Mäander, Gumpen und jede Menge frischer Fisch

16. April 2012, 18:00
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Die Fischerei in der Stadt Salzburg boomt. Durch Aufweitung und Rückbau von Flüssen und Bächen siedeln sich verschwundene Fischarten wieder an. Das neue Salzachkraftwerk in der Stadt wird die Situation weiter verbessern

Salzburg - Wenn Bernhard Scheichl "Aalrutte" sagt, bekommen seine Augen einen freudigen Glanz. Für den Bezirksfischermeister der Stadt Salzburg ist dieser Fisch der Beweis, wie gut es um die Gewässerökologie und die Fischerei in der Stadt bestellt ist.

Während anderenorts die Aalrutte - es handelt sich dabei um den einzigen Süßwasserdorsch - stark gefährdet ist oder gar nicht mehr vorkommt, ist dieser "extrem empfindliche Fisch" (Scheichl) in den Gewässern der Stadt Salzburg seit kurzem wieder heimisch. Auch Äschen, Koppen und Pfrillen wären in den vergangenen Jahren wieder in die Gewässer der Stadt aufgestiegen. Am Unterlauf des Alterbaches - ein kleiner Zufluss zur Salzach - konnten acht neue Arten nachgewiesen werden.

Weiche Ufergestaltung

Dass die seltenen Arten in den Salzburger Stadtflüssen Salzach, Saalach und Glan wieder heimisch geworden sind, liegt an den intensiven Renaturierungs- und Restrukturierungsbemühungen der Stadt Salzburg. 2008 wurde mit der Restrukturierung der früher zum Hochwasserschutz in einen engen Kanal gezwängten Glan begonnen.

Mäander, Gumpen und Buhnen (rechtwinkelig zur Fließrichtung eingebaute Strömungshindernisse) sowie eine weiche Ufergestaltung geben den Fischen wieder Raum für Verstecke und zum Laichen. Billig sind solche Renaturierungsmaßnahmen nicht. Für einen 350 Meter langen Abschnitt der Glan musste die Stadtgemeinde Salzburg samt Nebenkosten rund 400.000 Euro zahlen.

"Wie Weihnachten"

Für die Fischer sind solche Maßnahmen "wie Weihnachten", sagt Scheichl. Als Dankeschön hat der Fischereiverband den beiden zuständigen Stadtpolitikern, Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) und Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste), das goldene Verdienstabzeichen verliehen, obwohl dieses eigentlich den Petrijüngern vorbehalten ist. Planungsstadtrat Padutsch etwa kann - nach eigenen Angaben - nur auf eine Karriere als Schwarzfischer in seinen Jugend verweisen.

Ein Geschenk für Fisch und Fischer ist auch das in Bau befindliche Salzachkraftwerk Lehen des Landesenergieversorgers Salzburg AG am Nordrand der Landeshauptstadt. Derzeit wirke die dort eingebaute Sohlstufe für die Fische "wie ein eiserner Vorhang", beschreibt Scheichl die Situation.

Nach Inbetriebnahme des Kraftwerkes steht ihnen ein Umgehungsgerinne zur Verfügung. Zudem verhindert die Wehranlage, dass sich die Salzach flussabwärts weiter in die Sohle gräbt und den Fischen dadurch das Aufsteigen in die Nebengewässer zum Laichen verunmöglicht.

8,5 Tonnen Fisch im Jahr

In diesem Umfeld blüht das Fischereiwesen. Für die insgesamt 62 Kilometer Fließgewässer und 15 Hektar Teiche der Stadt sowie den Anrainergemeinden Wals-Siezenheim (Flachgau) und Ainring (Bayern) werden jährlich 1850 Ganzjahreskarten ausgegeben. Stolze 8,5 Tonnen werden Jahr für Jahr aus dem Wasser geangelt. In der Mehrzahl sind dies Bach- und Regenbogenforellen.

Möglich geworden ist der Höhenflug der Stadtfischerei auch durch eine besondere Rechtskonstruktion. Die Bewirtschaftung der Gewässer erfolgt durch die Peter-Pfenninger-Schenkung - ein Sondervermögen der Landeshauptstadt. Diese geht auf das Jahr 1877 und den kinderlos gebliebenen letzten Salzburger Berufsfischer Peter Pfenninger zurück. Im Rahmen der Schenkung bewirtschaften derzeit 40 Personen ehrenamtlich die städtischen Fischgewässer. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 17.4.2012)

  • Selbst in renaturierten Gewässern wie der Salzburger Glan muss der Natur nachgeholfen werden und der Fischbestand durch Besatz verstärkt werden.
    foto: pps/gumpl

    Selbst in renaturierten Gewässern wie der Salzburger Glan muss der Natur nachgeholfen werden und der Fischbestand durch Besatz verstärkt werden.

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