Völkerverbindende Trauerarbeit

16. April 2012, 17:21
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Österreich-Premiere von "Potocari Party" - Inszeniert hat das Stück des bosnischen Autors Almir Basovic der serbische Regisseur Stevan Bodroza

Wien - Die Aufarbeitung des Massakers von Srebrenica, bei dem über 8000 Bosniaken ermordet wurden, ist auch 17 Jahre später eine der großen Herausforderungen für die Zukunft der Region. Der Wunsch nach Völkerverständigung liegt auch der deutschsprachigen Erstaufführung von Potocari Party - Erscheinungen aus dem silbernen Zeitalter im Hamakom-Theater zugrunde. Mit Stevan Bodroza hat ein serbischer Regisseur das Stück des bosnischen Autors Almir Basovic inszeniert (für Poolparticipants). Dadurch wird schon die Aufführung an sich zum Beispiel der Annäherung zwischen den Volksgruppen. Umso schöner, dass auch die Inszenierung gelungen ist.

Potocari Party erzählt in erster Linie vom Leid Fatimas (Ana Stefanovic-Bilic), die ihren Sohn und ihren Mann im Krieg verloren hat. Doch auch andere mit dem Völkermord verbundene Personen kommen zu Wort, etwa der Waffenhändler, die in ihrer Überforderung We Are The World -singenden UN-Soldaten oder der an der Zwecklosigkeit seiner Kunst verzweifelnde Autor. Alexander Braunshör, Jaschka Lämmert, Tim Breyvogel und Gottfried Neuner schlüpfen auf der bis auf Tisch und Stühle kahlen Bühne in die verschiedenen Rollen. Der Tarnanzug macht zum Soldaten, eine Plastikschüssel zum Blauhelm (Kostüme: Renato Uz).

Während das Stück so zwischen dem Symbolischen und dem allzu Realen, dem Vergangenen und dem Gegenwärtigen hin- und her-springt, erschließen sich gleichzeitig Menschheitstragödie und persönliches Schicksal. Fatimas Mann hatte sich und seinen Sohn einst irrtümlich an mit gestohlenen Blauhelmen verkleidete Serben ausgeliefert, sie selbst erkrankt an Diabetes und erblindet.

Impulsiv, aber nie stumpf, berührend, aber ohne aufgesetztes Pathos gelingt Stevan Bodroza und den Darstellern ein intensives Stück Theater, dem aufgrund seiner bloßen Existenz trotz aller Trauer auch ein Fünkchen Hoffnung innewohnt. (Dorian Waller, DER STANDARD, 17.4.2012) 

Bis 27. 4.

  • Ana Stefanovic-Bilic.
    foto: helmuth a. matzka

    Ana Stefanovic-Bilic.

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