Die "Notwehr-These" der Rechtsextremen

Leserkommentar | 17. April 2012, 09:59

Breivik sah sich bedroht und hat sich gewehrt. Die bloße Existenz von Menschen, die nicht in das Schema der Rechtsextremen passen, ist für sie eine Bedrohung

Es ist eine verständliche erste Reaktion. Leute, die andere aus rassistischen und rechtsextremen Gründen umbringen, müssen ganz einfach irgendwie "krank" sein. Die Tat übersteigt nämlich das menschlich Vorstellbare. Es handelt sich also um ein "Monster" aus der "Hölle".

Innerhalb seiner Ideologie rational gehandelt

Breivik hat 77 Menschen umgebracht. Er hat das nicht im Affekt getan. Er hat das nicht im Blutrausch getan, weil sich irgendein "Irre"-Schalter umgelegt hat. Er hat auf 1516 Seiten dargelegt, warum er es getan hat. Er hat in seiner Ideologie rational gehandelt. Der Kern rechtsextremer Vorstellungen sind radikale Ungleichheiten und damit verbundene Ungleichwertigkeiten von Menschen. Das machen sie an konstruierten "Rassen", Geschlechtern, Sexualitäten, Nationen und noch vielen, vielen weiteren Kategorien fest.

In dieser Ordnung sind Rechtsextreme selbst die Elite. Dies begründen sie biologisch, völkisch, teleologisch, kulturell, religiös, esoterisch oder wie auch immer.

Hier gilt es anzusetzen. Es bringt überhaupt nichts, hysterisch Rechtsextreme zu entmenschlichen und aus ihnen Monster zu machen, die bar jeden Kontext gehandelt haben. Dieses Denken steht in einer speziellen Tradition und gerade Breivik stöpselte sich aus vielen verschiedenen, rechtsextremen Konstruktionen sein Weltbild zusammen.

Bedrohung und Untergang

Die ständige Bedrohung von außen und innen ist ein altes, rechtsextremes Motiv. Es rechtfertigt jedwede Handlung, diese abzuwenden. Dazu bedarf es einer Konzentration von Macht, Tat und Entscheidung auf einige wenige oder gar nur eine Person (einen Mann). Dazu bedarf es Strukturen, die eine Diskussion und Partizipation nicht mehr zulassen, sondern jedes Handeln rechtfertigen. Es bedarf also eines Ausnahmezustands. Carl Schmitts berühmtes Credo vom Souverän, der sich allein dadurch konstituiert, dass er über den Ausnahmezustand (und wann dieser beendet ist!) entscheidet, ist nach wie vor fest im rechtsextremen Gedankenbild verwurzelt. Es braucht keine demokratische Kontrolle oder gar Legitimation.

Breiviks Notwehr-These setzt hier an. Er sah sich bedroht und hat sich gewehrt. Denn die bloße Existenz von Menschen, die nicht in ihr Schema passen, ist für Rechtsextreme eine Bedrohung. Juden und Jüdinnen, MigrantInnen, Lesben, Schwule, Linke, FeministInnen - alle werden als Bedrohung gewertet, weil sie in rechtsextremer Sicht als minderwertig gelten. Ein Staat, der allen Menschen gleiche Rechte (mitunter sogar gleiche Partizipation) gewehrt, wird also automatisch zur Bedrohung und geht dem Untergang (ein weiteres beliebtes, rechtsextremes Motiv) entgegen.

Rechtsextreme Diskurse

An diesem Bedrohungsszenario knüpfen rechtsextreme Parteien in ganz Europa an. Der Diskurs ist nicht neu und wurde mit erschreckenden Parallelen vor allem in der Weimarer Republik in der damaligen Weltwirtschaftskrise ähnlich geführt. Alarmistisch und mit gehörigem Pathos schwingen sich rechtsextreme Parteien in ganz Europa heute zur Rettung des "europäischen Abendlandes" auf und hetzen gegen MigrantInnen, Linke, Roma und Sinti, Juden und Jüdinnen und andere unliebsame Gruppen. Nur in solch einem Diskursumfeld können Leute wie Anders Breivik oder auch die NSU so selbstbewusst werden. Sie sehen sich bestätigt und ziehen die für ihre Ideologie logischen Schlüsse. Das heißt nicht, dass alle Leute, die diese Diskurse führen, solche Massaker planen oder noch überhaupt gut heißen. Es gehört aber ein gehöriges Maß an Naivität und Dummheit dazu, die Zusammenhänge nicht zu sehen. Für viele Rechtsextreme dürften Taten wie die von Breivik oder der NSU akzeptierte Kollateralschäden sein. "Endlich einer, der sich auch traut".

Rechtsextremismus als Medienereignis

Die eiserne Fernseh-Regel "Immer läuft irgendwo eine Nazi-Doku" gilt bis heute. Dabei geht es nicht um Information oder gar Aufarbeitung, sondern um Quoten und Sensationsgier. Die Faszination in der Präsentation des absolut Bösen. Das Monster im Käfig der Fernsehgeräte, bei dem einem der kalte Schauer runter rinnt und auf das sich gut deuten lässt.

Dabei bleibt man aber in der Logik der Rechtsextremen verhaftet. Schließlich geht man deren eigenen Inszenierungen auf den Leim: Der kalte, tatkräftige Übermensch. Genau das macht Breivik auch. Es scheint, als wäre er plötzlich als böser Racheengel vom Himmel gefallen (oder aus der Hölle aufgestiegen). Solche Darstellungen bedienen die eigene Übermenschen-Sicht Breiviks, tragen aber nichts zur Klärung bei, sondern verschleiern die Hintergründe und die Ideologie des Täters.

Verhinderung von rechtsextremer Gewalt

Breivik ist ein Mensch. Er hat eine rechtsextreme Einstellung, nach der er gehandelt hat. Diese gilt es ernst zu nehmen.

Die Verhinderung von rechtsextremer Gewalt liegt nicht in Betroffenheitsbekundungen und dem Reden vom irren Einzeltäter. Sie liegt in der unbedingten Solidarität mit den Betroffenen von physischer aber auch verbaler Gewalt. Sie liegt aber vor allem im Verstehen von rechtsextremen und antidemokratischen Diskursen und Mechanismen. Alle, die diese mitprägen und -führen, machen sich mitschuldig. Auch das zeigt uns der (vielbemühte) Vergleich mit der Weimarer Republik. (Leserkommentar, Natascha Strobl, derStandard.at, 17.4.2012)

Autorin

Natascha Strobl ist Polikwissenschaftlerin und Skandinavistin und ist bei "Offensive gegen Rechts" aktiv.

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Mitgefühl ? Warum sollte er es haben ? Er hat, nach seiner Weltsicht, gerichtet.

Um richten zu können, muss, wie im Artikel richtig ausgeführt, der zu Richtende minderwertig sein und ihm das Lebensrecht abgesprochen sein.
Ich kenne z.B. nur ganz wenige Leute die mit Stechmücken Mitleid haben und ähnlich wie diese sieht das Breivik nur eben mit Menschen.
Also gibt es kein Mitgefühl. Denn das würde bedeuten, dass er sich mit den Angegriffenen solidarisieren könnte und sei es auch nur das berühmte "was du nicht willst dass man dir tu ..."
Letzteres fehlt bei ihm, was man an seiner Verantwortung, in der er sich als Märtyrer darstellt, erkennt. Umsomehr als er den anonymen Multikultistaat als Feind darstellt. Da fällt es leicht dessen Vertreter zu bekämpfen, was auch der schwarze Block bzw. RAF machten und tun.

Stechmücken kann man aber auch nicht Angst oder Leid ansehen. Sowas kann man glaub ich nicht einfach wegdenken.

Danke.

Mitgehfühl endet bei jedem Menschen. Weil er halt Jugendliche auf einem Sommercamp getötet hat, ist es ganz schlimm, weil die allermeisten Menschen ganz leicht Migefühl für diese Menschengruppe haben kann.

Wenn in Afriga jemand ein Flüchtlinglager stürmt und 150 Menschen umbringt, haben die Wenigsten hier Mitleid, es ist nur eine von vielen Nachrichten, und ob der Täter krank, politisch motiviert oder ein Soldat in Ausführung seines Auftrags war, interessiert keinen.

Und Schnitzel, Fischstäbchen, Frankfurter schmecken den meisten Leuten auch, die gleichzeitig in Tränen ausbrechen und halb traumatisiert sind, wenn ihr Haustier eingeschläfert werden muss.

Was Mitgefühl betrifft, sind keine großen Unterschiede da.

"Vielleicht wollte er zuerst morden, und seine Ideologie als eine vermeintlich rationale Begründung ist dann erst dazu gekommen." Man muss aber dazu sagen, dass die Anfälligkeit für Ideologien, welche auch immer, natürlich IMMER mit bestimmten

emotionalen Dispositionen verbunden sind, die vorher schon da waren.
Mehr noch: die jüngere Psychologie hat herausgefunden, dass wir alle, auch alle psychisch gesunden Menschen, viel mehr emotional gesteuert sind, als uns das bewusst ist, und wir uns die "rationalen Begründungen" für unser Handeln meist sozusagen nur nachreichen.

Das fehlende Mitgefühl ist zwar ein Punkt, das könnte auf eine schwere Soziopathie weisen (das ist natürlich eine unzulässige laienhafte und meiner Halbbildung entsprungene Ferndiagnose)

Ich muss hier allerdings noch mal wiederholen, was ich schon beim Mörder vom Toulouse sagte: wieso hat dann derjenige, der die erste A-Bombe über Japan abgeworfen hat, nicht den Stempel des "Irren" bekommen??

das ist, wenn ich es richtig verstanden habe

aber echte "Küchenpsychologie", es ist entweder die These vom "triebgesteuerten Mörder" oder vom sog. "Soziopathen", wobei letzter Begriff überhaupt nichts ausssagt, den kannst du auf alle Multimilliardäre auch anwenden,
interressant finde ich nur (im Sinne des Textes von Frau Strobl), dass diesen Begriff die Nazis verwendet haben, um die Internierung in einem KZ zu begründen.
Ich hoffe fast, es war zynisch gemeint.

Ein sehr intelligenter Artikel!

Danke! Und von den N.zis hier im Forum auch nicht gleich die Stimmung trüben lassen.

Sehr interessant

Jemanden zum Monster zu machen, erspart es uns, uns wirklich mit seinem Wahnsinn auseinanderzusetzen.

Danke!

Gut geschrieben, aber was heisst das in der Praxis?

"Die Verhinderung von rechtsextremer Gewalt liegt ... aber vor allem im Verstehen von rechtsextremen und antidemokratischen Diskursen und Mechanismen. Alle, die diese mitprägen und -führen, machen sich mitschuldig" - sollen wir "rechtsextreme und antidemokratische Diskurse" jetzt verstehen, oder sollen wir sie verurteilen? Was hieße verurteilen? Das tut ein (zu kleiner) Teil der Bevölkerung ohnehin, ohne das Überlaufen weiter Teile der Bevölkerung zu verhindern. Was hieße verstehen? Verstehen, dass diese Teile der Bevölkerung verunsichert durch die seit 20 Jahren verstärkte Konfrontation mit anderen Kulturkreisen, aber auch die Entgrenzungsmechanismen von Globalisierung und EU sind und sich in nationalistische Phantasien flüchten?

Verunsichert , ja, verunsichert und mehr!

".........verunsichert durch die seit 20 Jahren verstärkte Konfrontation mit anderen Kulturkreisen........"

Können Sie diese "Verunsicherung" nicht verstehen?
Wenn´s nur ein anderer "Kulturkreis" wäre .....

Ich z.B. fühle die Lebensumwelt meiner Nachfahren sehr wohl von einem "Kulturkreis" bedroht, dessen wesentliche Kräfte (darüber wäre zu streiten!) sie (meine Nachfahren) in vergangene Jahrhunderte zurückbefördern wollen.
Theokratie und Aristokratie hatten wir. Es reicht!

Naja.

Verurteilen ohne zu verstehen, das können etwa die Rechten selber ganz gut. Dann Ist man halt mal fest dagegen ohne das, wogegen man ist, verstanden zu haben - es ist "Anders" und das reicht.

Verständnis als grundlage der Verurteilung ist insofern anders, weil es eine andere Grundlage im Diskurs bietet. Verstehst du in einer Diskussion die Motivation, die Angst des Gegenübers, dessen Einstellung du verurteilst, sprichst du sicher anders mit ihm, bringst für ihn nachvollziehbarere Argumente, als wenn du ihn ohne Verständnis verurteilst.

Das ist m.E auch der wesentliche Vorteil von "Nicht - Rechten", dass sie eben ohne Angst sich aufzulösen auch durchaus mit "dem Anderen" näher befassen können.

sehr verständnisvoll was die "Rechten" betrifft, kommst du mir aber auch nicht vor.
Du schreibst zwar einiges von "Rechten", aber von Menschen seh ich da fast gar nichts.

Das kannst du unabhängig vom Anlass für alle Extreme gelten lassen.

Innerhalb seiner Ideologie rational gehandelt.

Schmarrn. Nicht rational, sondern extrem feige.

Was ist daran "rational", wenn man aus einem "Gefühl der Bedrohtheit durch das Fremde" ungeschützte Menschen der eigenen Bevölkerung durch eine Bombe umbringt und dann wehrlose Jugendliche wie bei der Hasenjagd abknallt.

Ohne das geringste Risiko für sich selbst und dann noch geschützt durch ein humanes Rechtssystem ! (das ich NICHT in Frage stellen will - es geht mir NUR um die erbärmliche Feigheit des Täters)

Rational nachvollziehbar wäre es, wenn er sich als Söldner anwerben läßt und irgendwo gegen seine "Feinde" tatsächlich in den Krieg zieht - und dabei auch ein persönliches Risiko eingeht (Verletzung, Tod, Gefangenschaft, Folter).

eigentlich sehr rational - mit dem geringsten risiko fuyer ihn verbunden. und mit der groesstmoeglichen publicity fuer seine ideen und ziele. waere er auch bewaffnete 'gegner' losgegangen und erschossen worden, haette es kurz geheissen 'ein wahnsinniger' - und er waere bald vergessen worden...

also durchaus rational und wirkungsvoll aus seiner sicht. leider!

Sie haben ...

... den Sinn von "Innerhalb seiner Ideologie" nicht verstanden oder vergessen zu lesen oder beim Lesen ausgeblendet.

Liebe Grüße

wieso sollte es rationaler sein ein persönliches Risiko einzugehen?

wieso sollte es rationaler sein ein persönliches Risiko einzugehen ?

"Rationaler" wäre es, die zu bekämpfen, die man fürchtet - und nicht auf unbewaffnete und hilflose Jugendliche zu ballern.

Aber dafür hätte dieser Feigling ein Risiko eingehen müssen.

(Was auf keinen Fall heißt, dass ich bewaffneten Kampf befürworte - ich meine nur die Logik der "Rationalität".)

Aus meiner Sicht : da hat nicht jemand aus irgendeiner Ideologie "rational" gehandelt - sondern sich aus einer Ideologie eine Rechtfertigung zusammengebastelt, auf feigste Art auch einmal ein bisschen Macht ausüben zu können und auch einmal "Gott" spielen zu dürfen.

Zur inneren Logik:

Ich nehme an, Breivik hat nichts gegen Ausländer im Ausland - also deren Heimat. Warum also sollte er als bezahlter Soldat in ein solches Land gehen und durchs herumschießen einen Grund herstellen, warum die leute dort dann in sein Heimatland flüchten und in der Nachbarschaft leben?

Gemäß dieser inneren Logik muss er also gegen jene sein, die es ermöglichen, erlauben, vielleicht sogar gut finden, ausgerechnet jene Menschen in seine Nachbarschaft zum Leben einzuladen, vor denen er sich fürchtet. Jeden Ausländer abzuknallen wäre eine Möglichkeit, aber die kommen nach, also muss er dort ansetzen, wo es weh tut: Der Brut jener, die die Immigration ermöglichen.

Verstanden?

nein - es ist rational, mit dem geringsten persoenlichen risiko die groesstmoegliche wirkung zu erzielen. und das ist ihm bisher leider gelungen...

Naja, wenn man sich als heldenhafter Verteidiger seiner Heimat fühlen will ... dann passt es, rein vernünftig überlegt, eigentlich nicht unbedingt dazu, einfach irgendwelche vollkommen wehrlosen Menschen umzubringen.

Auf der anderen Seite hat Breivik diese Widersprüchlichkeit durchaus mit den Nazis gemein - auf der einen Seite Heldenideologie, auf der anderen Seite als organisierter Mob alte Juden, deren Frauen und Kinder auf der Straße zusammenprügeln.

Und irgendwo passt es dann doch wieder zusammen: schließlich hat eine solche Herrenideologie gerade in den Schwachen und Gebrechlichen ihr Feindbild, gerade diese lösen den Zorn des Faschisten aus.

es waren nicht irgendwelche Menschen. Es war der politische Nachwuchs - die hätten dann als Erwachsene die Politik gemacht, die er hasst.
Und da sie wehrlos waren, war auch das Risiko für ihn gering. Also aus seiner Sicht durchaus nicht unvernünftig, wie ich finde.

Frau Strobl hat da leider Recht.

Himmler, Heydrich, Eichmann, usw. haben auch sehr rational gehandelt. Sonst wären deren monströsen Verbrechen gar nicht möglich gewesen.

Ebenso Napoleon, die roten Khmer, Giulio Antonio Santorio, Cäsar, Dserschinski, Mohammed, Dschingis Khan, usw.

Das Problem ist halt immer nur der Absolutheitsanspruch der das Weltbild dieser Leute prägte. Wenn man ganz genau weiß, was gut und böse ist, dann MUSS man das Böse vernichten, um das Gute zu schützen.

Im Endergebnis sind mir politische Wirrköpfe lieber. Mit denen kann man noch ein wenig diskutieren. Bei den Religiösen, da hat es GOTT DER HERR gesagt und dagegen gibt's keine Argumentation mehr.

Vor allem sind, das weiß man in der heutigen Psychologie, Rationalität und Wahnsinn auch gar keine Widersprüche. Wahnbilder sind in sich oft sehr logisch und rational durchkomponiert. Berühmtestes Beispiel: der oft analysierte Wahn Daniel Paul Schrebers.

"Wahnsinn" hat ganz im Gegenteil oft etwas mit einer Abkoppelung von den eigenen Emotionen zu tun, nicht mit einem Mangel an "Vernunft", sondern mit einer fehlenden Balance zwischen Vernunft und Emotionen. Darum gibt es ja heutzutage den Begriff der "Emotionalen Intelligenz". Die schließt eben auch Mitgefühl und damit Tötungshemmung ein.

Das ist in der Tat ein Haken. Sie haben recht, an diesem Punkt geht die Argumentation der Gastkommentatorin ins Leere. Auch mir ist nach wie vor unverständlich, wie denn die rechtsextreme Ideenwelt des Täters vernünftig mit ausgerechnet dieser Tat zusammenhängen soll.
Das unterscheidet Breivik auch vom Attentäter von Toulouse. Dieser hat jüdische Kinder umgebracht, ein klares, politisches Feindbild. So furchtbar und grausam diese Tat ist, sie hätte, hätte der Mann überlebt, wohl auch weniger Debatten darüber ausgelöst, ob er geistig gesund ist oder nicht, als dies nun bei Breivik der Fall ist.

Das Feindbild des Toulouser Attentäters waren Juden,

das von Breivik Linke. Er hat ja nicht zufällig das Sommercamp der Jugendorganisation der Arbeiterpartei gestürmt. Er wollte den linken Nachwuchs ermorden.

Deshalb stimme ich dem "Rationalitäts"-Argument der Autorin zu: Er hat von den Tausend Feinden, von denen er sich umgeben sieht, eine Gruppe ausgewählt, die

a) die Zukunft "des Feindes" darstellt, also besonders gefährlich ist (=inhaltliche Logik)

und

b) gerade isoliert auf einer Insel war, von der man viel schwieriger fliehen kann als z.B. aus einem Gebäude in einer Großstadt (=taktische Logik).

Schockierend u unfassbar, aber trotzdem innerhalb seines Wahnsinns "logisch".
Das dürfen wir nicht vergessen, wenn Rechte in Österreich zig gesellschaftliche Gruppen zu "Feinden" erklären.

PLUS er hat sich 'ziele' ausgesucht, bei denen er seine tat hoechstwahrscheinlich ueberlebt und dann bei dem folgenden gerichtsverfahren (wie jetzt gerade geschieht) noch einmal seine ansichten darlegen und 'veroeffentlichen' kann (propagandistische logik)...

O.k., Sie haben recht. Auch wenn sich in mir immer noch etwas dagegen wehrt, diese "Logik" nachvollziehen zu können, Sie haben recht, innerhalb einer solchen Axiomatik wird sie verständlich.

es ist schon, wenn man sich diese Überlegung überhaupt erlauben darf, verwunderlich, dass der Täter zuerst ein Regierungsviertel bombardiert, dann damit nicht genug hat, und Jugendliche abknallen geht. Diese "Logik" verstehe ich auch nicht.

interessanter Kommentar

Danke für den Kommentar, er trifft einen wesentlichen Aspekt. Danke auch, dass Sie "immer läuft irgendwo eine Nazi-Doku" erwähnen.

Wir sollten weniger auf Gut&Böse Schubladisierungen sondern mehr auf Wissen, Standpunkte und eigenständiges Denken bauen.

Mit der Stilisierung zum durchgeknallten Monster täuschen wir uns am Ende alle selbst. Es ist ja nicht so, dass Breivik von einem Dämonen besessen ist.

Es ist leider im öffentlichen Diskurs generell ein Reflex, Personen, die abscheuliche Taten vollbracht haben - ob es sich nun um Amokläufer, Serienmörder oder Typen wie Hitler handelt - automatisch mit dem Stempel des "Monsters" oder des "absolut Bösen" oder "Irren" zu belegen, anstatt nach Erklärungen zu suchen, nach Ursachen, Zusammenhängen, Gründen zu fragen. Teilweise kommt diese Haltung vom sowieso immer denkfaulen Boulevard, teilweise aber auch wittert man vielleicht hinter jeder "Erklärung" schon eine Art "Rechtfertigung" und Komplizenschaft mit dem Täter. Tatsache ist aber: Diese Täter, anstatt sie begreifen zu wollen, einfach nur als "Monster" und "Irre" abzustempeln, ist Teil der Anti-Aufklärung in unserer Gesellschaft.

phantasien vom 'übermensch' zählen aber irgendwie in die kategorie 'irr' für mich.
um dann dazu auch noch so ein gewaltverbrechen zu verüben brauchts sicher auch die eine oder andere, psychologen vermutlich namentlich bekannte, schwachstelle im hirn.

Der Glaube, selber mehr wert zu sein als Andere ist in jedem verankert, und ob man glaubt oder nicht, man lebt das auch - es selber wissen, sagen, vor sich her tragen, tut keiner.

Am ehesten vermute ich hier allerdings einen Soziopathen. Und sofern man diesen als "krank" bezeichnet, muss man rund 70% der gehobenen Führungsetagen in Konzernen ebenso als "krank" erklären, da dies ebenso erwiesenermaßen Sozipathen sind. Der Grund, warum die keine Menschen abknallen (zumindest nicht auf die Art) ist, weil man sie mit Macht und Geld füttert. Natürlich, wenn durch ihre Profitgier 5000 Menschen sterben, ist denen das so egal wie Breivik die Jugendlichen. Es zählt nur, ob erreicht wurde, was geplant war. Breivik hat das erreicht. Manager auch.

Ob er jetzt im klinischen Sinne psychisch krank ist oder nicht, war für mich aber nicht der springende Punkt, weder am Kommentar von Frau Strobl, noch bei meiner Replik. Psychologische Diagnosen sind, nebenbei für mich, auch immer nur historisch bedingte, gesellschaftliche Konstrukte um bestimmte Phänomene abweichenden Verhaltens.

Der springende Punkt bei Strobl sind doch diejenigen sensationsgeilen und empörten "Irre" und "Monster"-Stempel, die jedes weitergehende Verstehen von vornherein blockieren. Und da stimme ich ihr jedenfalls zu.

what is behind that curtain

statt eines grünen Stricherls

Strobl kärt auf,
finde ich auch

bin begeistert! treffend analysiert.

Nur ein Teil-JA

Verbrechen sind immer zu ahnden und zu verfolgen. Unabhänig von den Ideen, die dahinter stehen. Brevik soll einfach als Massenmörder angeklagt werden.
Ich finde den Ansatz Helmut Schmidts, aus der RAF-Zeit immer noch gültig. Er hat den politischen Mördern keinen politischen Status zugestanden sondern sie einfach als Mörder behandelt.
Die Unterdrückung der Ängste und Sorgen von Menschen durch Diskussionsverbote ist ein falscher Weg. Denn importiere Kriminalität ist in einigen Regionen dieses Landes real und hat mit Übermenschenmentalität nichts zu tun sondern nur mit dem Wunsch nach Schutz von Leib und Leben.

PS: Beim Satz der Legitimation über den Ausnahmezustand dachte ich unwillkürlich an Brüssel, Barroso und Merkozy.

Mal ein intelligenter Kommentar im Standard Bravo!

intelligent? oder doch nur relatvierend?

wehren sich unser neuen hebräer nicht auch nur?

hat der hc nicht gesagt, "Wir sind die neuen Juden"?

jude=hebräer=nach defination des hr. strache

http://www.kleinezeitung.at/nachricht... ache.story

http://www.freistatt.at/wordpress... c-strache/

Wir Staatskünstler - HC Rap - "Juden von Heut"
http://youtu.be/uL5tjkCZpMo

http://derstandard.at/132650404... euen-Juden

wen meinen sie?

die ballbesucher von der fpö

? Wer sind "unsere neuen Hebräer", wogegen

wehren sie sich und wie passt das zum Artikel?
Bitte um Aufklärung.

Vielen Dank

ich würde sogar so weit gehen und Verhinderung sämtlicher gewalt fordern! nur, wie ist das möglich? vielleicht wäre das Prinzip der Aufklärung hilfreich, möglicherweise wäre der Menschheit geholfen weltweit massiv in Bildung zu investieren, dann würde sich einiges in Richtung Humanismus tun…die Forderung muss weiter radikalisiert werden, und ein ende von religion, ethnien, Staaten, Völkern, letztlich artifiziellen und arbiträren unterschieden zwischen menschen verbalisiert werden!

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