Lufthansa hat Ärger mit den Bonusmeilen

17. April 2012, 18:23
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Ein Vielflieger hat Lufthansa-Chef Christoph Franz wegen Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug angezeigt

Wien - Was die Lufthansa als "PR-Theater" abtut, ist für einen ihrer Topkunden, den Hamburger Informatikprofessor Tobias Eggendorfer, purer Ernst: Der Vielflieger hat nach einem erstinstanzlich gewonnenen Prozess wegen zu später Information über die Abwertung von Flugmeilen vom Lufthansa-Meilenprogramm Miles & More nun gegen Lufthansa-Chef Christoph Franz und weitere Führungskräfte bei der Staatsanwaltschaft Köln eine Strafanzeige eingebracht: Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug in 21 Millionen Fällen. Eggendorfer will daher bei der Hauptversammlung am 8. Mai einen Gegenantrag zur Entlastung des Vorstandes stellen, wie er im STANDARD-Gespräch sagte.

Konkret ging es um die zum Jahreswechsel 2010/11 erfolgte Prämienberechnung bei Miles & More. Sie führte dazu, dass Kunden durchschnittlich 15 bis 20 Prozent mehr Meilen sammeln mussten, um einen Interkontinentalflug kostenlos zu bekommen.

Vertrauliche E-Mails

Eggendorfer ist nun auf interne E-Mails der Fluglinie zu dieser Causa gestoßen, die ihm, wie er sagt, "zugespielt" wurden - und vieles spreche dafür, dass diese echt seien. Darin heißt es, die Maßnahmen seien noch "streng vertraulich", die Verkündung dürfe "nicht zu früh" erfolgen, "damit die Kunden nicht vorab noch viele Tickets mit den günstigeren Meilenwerten buchen", zitierte Spiegel Online. Demnach ergebe sich der Verdacht, "dass bewusst und vorsätzlich Informationen" über die neue Prämienregelung zurückgehalten worden seien, um zu erreichen, dass die Kunden erst kurz vor der Änderung von den Plänen der Airline erfahren.

Während ein Lufthansa-Sprecher einen Imageschaden bestreitet, sieht das der Chef des Reisebüros Vorne Sitzen, Matthias Levinger, der sich auf Meilensammeln spezialisiert hat und selbst HON-Circle-Mitglied ist, also dem exklusivsten Klub der Vielflieger angehört, anders: Sollte der IT-Professor und Berater auch letztinstanzlich recht bekommen, "wird es wahnsinnig teuer für die Lufthansa", sagte Levinger zum STANDARD. "Denn dann kommen viele andere aus ihren Löchern, selbst wenn die Lufthansa sagt, Eggendorfer war ein Einzelfall, und jeder muss extra klagen." Ein ähnlicher Fall bei einem anderen Airline-Meilen-Programm ist nicht bekannt.

Abgesehen vom Image hat die Lufthansa in der Bilanz 2011 insgesamt 201 Milliarden (2010: 198 Mrd.) Meilen von Kunden als noch nicht konsumierte Meilen bewertet und dafür 1,6 Milliarden Euro (1,5 Mrd. Euro) als finanzielle Verpflichtung "eingestellt", wie ein Sprecher betonte.

Hollywood-würdiger Sport

Das Meilensammeln hat sich für einige bereits zum Sport entwickelt, die bewusst Umwege fliegen, nur um mehr Meilen zu bekommen. Etwa von New York über Miami und Zürich zurück nach Stuttgart. Diese Freaks sitzen oft nächtelang vor dem Computer, um besonders günstige Flüge mit maximaler Meilenausbeute zu finden. Sogar Hollywood hat den Stoff für sich entdeckt: George Clooney spielte in "Up in the Air" einen Manager und Meilensammler.

Was für Vielflieger das Sammeln von Meilen ist, ist bei Hotels wie der US-Gruppe Starwood das Bonusprogramm Starwood Preferd Guest (SPG). Anders als bei Airlines gebe es bei SPG allerdings keine "Sperrdaten", das sind jene Zeiten wie beim Opernball oder Neujahr, die bei anderen Anbietern für Gäste, die mit Bonuspunkten bezahlen wollen, tabu sind, sagte Petra Engl-Wurzer, PR-Chefin für Zentral- und Osteuropa von Starwood. Bei den Airlines ist das Bezahlen mit Meilen an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Mitglieder des SPG-Programms bekommen beispielsweise ein Gratis-Wochenende im 4-Point-Hotel, wenn sie eine Woche lang im Wiener Hotel Bristol genächtigt haben, erläuterte Engl-Wurzer. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 18.4.2012)

  • In "Up in the Air" übernimmt Vielflieger George Clooney für Firmen die 
Aufgabe, Mitarbeitern ihre Entlassung mitzuteilen.
    foto: upi

    In "Up in the Air" übernimmt Vielflieger George Clooney für Firmen die Aufgabe, Mitarbeitern ihre Entlassung mitzuteilen.

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