Die fehlende Moral wilder Herzen

  • Jack White in Black and White. Auf seinem ersten Album unter 
eigenem Namen entdeckt der frühere The-White-Stripes-Sänger nicht nur 
Grautöne, er vertont sie vielfältiger als je zuvor.
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    foto: xl records

    Jack White in Black and White. Auf seinem ersten Album unter eigenem Namen entdeckt der frühere The-White-Stripes-Sänger nicht nur Grautöne, er vertont sie vielfältiger als je zuvor.

Jack White von The White Stripes veröffentlicht sein erstes Album unter eigenem Namen

Was mit Schaum vorm Mund beginnt, öffnet sich einer neuen Vielfalt und endet versöhnlich.

Wien - Manchmal klingt seine Stimme wie eine Karikatur. Wenn Jack Whites Organ in jene höheren Gefilde vordringt, in denen in den 1970ern Hardrocker künstlerisch Wertvolles transportieren wollten - und doch nur die Schrittenge ihrer Hosen verdeutlicht wurde.

Doch Jack White meint das ernst. Sein wie von Testosteron und Elektrizität aufgeladener Vortrag wurde zu einem Markenzeichen des US-Amerikaners. Auf seinem ersten Soloalbum wird es nun erstmals von einer umfangreicheren Instrumentierung zurückgedrängt. Jack White gönnt sich Raum zum Atmen und Singen. Und siehe da, prächtige Songs gedeihen auf diesem Platze. Blunderbuss heißt das Werk, und es erscheint Ende dieser Woche.

Als Teil des falschen Geschwisterpaars Jack und Meg White rührte er in den Nullerjahren mit der Band The White Stripes die Musikgeschichte buchstäblich um. Denn als die Welt in den späten 1990ern bemerkte, dass technologische Innovation nicht automatisch spannende Musik bedeutet, tauchten Acts wie The White Stripes auf.

Angetan in clownesker Garderobe - immer in Rot und Weiß -, gingen sie zurück in die Steinzeit der Popgeschichte. Man schrieb den Beginn der aktuellen Revivalkultur, und The White Stripes sichteten dafür alten Blues oder Sixties-Rock und transformierten sie mittels Schlagzeug und Gitarre ins Jetzt.

Der Musikarchäologe

White wurde so mehr und mehr als leidenschaftlicher Musikarchäologe wahrgenommen, der in einer Mischung aus Ehrfurcht und Sich-nix-Scheißen auf eine Weltkarriere zusteuerte. Heute sind die White Stripes zwar Geschichte, aber White gilt als einer der großen Player im Business, der in den letzten Jahren mit den Gruppen The Raconteurs und Dead Weather erfolgreiche Nebenprojekte betrieben hat.

Mit Third Man Records leitet er ein vielgefragtes Label, ein Studio in seiner Wahlheimat Nashville, und er ist ein gefragter Produzent für Bands, die wie er glauben, dass man ohne Computer die besseren Alben aufnimmt. Und wenn der 36-Jährige von Alben spricht, meint er solche aus Vinyl.

In diesem Weltbild ist nun Blunderbuss erschienen. Schon der Opener verdeutlicht die selbst auferlegte Pflicht, den Berg nun nicht mehr in den ersten zehn Sekunden zu stürmen, sondern alles zu seiner Zeit zu erledigen. Ein Keyboard, das Ray Charles zur Ehre gereicht hätte, entwirft das Layout, in dem White das Stück Missing Pieces ausrollt.

Schon hier nimmt einen die räumliche Tiefe der Produktion in Beschlag, erinnert daran, welch Produktionswunder ein analoges Studio erschaffen kann, welch originären Charme fünfzig Jahre alte Mikrofone besitzen können. Stilistisch überrascht das Album natürlich nicht, White versucht lediglich seine Vorlieben mit erweiterten Mitteln auf den Boden zu bringen.

Das gelingt ihm ausnahmslos. Etwas fremdkörperlich wirkt am ehesten Sixteen Saltines, in dem White besonders gereizt klingt und das Resultat an das enervierende zweite Raconteurs-Album Consolers Of The Lonely erinnert. Den Schaum vorm Mund entschuldigt vielleicht das Thema des Songs, die böse alte Eifersucht.

Immerhin ist ein Teil der Lieder während einer Zeit entstanden, in der sich bereits abzeichnete, dass Whites Ehe mit dem britischen Model Karen Elson wohl nicht erst vom Tod geschieden werden würde. Das zeitigt Textzeilen, die nicht aus der edelsten aller Federn stammen, die recht harsch fehlende Moral, Verantwortungslosigkeit und Schuld beklagen.

Bevor man der waidwund-aggressiven Beschwerde überdrüssig wird, besinnt sich White und kühlt sein Mütchen. Ab Song Nummer sechs, Hypocritical Kiss, ändert sich der Tonfall, das Album löst nun die ihm vorausgesagte Vielfalt ein. Das dominante Piano in Hypocritical Kiss ist ein erstes Anzeichen dafür. Weep Themselves To Sleep verdichtet diese Atmosphäre, mit dem darauf folgenden I'm Shakin' setzt es einen geheimen Höhepunkt.

Ekstatische Coverversion

Diese Coverversion eines von Little Willie John (Fever!) bekannt gemachten Stompers, treibt White kontrolliert ekstatisch seinem Ende zu, kommt dem Irrsinn nahe, mit dem The Blasters sich des Songs in den 1980ern angenommen haben. Nach Ausflügen in den Westernsaloon - Hip (Eponymous) Poor Boy -, einem gut geklauten Betthupferl - I Guess I Should Go To Sleep - und dem optimistisch und von Fiedlern begleiteten Take Me With You When You Go endet Blunderbuss.

Alles ist plötzlich gut, jedes Ende ist ein neuer Anfang. Jack White steht an der Kreuzung, alle Wege stehen ihm offen. Er spuckt in den Staub, dehnt seine Hose und bricht auf. (Karl Fluch, DER STANDARD, 17.4.2012)

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gestern geholt und begeistert. hut ab, großartige platte.

Der

einzige Punkt, der ein bischen stört, ist, daß er wohl ein bischen mit seinem DX77 und dem Harmonizer übertrieben hat. Teilweise ist sie krächzend.Jack lernt ja noch. Aber er wird von Album zu Album besser.

Noch was Kurzes zum Thema

Eine Rezension von Kollegen Krispel ... http://www.thegap.at/reviews/r... underbuss/

Das ganze Album gibts im Stream zu hören:
http://www.musikexpress.de/news/meld... tream.html

Lobe den Fluch!

So versponnen und verworren viele, viele Rezensionen des Herrn Fluch sind: Hier bewegt er sich offensichtlich in heimatlichen Gefilden, da spricht der Kenner! Keine potiemkischen (Sprach-)Dörfer, der Text hat Tiefe und wirkt trotzdem geschmeidig. Diese Rezension ist ein Lesegenuss und - für Fluch´sche Verhältnisse - eine Heiligsprechung Whites and dessen aktuelles Album.

Und nun steinigt mich, ihr Pharisäer!

Überrascht mich nicht,...

...kann mich da an eine der positivsten Fluch-Konzertkritiken überhaupt erinnern:

http://derstandard.at/2495948

tut´s weh?

die musik von jack white

gefällt mir sehr gut.

die sprache des autors aber leider gar nicht.

jack white ist einer der leidenschaftlichsten musiker der gegenwart - unglaublich kreativ

jack white und trent reznor sollten gemeinsam was machen. alleine der widerspruch in der herangehensweise würde da mit garantie etwas großartiges entstehen lassen.

bei aller liebe für seine ersten sachen und einfluss auf andere, aber trent reznor war mit seiner kreativen phase spätestens `98 fertig

sehe ich anders.

bringen sie doch ein paar beispiele oder tipps. lass mich ja gern korrigieren...

hör dir die "with teeth" aber "sunspots" im ganzen durch. unpackbar geniales zusammenspiel, steht einer fragile um nichts nach.

Wenn ich mir anhöre, was Trent Reznor aus dem "Immigrant Song" gemacht, frag ich mich, ob ich das auch würde hören wollen, oder ob der Herr nicht langsam sein Pulver verschossen hat. Ich liebe seine alten NIN-Sachen, aber diese Nummer ist ein liebloser Dosenremix.... Find ich zumindest. http://www.youtube.com/watch?v=x... ature=fvst

Best days over?

hm, nein, nicht wirklich. seine sachen mit ross für fincher darf man imho nicht überbewerten, ebenso wie htda. reznor muss man an nin messen und da hat ers immer noch drauf - stand 2009 :)

Wahnsinns-Vorschlag!

@ Widerspruch in der Herangehensweise: Nur für den Fall das du das Album nicht kennst (wird wahrscheinlich eh nicht der Fall sein) - The Inevitable Rise & Liberation of N i g g y Tardust von Saul Williams, auch von Reznor produziert

eine kritik, die nichts, aber auch garnichts vermuten oder erahnen lässt. einfach nur worte. schöne, aber leere worte.

völlig sinnlos eigentlich
, oder?

ja sinnlos.

Album übrigens ganz gut, gibt andere Sachen die mich mehr begeistert haben von White. Wie immer aber- am Ende des Tages Geschmackssache.

bei den weissen strippen

war der bassist mein allerliebster, und wenn jetzt der weisse jakob die farbe seines opportunistischen mäntelchen wechselt, dann zieh' ich meine hos' z'sammen und break together.

Ich finde Ihr Posting hat einen Unterhaltungswert. Mit welcher Band haben Sie die White Stripes verwechselt, wenn ich fragen darf?

Trolling oder Trotteling, das ist hier die Frage. Bassist....

Wenn's nichtg rad nur ein Dumpfposting war ...

Naja, Bassisten werden's schwerlich finden ...

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