Hohe Wogen von kühlem Pathos

Daniel Ender, 16. April 2012, 17:45

Nobler, feuriger "Rosenkavalier" an der Staatsoper

Wien - Sichtlich bewegt trat Kurt Rydl vor Vorstellungsbeginn vor den Vorhang, um an Kammersängerin Margarita Lilowa sowie Kammersänger Heinz Holecek zu erinnern - und ihnen im Namen des Ensembles die folgende Aufführung von Richard Strauss' Rosenkavalier zu widmen.

Draußen vor der Staatsoper kündete am Sonntagabend noch die schwarze Flagge von den beiden Todesfällen vom vergangenen Freitag, während drinnen die Komödie ihren Lauf nahm - zunächst atmosphärisch noch ein klein wenig gebremst durch die Verlautbarung des Hausherrn Dominique Meyer, der Dirigent des Abends fühle sich nicht wohl.

Davon war dann freilich kaum etwas zu verspüren, sobald sich das Orchester ganz warmgespielt hatte: Jeffrey Tate setzte die funkelnde Partitur straff und feurig in Szene, sorgte dafür, dass die Steigerungswellen hohe Wogen formten, aber ebenso dafür, dass sie sich nicht überschlugen. Denn das Strauss'sche Pathos wusste er klug zu dosieren und, gleichsam objektiviert, abgekühlt zu servieren. Durch das spielfreudige und klangvolle Orchester war es zwar nicht immer ganz leicht für die Sänger/-innen, sich gegenüber dem Instrumentalklang durchzusetzen, doch die Gefahr, zugedeckt zu werden, bestand für niemanden je ernstlich.

Glanzvoll wie eh und je Eliiiina Garanca, die sich als Octavian mit souveräner, schlanker, sicherer Höhe nach der Babypause zurückmeldete. Rollendebütantin Miah Persson gab zwar eine untadelige, aber doch über Gebühr tremolierende Sophie - die auch szenisch neben den urkomödiantischen Routiniers Kurt Rydl als Ochs auf Lerchenau und Franz Grundheber als Faninal etwas ins Hintertreffen geriet.

Unorthodox, aber von eigenem Reiz die Feldmarschallin, die Nina Stemme zum ersten Mal sang: zurückhaltend, verinnerlicht und mit filigraner Wärme. Die Schwedin, die 2003 an der Staatsoper debütierte und in der laufenden Saison bereits die Tosca sang, wurde am Montag zur Kammersängerin ernannt. (Daniel Ender, DER STANDARD, 17.4.2012)

Weitere Termine: 18. und 21. 4.

Es war eine große Aufführung. Zweifellos.

Aber Herrn Ender fehlt zum Franz Endler (verstorben 2002) mehr als das "l".
Jeffrey Tate hat viel dirigiert - straff und feurig ist was Anderes. Ich möchte nicht wissen, wie diese wunderbare Musik mit einem Orchester geklungen hätte, welches Richard Strauss nicht aus dem Eff-eff kennt.
Auf zu starkes Tremolo bei Sängern bin ich allergisch - bei Miah Persson zeigten sich bei mir keine Rötungen. Ich weiß nicht, was Herr Ender da gehört haben will.
Aber zum Glück hat er die Qualitäten von Garaca, Rydl und Stemme entsprechend gewürdigt. Das grandiose Staatsopernorchester bloß als spielfreudig ud klangvoll zu bezeichnen, ist eine Platitüde und eigentlich fast Rufschädigung. Spielfreudig und klangvoll ist auch die Blasmusik von Oberunterndorf.

Nina Stemme - Gratulation zur Kammersängerin

und - sie hat die Marschallin zum ersten Mal in Wien gesungen, aber nicht zum ersten Mal.

Danke

Ein bißerl mehr Genauigkeit wäre schon gut bei den Kritiken, ggg.

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