Kreml-Chefideologe Wladislaw Surkow (3,3 Mio. Euro) und Präsidentenberater Arkadi Dworkowitsch (1,3 Mio. Euro) kommt das große Geld von den Frauen. Dass Politikergattinnen ihre Einkommen offenlegen müssen, ist einer Neuerung von Präsident Dmitri Medwedew zu verdanken. Dessen Frau Swetlana hat 2011 nichts verdient, er selbst mit 84.000 Euro auch nur unterdurchschnittlich. Auch bei Putin sieht es mit offiziell 92.000 Euro für Politikerverhältnisse nicht üppig aus.

Besser ging es da schon Tulas neuem Gouverneur Wladimir Grusdew: 100 Millionen Euro hat er 2011 offiziell verdient. Damit ist der Milliardär Einnahmenkrösus. Er ist aber nicht der einzige Milliardär in der Politik. Allein in der Duma sitzen vier Dollarmilliardäre: Andrej Skotsch, Wladimir Gridin, Alexander Skorobogatjko und Leonid Simanowski - alle gehören der Putin-Partei Einiges Russland an. An ihren Einkommenserklärungen zeigt sich übrigens auch der "Wert" der Deklarationen: Drei der Milliardäre wollen im vergangenen Jahr nur Einnahmen von 50.000 bis 70.000 Euro gehabt haben, lediglich Simanowski verdiente mit 7,6 Millionen Euro angemessen.

Superreiche Senatoren

Die reichsten Geschäftsleute Russlands zieht es traditionell zur Lobbyarbeit in den Föderationsrat, das Oberhaus des Parlaments. Und so sind gleich fünf Milliardäre und gut ein Dutzend Multimillionäre Senatoren. Der reichste von allen ist Sulejman Kerimow, der laut Forbes 6,5 Milliarden Dollar besitzt. Außerhalb Russlands wurde er dadurch bekannt, dass er für seinen Fußballclub Anschi Machatschkala Stars wie Eto'o und Roberto Carlos anheuerte.

Nicht allen Russen geht es so gut wie den Politikern. Laut einer jüngst veröffentlichten Statistik leben über 18 Millionen Menschen in Russland unter der Armutsgrenze von 155 Euro im Monat. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 18.4.2012)

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Putin ist ein Verräter.

Er hat eine neue Oligarchie geschaffen.

Armes Russland - jeder hätte erkennen müssen das Putin über Leichen geht.

Wer Kadyrow installiert zeigt das er keine Probleme damit hat Menschen ermorden zu lassen.

Das geht in eine neue Phase über - Putin hatte versprochen gegen die Oligarchen vorzugehen.

Nun hat er gezeigt das er selbst NEUE Oligarchen geschaffen hat die ihn an der Macht lassen.

Das ist Hochverrat, Herr Putin.

wieso hat Medwedew weniger verdient als Putin??? War nicht Medwedew Präsident?? Gut Swetlana Medwedeva hat also nichts verdient und die Frau von Putin (wie hieß die nocheinmal.... Ljudmila oder wars irgendwas auf A???)....wieso wird diese Information wohl verschwiegen??

EU

Gut dass bei uns in Bruessel 15000 Lobbyisten heimisch sind um Politik zu machen. ja, 15000.

Ja, leider.

Man kann gar nicht so sehr über Russland schimpfen da unsere Zustände auch pervers sind.

Aber keine Sorge - direkte Demokratie wird kommen. Spätestens dann wenn die Mehrheit sagt "es reicht".

Man kann eine Diktatur nicht (indirekte) "Demokratie" nennen und auf Dauer alle Menschen belügen.

Der Mann bringt das Geld nach Haus!

Wir in Österreich sind da noch etwas konservativ. Da nehmen die Herrn der Politik das Geld schon noch selbst ins Handerl und dann verwöhnen sie ihre Mamtschis.

ein irrsinn, was damals mit der privatisierung ablief. aber wir haben ja auch unsere erfahrungen damit gemacht. ähnlich wie einst der adel, werden sie die nächsten jahrhunderte von diesem vermögen zehren und versuchen, in der politik zu einfluss und macht zu kommen.

Wenn die Welt so bleibt wie sie jetzt ist, wird es keine jahrhunderte mehr geben.

Wenn die Welz so bleibt wie sie jetzt ist, wird es keine jahrhunderte mehr geben.

dass das "kapital" politische systeme unterwandert, ist aber nun wirklich nichts neues.
solange wir dieses problem allerdings in russland beleuchten und nicht bei uns, scheint es wohl doch kein grosses problem darzustellen sondern einen willkommenen anlass, russland einmal mehr für tatsachen zu kritisieren, die bei uns gleich oder woanders (usa) noch schlimmer sind.
mediales business as usual also...

In den USA wird das aber vergleichsweise sehr transparent gestaltet.
Wahlkampfspenden müssen öffentlich gemacht werden, Lobbyisten müssen sich registrieren und Präsidentschaftskandidaten müssen ihr Vermögen offenlegen.
Da haben wir noch viel Aufholbedarf.

Nur weil man in den USA sieht wer wie Einfluss nimmt heißt das nicht dass es dort schlimmer zugeht als bei uns.

wüsste nicht, was es an einer schweinerei ändert, wenn sie "transparent" ist.
im us kongress sind mehr als die hälfte aller abgeordneten millionäre.
zur zeit bewirbt sich ein multimillionär, der von milliardären gesponsert wird für das präsidentenamt.
er tritt gegen den regierenden präsidenten an, der ebenfalls von milliardären gesponsert wird. na wenn das keine "demokratie" ist...

Dann weiß man wenigstens gegen wen man protestieren soll oder auf wen man wütend ist.

In Österreich wird ja auch immer wieder die gläserene Parteifinanzierung gefordert, ich finde das demokratiepolitisch sehr wichtig.

Um Wahlkampf zu machen braucht man halt sehr viel Geld, da ist es sinnvoll zu wissen woher es die Kandidaten haben.

Dann weiß man wenigstens gegen wen man protestieren soll oder auf wen man wütend ist.

In Österreich wird ja auch immer wieder die gläserene Parteifinanzierung gefordert, ich finde das demokratiepolitisch sehr wichtig.

Um Wahlkampf zu machen braucht man halt sehr viel Geld, da ist es sinnvoll zu wissen woher es die Kandidaten haben.

wüsste nicht was dieser billige verteidigungsversuch bringen soll ?!?

Russia had been hijacked by the most ruthless mafia of the world, even the italians were shivering...

92 schrieb arkadi waksberg in die "rote mafia" noch mit mahnenden worten, dass
eine gigantische kriminelle macht, auch aus der sphäre des schwarzmarkts, daran sei die herrschaft zu übernehmen. Als anfang der 90er jahre die generalamnestie kam, wurden zusätzlich noch abertausende schwerverbrecher in die metropolen gespült. Es war eine frage der zeit, bis diese explosive mischung hochgehen sollte. Waksberg jammerte damals noch etwa über derlei verfehlungen wie dass der bürgermeister leningrads zur hochzeit seiner tochter ein teller service des zaren auftischen liess..... etc etc

Seien Sie nicht so polemisch! Die Ausmaße, die das in Rußland angenommen hat, sind mit denen in Österreich nicht zu vergleichen. Der einzige, den man in Ö. als "typischen" Oligarchen bezeichnen könnte, ist M. Schlaff, mit allem was dazu gehört- Zwielichtige Geschäfte, Verbindungen zu Politik, Exekutive und Justiz und Korruption.
Es gibt in RUS eine eigene, neue Art von Superreichen, wie es sie sonst in der Form in ziviliseierten Ländern nicht gibt: Putins persönliche "Haberer", wie A. Rotenberg oder Kovaltschuk von der Bank "Rossiya". Das hat nichts mehr mit Oligarchentum oder Business zu tun, sondern ist nur noch schlicht Herschenken von Staatsvermögen.

in österreich wird das parlament beispielsweise von einem der grössten konzerne im land (raiffeisen) mit abgeordneten "direkt" beschickt. vor jahren hat sic herr stronach völlig ungeniert abgeordnete "gekauft".
das niveau ist unterschiedlich, österreich ist ja auch bedeutend kleiner als russland. im kern aber betsteht kein unterschied.

Es wird sie verwundern, aber

ein Übel wird durch die Auflistung aller andern Übel nicht geringer.
So wie Herr Putin in meinen Augen kein Russe ist, der für das "russische" Volk arbeitet, sowenig sind Lobbyisten in .at Parlamentarier die für das "österreichische" Volk arbeiten !

Gilt auch für alle andern Demokratien.
Diktaturen nimm ich aus, da bei diesen der Sachverhalt meist direkt am Leid ( und ich meine nicht "mein Auto ist zu klein" ) der Bevölkerung ablesen kann.
Wäre Herr Putin klug, so würde er verstehen, dass er nur dann wahrlich mächtig wird, wenn die Menschen Ihn für seine "realen" Taten lieben, anstatt ihn wegen seiner "gewaltige Macht" zu fürchten.

Und ja, dies ist "noch" Fiktion, aber andernfalls ist die Zukunft nur finster !!!
SB

Die Armen Reichen?

Wozu sind solche Artikel gedacht? Verändern sich mit ihnen jemandes Leben? Gibt es weniger Arme? Gibt es Proteste, weil es so viele Reiche gibt, während andere einfach verhungern müssen? Ändert sich damit das System in Russland? Nein?

Dann ist es ja egal, solang das wenige Geld für die Neuen Reichen, die Armen Reichen, die Reichen Reichen und die Super Reichen reicht. Reichtum, Baby!

Glauben sie,daß in der "größten westlichen (angebl.)Demokratie" USA weniger (Super-)Reiche polit. Ämter innehaben?!

Und deshalb.....

lasst uns V.Putin als Heiligen anbeten ?

Vielleicht ist er deshalb auch der Meinung, es richtig zu machen, denn wenn 40 % huldigen ( sei es aus Furcht / und bei Wenigen aus Gier ) und 60 % lieber aus Angst erstarren, dann wird ein kleiner Despot niemals verstehen, dass es besser ist für das Volk zu arbeiten.
SB

" Aber Putin sollte intelligent genug sein, zu erkennen, dass er als Wohltäter der Oligarchen zwar reich wird, aber als Vertreter des Volkes könnte er zumindest für einige Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte "unsterblich" werden.
Und er müßte dazu nicht einmal arm werden, sondern nur ehrlich und gerecht !
SB

In einem Land, das so groß und so reich ist wie Russland,

werden in kürzester Zeir unvorstellbar hohe Werte geschaffen.
Das Problem ist nicht die Wertschöpfung, sondern -wie ja auch bei uns- die Verteilung.
Und da gibt es allerdings einen entscheidenden Unterschied:
In Russland wissen die Günstlinge nie, wieviel sie bekommen werden,
in Österreich wissen sie nicht einmal, wofür!

unser tägliches russlandbashing gib uns heute

und verberge auch unsere schuld(en),
denn unser ist die wahrheit und die gerechtigkeit
in ewigkeit

amen.

Und vergib uns unsere Ignoranz, wie

auch wir vergeben unseren Ignoranten !

Und nimm uns nicht unseren Zaster, sondern gib uns noch denjenigen derer, die sowieso zu wenig haben.

AMEN

tja - das kommt halt, wenn man das staatsvermögen an eine handvoll freunderln verteilt - sollt uns doch bekannt vorkommen...vielleicht hat man auch deswegen beim zerfall der udssr in unseren breiten so in die hände geklatscht: JUHUUU!!! und nicht, dass es der bevölerkung dort vielleicht besser gehen könnt - nur um gscheit zu sagen "wir hatten immer schon recht"

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