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Wien - Es war für seine Reichweite wie Doping, früh im Epizentrum des souligen Hardbop (Art Blakeys Jazz Messengers) gelandet zu sein. Und die Gastspiele bei Sting und anderen Hitparadenreitern führten zwar zu zarten Verstimmungen mit Bruder Wynton, der als konservativer Polemiker Jazz eng definierte. Die Marke Branford Marsalis allerdings profitierte zusätzlich, wurde zum Symbol für (jazzferne Liaisons eingehende) Unbeschwertheit, die Sting-Songs wie Englishman in New York veredelte.
Mittlerweile ist Branford nicht mehr so trendy, allerdings in einem robusten Maße etabliert, wodurch ihm auch der Weg offensteht, seinem puristischen Bruder in Wort und Ton ähnlicher zu werden. Man kann Branfords Ansatz - wie im Porgy zu hören war - als hitzige Neubelebung uralter Jazzformen bezeichnen: Da wechseln einander routinierte Themen und ausgiebige Improvisationen ab. Es gibt Breaks, damit selbst der Schlagzeuger ein paar Momente im Scheinwerferlicht transpirieren kann (formidabel Justin Faulkner). Zudem ist stilistisch allerlei möglich: stampfende Erinnerungen an jene Zeit, als der Kontrabass (Eric Revis) gerade die Tuba als tiefstes der Begleitinstrumente abzulösen begann, ebenso wie freejazziges Ausbrechen aus der Form.
Allerdings ist Marsalis natürlich vor allem ein John-Coltrane-Nachfahre. Seine Improvisationen durchzieht jener Geist, der Harmonien rasant-abstrakt deutet, wie dies etwa Coltrane beim Giant Steps stilbildend tat. Der Sopransaxofon-Ton ist dabei von kühler Prägnanz, wobei: Am Tenorsaxofon beschwört er auch Erinnerungen an alte Klassiker wie Coleman Hawkins. All diese Flexibilität wäre indes nur hochrespektable Reproduktionskunst, würde eine eingespielte Band nicht bisweilen durch spontanes Abweichen von der Hauptroute Risiko nehmen, in Bereiche vordringen, wo das Zusammenspiel zum Roulette wird.
Besonders die Dialoge zwischen Marsalis und Pianist Joey Calderazzo (mitunter auch leichter Hang zum Kitsch) führen da und dort in Extrembereiche des Ausdrucks, zeigten Marsalis als Musiker, der Ideen ausreizt, um unbekanntes Terrain zu erreichen. Traditionspflege kann als hitzige Kunst der Mobilmachung aller Inspirationskräfte funktionieren. Für den Beweis eine kleine Verbeugung. (Ljubiša Tošić, 17.4.2012)
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Es gehört natürlich zur Profession des Kritikers, zu kritisieren, aber warum er im konkreten Fall nicht ohne wenn und aber schreiben kann, der Auftritt war sensationell, so wie die vier Musiker ineragiert haben, hat man im Porgy noch kaum jemals gesehen, sondern sich im Bemühen etwas "zu kritisieren" sogar dazu versteigt, hier einen "leichten Hang zum Kitsch" zu attestieren, ist mir völlig unverständlich.
Wenn man das liest, wird Georg Kreislers vernichtendes Urteil über die Zunft der Kritiker jedenfalls verständlich http://www.youtube.com/watch?v=6ozEA0JJiCY
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