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Hamburg - Literaturnobelpreisträger Günter Grass wird in einem Hamburger Krankenhaus behandelt, ist aber wohlauf. "Er muss nicht im Bett liegen, arbeitet und genießt die Alsteraussicht von seinem Zimmer", teilte der behandelnde Arzt in der Asklepios-Klinik, Karl-Heinz Kuck, am Dienstag mit. "Herr Grass ist lange geplant zu einer Untersuchung und gegebenenfalls zu einer Behandlung im Haus", heißt es in der Mitteilung. Kuck rechnet damit, dass Grass spätestens Ende dieser Woche entlassen werden kann.
Der Schriftsteller war am Montagabend nach Angaben seiner Sprecherin von seiner Ehefrau zu der Untersuchung gefahren worden. "Wir nehmen an, dass er in den nächsten Tagen wieder zu Hause sein wird." Nähere Angaben zur Art der Untersuchung machte die Sprecherin nicht. Die "Bild"-Zeitung hatte unter Berufung auf einen Kliniksprecher berichtet, Grass sei mit Herzproblemen in ein Krankenhaus gebracht worden.
Auf labilen Gesundheitszustand hingewiesen
Der 84-Jährige hatte vor zwei Wochen mit einem umstrittenen Israel-Gedicht international Empörung ausgelöst. Der Literaturnobelpreisträger hatte in seinem Poem "Was gesagt werden muss" geschrieben, dass die Atommacht Israel den Weltfrieden bedrohe und das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen könne. Israel verhängte ein Einreiseverbot gegen ihn. Der Verfasser der "Blechtrommel" hatte die Debatte über seine Israel-Kritik mit einer neuen verbalen Spitze weiter angeheizt: Er bezeichnete das gegen ihn verhängte Einreiseverbot Israels als "Zwangsmaßnahme", die an DDR-Methoden erinnere. Das werde aber seine Erinnerungen an frühere Aufenthalte in Israel nicht auslöschen können, meinte Grass. "Immer noch sehe ich mich dem Land Israel unkündbar verbunden."
Mitarbeiter von Grass hatten bei Presseanfragen immer wieder auf seinen labilen Gesundheitszustand hingewiesen. (APA, 17.4.2012)
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Günter Grass hat sich mit seinem Gedicht verspätet und verhoben. Das sollte kein Grund sein, ihn aus einem Dialog - und aus einem Israel-Besuch - auszusperren. Ein Plädoyer gegen gesprächsunfähige Regierungen.
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Bevor Sie Herrn Grass für seine Mitgliedschaft bei der Waffen-SS in Grund und Boden verurteilen, müssen Sie wissen, dass am Ende des Krieges zur SS eingezogen wurde.
Fragen Sie Herrn Robert Schindel, ob er Grass für einen Nazi hält!
Möglicherweise war es ernster gemeint als von den meisten Lesern wahrgenommen, dass Grass seine Stellungnahme (Gedicht) "mit seiner letzten Tinte" geschrieben hat.
Das Wissen darum, dass man mit solchen kritischen Äusserungen zur israelischen Regierung zum Paria gestempelt wird, hat ihn offenbar bis jetzt zuwarten lassen. (Wie man mittlerweile weiß : zu Recht).
Vielleicht könnte man es jetzt ernst nehmen, dass es ihm tatsächlich darum gegangen ist, vor einer ernsthaften Bedrohung des Weltfriedens zu warnen.
Vielleicht könnte man jetzt beginnen, über den Inhalt seines Schreibens nachzudenken und zu reden.
...für Hrn. Grass, v.a. wenns tatsächlich was ernsteres sein sollte - warum aber sein Gedicht deshalb weniger politisch dumm und die dahinterstehende Gesinnung weniger dubios sein sollte als noch letzte Woche, leuchtet mir allerdings beim besten Willen nicht ein.
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