Der "Ösi-Bua" aus Burundi

Interview18. April 2012, 11:36
94 Postings

Cedrick Mugiraneza über Lederhosen, Schweinsbraten und Heimat als Gefühlssache

Der 22-jährige Cedrick Mugiraneza ist als Kind mit seiner Familie von Burundi nach Österreich geflüchtet. Vom Flüchtlingsheim Traiskirchen aus ging es dann nach Oberösterreich. Im Gespräch mit daStandard.at erzählt er im oberösterreichischem Dialekt, wie er dazu gekommen ist, ein Lied über sich als "Ösi-Bua" zu schreiben, und warum das weniger mit Politik oder Integration, sondern mit Spaß und Heimatgefühl zu tun hat.

daStandard: In dem Video zur "Ösi-Bua"-Single sieht man Sie in Lederhose und Tracht. Laufen Sie oft in der Lederhose herum?

Mugiraneza: Es gibt Leute in Wien, die mich auf der Straße sehen und fragen, wo die Lederhose ist. So ist es nicht, ich trage die Lederhose nicht jeden Tag. Aber die Lederhose ist für mich auf jeden Fall eine der modernsten und wertvollsten Hosen auf der ganzen Welt. Und wenn es mal heißt, heute ist Zeit zu feiern und sich fesch zu machen, dann ziehe ich auf jeden Fall die Lederhose an.

daStandard: Steckt eine Botschaft hinter dem "Ösi-Bua"-Song?

Mugiraneza: Erstens einmal habe ich das alles aus Spaß angefangen, ich wollte Musik machen für die jungen Leute, wo auch leicht verständlich ist für die Leute, was ich aussagen will. Das Lied kriegt sehr viel Lob von Menschen, die sagen: "Ich bin zwar nicht hier geboren, aber aufgewachsen und fühle mich als Österreicher." Das ist vielleicht die versteckte "Message", die dahintersteckt. Der Text entstand als Spaß, aber ich wollte trotzdem aussagen, was ich gern habe und gern mache. Ich bin gerne in den Bergen und am Land zu Hause, spiele gerne Fußball und gehe gerne Ski fahren. Ich wollte aber damit nicht den perfekten Österreicher beschreiben, ich wollte damit mich beschreiben, was ich gerne mache.

daStandard: Sie sind als Kind nach Österreich gekommen und nach einem einjährigen Aufenthalt im Flüchtlingsheim Traiskirchen in Oberösterreich am Land aufgewachsen. Wie war die erste Zeit für Sie?

Mugiraneza: Ich bin am Land aufgewachsen, wo es immer heißt, da gibt es viele Rassisten, aber so ist es überhaupt nicht. Wir sind ja in Traiskirchen als politische Flüchtlinge angekommen, und von Traiskirchen ging es dann nach Oberösterreich. Am Anfang war es natürlich schwer, ich habe mich gefragt, warum so viele andere Leute im Flüchtlingsheim sind. Aber für mich war es entscheidend, dass ich als kleines Kind nach Österreich gekommen bin und keine Vorurteile hatte. Ich habe mit Kindern aus Afghanistan und Kindern aus Österreich gespielt, das war für mich damals alles eins, das alles war damals für mich sogar Österreich.

daStandard: Es gibt ja auch Kritik an dem Lied, weil zu viele Klischees im Text und Video bedient werden.

Mugiraneza: Es gibt auch Leute, die sagen, dass sie sich mit dem Liedtext nicht identifizieren können. Es geht ja auch nicht darum, dass jeder Schweinsbraten oder Leberkäse isst. Ich habe nur das geschrieben, was mir Spaß macht. Ich wollte mit dem Lied keine politische Frage stellen, sondern nur sagen, dass ich ein stolzer Österreicher bin.

daStandard: Das Video zum Lied hat auf Youtube schon mehr als 400.000 Klicks, haben Sie mit so einem Echo gerechnet?

Mugiraneza: Ich bin derjenige, der am meisten davon überrascht ist, wenn mich so viele Leute auf der Straße positiv darauf ansprechen. Was mich sehr freut, ist, dass ich in Wien auch auf viele junge Leute aus der Türkei oder dem Iran treffe, die sagen: "Ich bin im zehnten Bezirk aufgewachsen und bin auch Österreicher." Die verstehen vollkommen, was ich sagen will, Heimat ist einfach eine Gefühlssache.

daStandard: Wie sieht die afrikanische Community in Wien Ihren Erfolg?

Mugiraneza: Das sind wahrscheinlich meine größten Anhänger. Vor drei Wochen durfte ich den afrikanischen Ball eröffnen, das war für mich eine Riesenehre. Meine Eltern sind ja immer extra aus Oberösterreich zum afrikanischen Ball nach Wien gefahren. Dort aufzutreten war auch eine Art Heimatgefühl für mich.

daStandard: Wie stehen Ihre Eltern zum "Ösi-Bua"-Song und zu Ihrem neuen Bekanntheitsgrad?

Mugiraneza: Also meine Mutter ist der größte "Ösi-Bua"-Nerd. Mein Vater war ja Politiker in Burundi, er sieht das alles ein bisserl politischer. Ich sehe das nicht so politisch, muss ich ehrlich sagen, ich mache die Musik ja auch aus Spaß.

daStandard: Sie haben vorher gesagt, Sie sind stolz, Österreicher zu sein. Wie schaut es mit den afrikanischen Wurzeln Ihrer Eltern aus?

Mugiraneza: Ich bin im Sommer sehr viel in Burundi und bin auch mit meinem Heimatland verbunden. Das sieht man ja auch an meinen Haaren, dass ich nie vergessen werde, woher ich herkomme. Meine Eltern haben schon immer gesagt, wehe, du vergisst, wo du herkommst, die haben mich deswegen auch ein bisserl streng religiös und wurzelbezogen aufgezogen. Ich kann mir auch vorstellen, später einmal Musik auf Swahili oder Kirundi zu machen.

daStandard: Die letzte Frage ist etwas schwierig, zumindest tue ich mir immer schwer mit einer klaren Antwort, wenn man mich danach fragt, wie sehr ich mich als Österreicherin fühle und wie sehr ich an der Heimat meiner Eltern hänge. Ich frage trotzdem: Wie sehr fühlen Sie sich als Österreicher und wie sehr als Afrikaner?

Mugiraneza: Ich fühle mich sowohl in Burundi als auch in Österreich wohl, aber ich bin in Österreich aufgewachsen, habe meine Jugend hier verbracht und fühle mich mehr mit Österreich verbunden. Aber sobald es hier kalt wird und der Leberkas einmal nicht schmeckt, vermisse ich Afrika genauso. Und sobald es mir in Burundi zu warm wird, bin ich wieder gerne in Österreich. So gesehen fühle ich mich eigentlich mehr als Österreicher denn als Afrikaner, aber ich werde meine Wurzeln nie vergessen und werde sie auch immer repräsentieren, weil sie auch ein Teil von mir sind und mich zu dem gemacht haben, was ich jetzt bin. (Alkan Güler, daStandard.at, 18.4.2012)


  • Cedrick Mugiraneza aka Ösi-Bua: "Ich werde meine Wurzeln nie vergessen und werde sie auch immer repräsentieren, weil sie auch ein Teil von mir sind und mich zu dem gemacht haben, was ich jetzt bin."
    foto: michael breyer

    Cedrick Mugiraneza aka Ösi-Bua: "Ich werde meine Wurzeln nie vergessen und werde sie auch immer repräsentieren, weil sie auch ein Teil von mir sind und mich zu dem gemacht haben, was ich jetzt bin."

  • Seine Mutter ist der größte Ösi-Bua-Nerd. Die afrikanische Community in Österreich ist ebenfalls begeistert.
    foto: michael breyer

    Seine Mutter ist der größte Ösi-Bua-Nerd. Die afrikanische Community in Österreich ist ebenfalls begeistert.

Share if you care.