"Ich würde es wieder tun"

  • Der Prozess scheint allgegenwärtig zu sein: Ein Mädchen in der norwegischen Hauptstadt Oslo.
    foto: reuters/fabrizio bensch

    Der Prozess scheint allgegenwärtig zu sein: Ein Mädchen in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

  • Anders Behring Breivik vor Gericht in Oslo. Die Al-Kaida bewundert er, 
obwohl er den Islam hasst. Zu seinen Helden gehören Neonazis.
    foto: reuters/stoyan nenov

    Anders Behring Breivik vor Gericht in Oslo. Die Al-Kaida bewundert er, obwohl er den Islam hasst. Zu seinen Helden gehören Neonazis.

Wie erwartet, zeigt der geständige Attentäter Anders Breivik keine Reue - Seine Opfer seien keine unschuldigen Kinder gewesen, sondern politische Aktivisten - In seiner Weltanschauung spielt auch die FPÖ eine Rolle

Am zweiten Tag des Prozesses gegen Anders Behring Breivik hat der mutmaßliche Mörder von 77 Menschen seine Taten ein weiteres Mal gerechtfertigt. "Ich würde es wieder tun", sagte Breivik am Dienstag vor dem Gericht in Oslo.

Gleich nach Verhandlungseröffnung war der Prozess zunächst unterbrochen worden. Anlass war der Facebook-Eintrag eines Schöffen, der vor Monaten die Todesstrafe im Fall Breivik als einzig angemessene Alternative bezeichnet hatte. Der Laienrichter wurde für befangen erklärt und durch einen neuen ersetzt.

Um die Motive seiner Taten deutlich zu machen, hat das Gericht dem geständigen Attentäter insgesamt fünf Verhandlungstage eingeräumt. Richterin Wenche Elisabeth Arntzen gestattete Breivik, eine schriftliche Erklärung zu verlesen. Aus den angekündigten 30 Minuten wurde trotz mehrfacher Ermahnungen eine reichliche Stunde. Dem Antrag der Hinterbliebenen-Anwältin Mette Yvonne Larsen, Breivik das Wort zu entziehen, gab das Gericht nicht statt.

In seiner Erklärung sagte Breivik, ihm sei gleichgültig, ob er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen werde, da er ohnehin "in einem Gefängnis geboren und aufgewachsen" sei. Norwegen und Europa seien einer Haftanstalt gleichzusetzen, in der Demokratie und Meinungsfreiheit nicht existierten. Stattdessen habe "das politische Etablissement" gegen den Willen der Bevölkerung und im Schulterschluss mit der Presse " Kulturmarxismus und Multikulturalismus zur Staatsdoktrin" erhoben.

Verstöße dagegen würden mit Ausgrenzung und Erpressungsversuchen geahndet. So hätten Europas Politik und Presse im Jahr 2000, nach dem Einzug der FPÖ in die österreichische Regierung, die Bevölkerung massiv unter Druck gesetzt. Zu "Helden" im Kampf gegen den Vormarsch des Islam gehören für Breivik deutsche Neonazis. Sozialdemokratische Jugendorganisationen bezeichnete er hingegen als "böse". Seine Opfer auf Utöya seien "keine unschuldigen Kinder" gewesen, sondern "politische Aktivisten".

In der späteren Befragung konzentrierten sich die Staatsanwälte Inger Bejer Engh und Svein Holden auf das Netzwerk von Gesinnungsgenossen, von denen Breivik in seinem sogenannten Manifest sowie in Verhören gesprochen hatte. Konkret hatte er einen Geheimorden namens Knigths Templar genannt. Das Netzwerk sei aber nicht so umfangreich, wie er dies ursprünglich habe glauben machen wollen. Um "Zeichen zu setzen", habe er sich anfänglich "zu pompös" dargestellt.

Inspirationsquelle: Al-Kaida

An diesem Nachmittag werden am Gericht in Oslo weitere bizarre Verbindungen deutlich. Als bedeutende Inspirationsquelle für den Kampf der "militanten Nationalisten", denen er sich zugehörig sieht, nennt der angeklagte Islamhasser das islamistische Terrornetzwerk Al-Kaida. Vor allem der Aspekt der Märtyrerschaft habe es ihm angetan, so Breivik, der konstatiert: "Die Al-Kaida ist die erfolgreichste militante Organisation der Welt."

Die Staatsanwaltschaft will Breivik wegen Unzurechnungsfähigkeit in eine psychiatrische Einrichtung einweisen lassen. (Anne Rentzsch aus Oslo, DER STANDARD, 18.04.2012)

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