Heiter bis wolkig in der Seestadt

Ansichtssache | Martin Putschögl, 20. April 2012, 17:01
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rendering: michael lisner

150 Mietwohnungen wird es auch auf Bauplatz J9 geben, ebenfalls vom Bauträger "Neuland". Das Wetter ist traumhaft und die Autofahrer sind vorsichtig, weil die Zebrastreifen noch recht frisch sind. Mit dem Rad kommt man von hier bis in die große weite Welt, mit der U-Bahn auch. Muss man aber gar nicht, ist ja alles da. Bis auf die Hundstrümmerl, auf die hat man in den wunderschönen Computerbildern einfach vergessen. (Martin Putschögl, derStandard.at, 20.4.2012)

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Was fehlt?

Aja, die realistische Darstellung verparkter Strassen. Da mutet an wie eine Fußgängerzone, ist aber offensichtlich keine, wenn man die Bodenmarkierungen beachtet. Das wird ungefähr so idyllisch wie der
Rennbahnweg oder die Per-Albin-Hanson - nur moderner.

Wo ist eigentlich der See?

bis das dort beziehbar ist kann sich niemand mehr ein Auto leisten^^

Viel Glas und noch mehr Beton

In weniger Jahren vergilbt und versifft. Eine ganze Seestadt wird damit zur hässlichen Vorstadt. Wie all die anderen "Vorzeigesiedlungen". Diese Hochglanzwerbungen sind nichts weider als öde Propaganda.

Die Architekten wollen eben nicht einsehen, dass es die Menschen ganz instinktiv in die hunderte Jahre alte Innenstadt zieht, als noch für Menschen gebaut wurde und nicht für Prestige und Geldbörsen.

Innestadt wurde für reiche Bürger gebaut.

Die hatten schon Geld. Die Armen mussten in die Zinskasernen inden Vorstädten, die wurden vor allem billig gebaut für viele Menschen auf knappen Raum. Mas sollte die Vergangenheit nicht unnötig überhöhen!

Für Menschen gebaut ...

... sehr unterhaltsam.

Die Zinshäuser wurden gebaut, um so viel Menschen wie möglich auf so kleinem Raum wie möglich unterzubringen. Einfache, geometrische Raumaufteilungen, viele kleine (nur die Decke relativ hoch) Räume, noch mehr Menschen rein, "Licht"höfe, die kaum mehr als Taubendreckfänger waren und man von einem Fenster schon dem vis-a-vis-Nachbarn fast die Hand geben konnte - aber Stuck außen drauf und die Leute heute fallen reiheinweie in Ohnmacht vor Verzückung.

Ja, die Lebensqualität im Innengürtelbereich ist höher - weil eine ordentliche städtische Dichte da ist und durch die Nutzungsvielfalt der Räume ein ordentlich durchmischtes städt. Leben entsteht. Das hat aber nix mit Stuck zu tun - schauen's nach Japan.

Außerdem ist dann immer noch ein Unterschied zwischen einem Zinshaus in einer "gutbürgerlichen" Gegend und z.B. in der Wattgasse. Bei beiden ist die Fassade zwar ähnlich geschmückt, aber innen offenbaren sich dann doch die Unterschiede.

Hm jaaa, weil sozialer Wohnbau so prestigeträchtig ist?

..wo Michael Häupl wohnt.

Michael Häupl wohnt in der Nähe des Wilhelminenspitals! Seine Gattin arbeitet dort.

Immer diese verklärenden Propagandabilder, wo man vor allem den Lärm nicht "sieht".

und die flugschneise richtung schwechat auch nicht, juhu!

Wechen Lärm?

das Vorstadt-Ghetto der Zukunft

spätestens seitdem WU und TU abgesprungen sind und sich kaum Investoren/Firmen finden, die daran Interesse haben, kommt zur Unansehnlichkeit auch die soziale Untauglichkeit hinzu. Das Ghetto von morgen.

Den Grafiken nach zu urteilen werden da nur schlanke Menschen leben?

ein see in dem man nicht einmal schwimmen darf. was denken sich diese leute ?

Diese peinlichen Computerfotos erinnern mich an Visionen aus den 50er Jahren...

Wo die Zukunftsvision war, dass jeder ein fliegendes Auto mit Atomantrieb besitzen wird. Wer auf solche Bilder wie oben hereinfält (sedgeway!), verdient es, dort zu wohnen...

"See"

"See" seh ich keinen.

das erste wiener banlieu, klug gemacht.

laut einer information von einer planungsfirma werden die wohnungen billigst gebaut. firmen wollen dort keine hin, ausser der zwangsausgesiedelten tu. es wird derzeit beim einschlägigen klientel aus dem sozialbereich um eine anmeldung geworben. viel spass im neuen ghetto. aber einen sinn hat es doch: dort ist man dann entre nous und im rest von wien auch.

wo werden die wohnungen denn besonders toll gebaut? etwa die vorsorgewohnungen um 3500 euro pro m² im 16. bezirk? mir kommst so vor als hätten sie ein problem mit ihrem zumpfi.

die wohnungen werden dort toll gebaut, wo dafür bezahlt wird.

entweder , wenn man selbst baut, oder im luxussegment.
ps: ich sehe das von ihnen angesprochene problem bei mir nicht. liegt es daran, dass ich kein problem habe, oder dass sie selbst ihr eigenes unvermögen auf andere reflektieren ?

Das Tandem links! Ich packs nicht :D

Jesolo nach Saison

und ob das Gras so grün bleibt?

shared space wäre hier wohl die bessere und zukunftsorientiertere lösung.

3d-bilder einer neu gebauten stadt, die die mobilitätsmisere der gründerzeit bauten kopieren sind die arbeit der unterbezahlten architekturabsolventen nicht wert. schande!

Die Planer wissen eh nicht genau was sie wollen. Einerseits alles schön verkehrsberuhigt, aber dafür mit Autobahnanschluss; alles lokal vorhanden Geschäfte, Theater, Firmen, aber wichtigstes Werbemerkmal ist die U-Bahn mit der man möglichst schnell von dort weg kommt; ja was denn jetzt?

Achja: nach 21 Uhr ist mangels Straßenbeleuchtung Ausgangssperre :-)

Zeit wirds! Hamburg hat ne Hafencity und Wien bekommt die Seestadt.

Man kann nicht nur von der Geschichte leben, Wien muss sich auch weiterentwickeln.

Im Vergleich zu Zürich, Hamburg, Düsseldorf, Berlin, Valencia usw tut sich bautechnisch und architektonisch eher wenig in Wien.

Die DC Towers, das gebiet um den neuen Hauptbahnhof und die Seestadt sind ein Anfang, um auch in Wien das Gefühl zu bekommen, dass die Stadt nicht schläft.

Ob die bunten Bilder reichen ...

... dieses Potemkinsches Dorf mit Menschen zu füllen wird sich zeigen. Ich habe da meine Zweifel, vor allem weil das wirkliche Leben sich visuell anders präsentiert.

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