Barrieren und Berührungsängste nachhaltig abbauen

17. April 2012, 17:27
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Internationale Nachhaltigkeitsexperten treffen bei einem Round Table am Bodensee mit regionalen Unternehmern zusammen

Verpackungsunternehmer trifft Klimaforscher, Produktdesignerin Lebensmittelhändler, Hoteliers suchen das Gespräch mit Energieexperten. Der 15. European Round Table on Sustainable Consumption and Production (ERSCP) macht es möglich: Vom 2. bis 4. Mai trifft Wissenschaft direkt auf Wirtschaft. Herauskommen sollen bei dem Treffen in Bregenz nicht nur Worte, sondern die unterschiedlichsten Projekte, verstreut über alle Kontinente.

Der runde Tisch, eine internationale Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit, ist seit 1994 Fixtermin von Experten und -expertinnen auf diesem Gebiet. Dieses Jahr wird ERSCP vom österreichischen Ökologieinstitut organisiert. Willi Sieber, Leiter des Ökoinstituts Bregenz, zeichnet hauptverantwortlich. Von ihm stammt auch die Idee, internationale Wissenschafter mit regionaler Wirtschaft zu konfrontieren. Sieber betreut als Coach ein Netzwerk aus acht Vorarlberger Topunternehmen, die sich mit Ideen für nachhaltiges Wirtschaften in der täglichen Praxis auseinandersetzen.

Die acht sind nun Partner und Sponsoren der Konferenz - so wie auch das Infrastrukturministerium mit dem Förderprogramm Haus der Zukunft. Obwohl Sieber anfänglich auch bei diesen "sehr aufgeschlossenen Unternehmen" auf Skepsis stieß. Grund für die Berührungsängste ist die Sprachbarriere. "Können Wissenschafter so formulieren, dass wir sie verstehen?", lautete eine Sorge. Die andere Seite wiederum beschäftigt: " Sind Unternehmen überhaupt an unserer Arbeit interessiert, und wie kommen wir an sie heran?"

Forscher und Unternehmer würden in ihrer jeweils eigenen Welt leben, beobachtet Sieber, "es fällt schwer, sich für die andere Seite zu öffnen" . Am Bodensee soll nun die Brücke zwischen den Fraktionen geschlagen werden. In 30 Workshops werden sechs Schwerpunktthemen behandelt: Bauen, Tourismus, Energie, Ressourcen, Lifestyle und Resilienz.

Forschende aus 29 Staaten, etwa vom Potsdam-Institut für Klimaforschung oder der Technischen Universität Delft werden referieren, sich mit überschaubaren regionalen Projekten ebenso beschäftigen wie mit grundlegenden Ansätzen zu ressourcenschonender internationaler Produktion. Vor allem aber auch, wie Nachhaltigkeit glaubwürdig kommuniziert werden kann. "Klar kann man in so kurzer Zeit komplexe Themen nicht erschöpfend behandeln", sagt Willi Sieber, "aber man kann Anstöße zur weiteren Zusammenarbeit geben." Anmeldungen sind bis 20. April möglich. (jub, DER STANDARD, 18.4.2012)

  • Hochhaus aus Holz: Der LifeCycle Tower, der in Dornbirn entsteht, ist ein 
Musterbeispiel für nachhaltiges Bauen.
    foto: rhomberg

    Hochhaus aus Holz: Der LifeCycle Tower, der in Dornbirn entsteht, ist ein Musterbeispiel für nachhaltiges Bauen.

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