Deutsche Wirtschaft bleibt stabil

17. April 2012, 14:05
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Trotz Finanzkrise steigt der ZEW-Index zum fünften Mal in Folge, die Konjunktur-Erwartungen legen auch im Euroraum weiter zu. Risiken bleiben allerdings

Mannheim - Trotz der wieder aufgeflammten Schuldenkrise zeigen sich deutsche Finanzexperten weiter zuversichtlich für die konjunkturelle Entwicklung. Sowohl für Deutschland als auch für die Eurozone verbesserten sich die ZEW-Konjunkturerwartungen im April das fünfte Mal in Folge, wie das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte. Bankvolkswirte werteten die Umfrageergebnisse für Deutschland als Bestätigung, dass sich die hiesige Konjunktur auf dem Erholungspfad befindet. Mit Überraschung wurde aufgenommen, dass sich auch die Stimmung im gesamten Währungsraum trotz der jüngsten Turbulenzen verbessert hat.

Für Deutschland legten die Konjunkturerwartungen im April um 1,1 Punkte auf 23,4 Zähler zu. Volkswirte hatten mit einer Stimmungseintrübung auf 18,7 Punkte gerechnet. Auch die Lagebeurteilung hellte sich überraschend auf. Sie stieg um 3,1 Punkte auf 40,7 Zähler. "Die Finanzmarktexperten halten den positiven Ausblick für das nächste halbe Jahr aufrecht", kommentierte ZEW-Päsident Wolfgang Franz die Zahlen. Dennoch verwies er auf erhebliche Risiken für die Konjunktur, unter anderem die hohen Rohstoffpreise und die Euro-Schuldenkrise.

Klima in Eurozone hellt ebenfalls auf

Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone hellten sich zur Überraschung vieler Volkswirte ebenfalls auf. Der Indikator stieg um 2,1 Punkte auf 13,1 Zähler. Die Lageeinschätzung fiel hingegen leicht zurück - sie sank um 0,6 Punkte auf minus 49,0 Zähler. Zuletzt hatten sich an den Finanzmärkten die Sorgen um die viertgrößte Euro-Wirtschaft Spaniens wieder verstärkt, was die Refinanzierungskosten des Landes weiter verteuerte. Die Umfrage des ZEW wurde vom 2. bis 16. April durchgeführt - zumindest ein Teil der jüngsten Turbulenzen am spanischen Anleihemarkt dürfte also in die Umfrage mit eingeflossen sein.

Bankvolkswirte werteten die Zahlen zwar positiv. Sie verwiesen aber auch darauf, dass der ZEW-Index eher Wendepunkte als die Dauer von Konjunkturzyklen anzeige. "Wichtiger für die kurzfristigen Aussichten ist das Ifo-Geschäftsklima", unterstrich die Commerzbank. Das wichtigste Konjunkturbarometer Deutschlands, das zuletzt stagniert hatte, wird an diesem Freitag veröffentlicht.

Positiv wurde unterdessen die abermals bessere Stimmung im Euroraum aufgenommen. "Die Sorgen um Spanien sind aber nicht vorüber, trotz einer zuletzt besseren Geldmarktauktion", kommentierte Berenberg-Experte Christian Schulz. Spanien musste am Dienstag abermals höhere Zinsen für kurzfristige Mittel zahlen, die Auktion traf aber auf eine hohe Nachfrage. Am Montag hatte sich die Lage am spanischen Anleihemarkt stark verschlechtert. Im richtungsweisenden Zehnjahresbereich war die Rendite - ein Maßstab für das Misstrauen der Investoren - erstmals in diesem Jahr über die Marke von sechs Prozent geklettert. (APA, 17.4.2012)

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    Die Stimmung in Deutschland verbessert sich weiter.

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