"Haben eben keinen Robben oder Ribery"

Vastic vermisst Klasse, Schöttel nach neuerlichem Rasen-Schach: "Für beide geht es um sehr viel"

Wien - Auch das zweite Wiener Fußball-Derby des Jahres 2012 endete mit einer Pattstellung. Austria und Rapid trennten sich am Sonntag zum Abschluss der 30. Bundesliga-Runde vor 12.219 Zuschauern nach größtenteils enttäuschenden 90 Minuten 0:0. Die Analysen nach Schlusspfiff in der Generali-Arena passten zum zerfahren geführten Spiel, beide Teams wussten nicht so recht, was sie mit dem Punkt anfangen sollen.

Damit blieb in der Tabelle fast alles beim Alten. Salzburg (2:2 auswärts gegen Sturm Graz) führt weiter einen Punkt vor Rapid, vier Zähler hinter den Hütteldorfern folgt die Austria auf Rang drei. Der Austria ist allerdings die vierplatzierte SV Ried (2:0 daheim gegen Mattersburg) bis auf einen Punkt nahegerückt.

Schöttel: "Leistung war nicht berauschend"

Noch eher mit dem 0:0 im Derby zufrieden war deshalb das Auswärtsteam, schließlich sitzen die Rapidler Salzburg weiter im Nacken. Und die Salzburger müssen noch am 6. Mai im Hanappi-Stadion antreten. "Zumindest haben wir den Abstand zu Austria und Salzburg gehalten. Die Leistung meiner Mannschaft war nicht berauschend, deshalb muss ich mit dem Punkt zufrieden sein", sagte Peter Schöttel.

Der Rapid-Trainer ärgerte sich über zahlreiche leichtfertige Ballverluste und schlecht ausgeführte Konter seiner Mannschaft. Der 45-Jährige erkannte eine Austria-Überlegenheit nach der Pause an, erwähnte aber auch, dass Rapid in der 89. Minute durch Deni Alar die große Chance auf den Sieg hatte. "Da hätten wir noch die Big Points holen können. Ich habe nominell offensiv aufgestellt, aber das hat man viel zu wenig gesehen", so Schöttel, der sich im Falle eines Sieges über Platz eins freuen hätte dürfen.

Auch Schöttel machte sich Gedanken, warum das Derby neuerlich zu keinem echten Leckerbissen wurde. "Die Mannschaften versuchen mit sehr ähnlichen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Und die Hausaufgaben wurden wieder sehr gut erledigt. Vielleicht würde es wieder ein attraktives Derby geben, wenn einmal ein frühes Tor gelingen würde", sagte Schöttel, der auch die Angst vor dem Verlieren als Grund für die Schonkost anführte. "Für beide Teams und Trainer geht es um sehr viel, wir müssen unsere Mannschaften in den Europacup führen. Das wird von uns verlangt."

Vastic: "Die Leistungen haben gepasst"

Steffen Hofmann musste aufgrund seiner Oberschenkelverletzung neuerlich passen, soll aber am Sonntag daheim gegen Sturm Graz sein Comeback geben. Boris Prokopic (Seitenband- und Kreuzbandriss im rechten Knie) und Markus Katzer (Oberschenkelblessur) schieden im Derby jeweils verletzt aus.

Austria-Coach Ivica Vastic musste zur Kenntnis nehmen, dass nach den 1:1 gegen Sturm Graz und Salzburg auch das dritte Heimmatch gegen einen "Großen" nur mit einem Remis endete. "Aber die Leistungen haben gepasst. Das ist eben kein Wunschkonzert", erklärte Vastic. Florian Klein trauerte den jüngsten drei Heimpartien ebenfalls nach: "Wir waren dreimal die bessere Mannschaft, haben aber dreimal nicht gewonnen. Das müssen wir uns vorwerfen."

Gerüchte, wonach Klein bereits bei Salzburg unterschrieben haben soll, bestritt der 25-Jährige: "Mein Vertrag läuft aus und bei einem Nationalspieler ist es normal, dass es Angebote gibt. Aber ich habe noch nirgends unterschrieben und halte mir alle Optionen offen. Aber am liebsten würde ich ins Ausland wechseln."

Blick ins Ausland

Aufs Ausland verwies auch Vastic, der die Derby-Qualitäten nicht zu schlecht reden wollte: "Auch in der deutschen Bundesliga gibt es ganz schlechte Spiele. Aber dann kommt Robben, macht zwei Dinge und alle schwärmen. Aber wir haben eben in Österreich keinen Robben oder Ribery, die mit individuellen Aktionen ein Match entscheiden können."

Die Austria setzt nun auf die recht günstig erscheinende Auslosung. Nach dem Auswärtsmatch am Samstag in Kapfenberg wartet ein Heimspiel gegen Innsbruck. "In der nahen Zukunft wollen wir uns von unseren Verfolgern absetzen", hoffte der Austria-Trainer, dessen Vertrag sich nur im Falle des Erreichens eines Europacup-Startplatzes verlängert. Der 42-Jährige hat aber mit dem Cup, in dem man im Halbfinale auswärts auf Ried trifft, im Gegensatz zu Schöttel eine zweite Option aufs internationale Geschäft. (APA, 16.4.2012)

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