Kleine Kabelkunde

18. April 2012, 16:45
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Das Elektromobil wächst aus den Kinderschuhen heraus, legt aber die Kinderkrankheiten noch nicht ab. Im Test: Nissan Leaf und Renault Fluence Z.E.

Es ist schon erstaunlich: Der Renault Fluence Z.E. ist keine kleine Öko-Kiste, wo hinten und vorn an Auto und Gewicht gespart wird, sondern eine ausgewachsene Limousine - die ausschließlich mit Strom fährt, also: Zero Emission. Die Frage lautet aber: Wie weit? Auf dem Papier stehen 185 mögliche Kilometer.

Dem trauen wir gar nicht und machen die Probe aufs Exempel. Wir rasen zwar nicht, sind aber auch nicht sonderlich sparsam. Vergnügter Stadtverkehr, in die Arbeit, dann wieder nach Hause, alles in kontrolliertem Umfang, dann aber kommt ein unvorhergesehener Umweg der Planung in die Quere, kurz raus aus der Stadt, das muss sich mit der Reichweite noch ausgehen, dann wird es finster, es regnet, es wird kalt. Zum unvorsichtigem und nicht vorausschauendem Fahren kommt also hinzu: Musik sowieso. Klimaanlage. Licht. Scheibenwischer. Und dann Stau in der Stadt, Stopp and Go, Hupen inklusive. Der Reichweitenanzeige kann man zuschauen. Sie bewegt sich. Sie fällt. Rapide. Und zu Hause keine Steckdose verfügbar, an der man den Wagen anhängen könnte. Außer man lässt an der Hausmauer das Kabel herunter.

Nissan Leav 

Renault Fluence Z.E.

Am nächsten Tag geht es also um Meter. Und ums Stromsparen. Geht sich das noch bis in die Arbeit zur rettenden Steckdose aus? Licht aus. Radio aus. Heizung aus. Von Navi gar nicht zu reden. Kein Scheibenwischer. Nicht einmal blinken. Und ein bisschen den eigenen Popsch lüpfen, um dem Wagen eine Gewichtsersparnis zu imaginieren. Ganz langsam fahren. Eher rollen.

Es geht sich aus, der Wagen hängt an der Steckdose.

Um das klarzustellen: Wenn eine Reichweite von 180 Kilometer angegeben wird, heißt das in der Praxis: Im ganz normalen Alltag ohne Rücksichtnahme auf die Batterie werden es 80 Kilometer sein. Das ist ernüchternd. Und ist die Batterie wirklich einmal leer, reichen die versprochenen acht Stunden an der normalen Steckdose nicht, um sie wieder vollzukriegen. Da muss man schon noch ein paar Stunden am Netz drauflegen.

Gleiches gilt für den Nissan Leaf, ein vollwertiges Auto wie der Renault, super ausgestattet, von Puritanismus keine Spur. Platz für fünf Leute, jeder Komfort. Und auf dem Papier eine Reichweite von 175 Kilometer. Allerdings auch wiederum nur im Spargang.

Klimaanlage ein: zehn Prozent Reichweite weniger.

Was der Leaf besser kann als der Fluence: Er ist flotter und spritziger, beschleunigt schneller. Das Drehmoment ist toll, bis 50 km/h hängt man jedes andere Auto ab. Allerdings auf Kosten der Reichweite. Will man die auskosten, bleibt nur der Eco-Mode. Dann hat man die Beschleunigung einer angebundenen Knackwurst. (Michael Völker, DER STANDARD, 13.4.2012)

  • Der Nissan wird von vorn aufgeladen, ...
    foto: christian fischer

    Der Nissan wird von vorn aufgeladen, ...

  • ... der Renault hat seine Steckdose an der Flanke.
    foto: christian fischer

    ... der Renault hat seine Steckdose an der Flanke.

  • Der Ladevorgang an der normalen Steckdose dauert etwa acht Stunden, bei 
leerer Batterie eher etwas mehr.



(Bild: Nissan)
    foto: christian fischer

    Der Ladevorgang an der normalen Steckdose dauert etwa acht Stunden, bei leerer Batterie eher etwas mehr.

    (Bild: Nissan)

  • Die Reichweite hängt von den Umständen 
ab, etwa ob geheizt wird oder nicht.



(Bild: Renault)
    foto: christian fischer

    Die Reichweite hängt von den Umständen ab, etwa ob geheizt wird oder nicht.

    (Bild: Renault)

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