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Shanghai - Der historische Premieren-Sieg von Shanghai soll erst der Anfang gewesen sein. Nico Rosberg zählt nach seinem ersten Triumph im 111. Formel-1-Rennen plötzlich zu den Titelkandidaten. Ich bin sicher, dass wir das fortsetzen können", verkündete der Mercedes-Pilot nach seinem China-Coup selbstbewusst. Sicher ist, dass es dank dreier verschiedener Sieger in den ersten drei Rennen so viel Spannung wie schon lange nicht mehr gibt - und Red Bull mit Titelverteidiger Sebastian Vettel will seine Strategie einer Prüfung unterziehen.
Im vergangenen Jahr hatte Vettel, der am Sonntag Fünfter wurde, nach dem dritten Rennen mit 68 Punkten souverän die WM-Wertung angeführt. Jetzt liegt das Spitzenfeld eng beisammen. Lewis Hamilton rangiert mit 45 Punkten vor Button (43), Fernando Alonso (37) und Mark Webber (36). Aber auch Vettel (28) und Rosberg (25) könnten schon in Bahrain ganz nach vorne fahren. "Ich bin froh, ein paar wichtige Punkte gesammelt zu haben", sagte der Brite Hamilton angesichts des harten Konkurrenzkampfes.
"Mercedes hat richtig komfortabel gewonnen"
Vettel, der nach seinem souveränen Titeltriumph 2011 in dieser Saison noch auf den ersten Sieg wartet, wunderte sich über das Potenzial der Silberpfeile: "Mercedes hat richtig komfortabel gewonnen, das haben sie gut gemacht." Der Champion reist als Gesamtfünfter zum politisch problematischen Großen Preis von Bahrain an diesem Wochenende. "Wir haben eine Menge gelernt. Hoffentlich ziehen wir die richtigen Schlüsse daraus", meinte der Deutsche.
Längst ist klar: Der aktuelle Red Bull ist bei weitem nicht so dominant wie im Vorjahr. "Uns fehlt auf der Geraden einfach ein bisschen Dampf", befand Vettel. Teamchef Christian Horner bestätigte, die technischen Optionen abzuwägen und eventuell auf einen Heckflügel, wie ihn Mercedes einsetzt, "umzusatteln". Ein Protest von Lotus gegen den Technik-Trick war von der FIA abgewiesen worden.
"Sie (Mercedes) haben so viel daran optimiert und sich darauf konzentriert, dass es unvermeidlich ist, dass wir alle unsere eigenen Lösungen verfolgen werden", erklärte Horner, der freilich auch betonte, dass der Flügel zum Gesamtpaket passen müsse. Die Red-Bull-Strategie, mit zwei verschieden gebauten Boliden anzureisen, habe jedenfalls eine gute Vergleichsmöglichkeit mit sich gebracht, nun verfüge man zumindest über "irrsinnig viele Informationen". Vor allem eines müsse aber verbessert werden. "Wir haben eine gute Rennform, aber wir müssen das Qualifying in den Griff bekommen", betonte Horner, dessen Fahrer in der laufenden Saison noch nie in der ersten Startreihe aufschienen.
"Wir werden einen harten Kampf erleben"
Die beiden die WM-Wertung anführenden McLaren-Piloten Hamilton und Jenson Button gaben zu, im Titelrennen nicht mehr nur Doppel-Champion Vettel zu fürchten. "Ich bin sicher, das wird nicht Nicos erster und letzter Sieg gewesen sein. Da werden noch viele mehr kommen", sagte Ex-Weltmeister Button. "Ich denke, wir werden einen harten Kampf erleben."
Auch Mercedes-Teamchef Ross Brawn gab sich optimistisch. "Es war ein perfektes Rennen für uns. Ist das jetzt ein guter Anhaltspunkt dafür, wo wir stehen? Ich weiß es nicht. Aber der Umstand, dass wir in den Qualifyings immer dabei waren, macht mir Mut", meinte der Engländer, der schon als Williams-Techniker den Boden für den WM-Titel 1982 von Rosbergs Vater Keke bereitete.
Doch ist Mercedes wirklich schon stark genug, um den Titel mitzufahren? Bei deutlich höheren Temperaturen in Australien und Malaysia präsentierten sich die Silberpfeile als Reifenfresser. Auch in Bahrain wird es wieder heiß. "Ich hatte ein tolles Rennen, aber das heißt nicht, dass das jetzt in jedem Rennen so weitergeht", gab Rosberg zu. Brawn wischte indes alle Bedenken beiseite: "Es kommen noch ein paar gute Verbesserungen in den nächsten Rennen. Da bin ich sehr optimistisch." (APA, 16.4.2012)
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