Gas-Dampfkraftwerk in Klagenfurt abgelehnt

16. April 2012, 14:33

Einspruch der Gemeinde Ebenthal gegen Genehmigung des Landes für Projekt von Verbund und Stadt wurde stattgegeben. Biomasse ist nun eine Alternative

Klagenfurt - Der Bundesumweltsenat hat die Genehmigung für die Errichtung eines Gas-Dampfkraftwerkes im Osten von Klagenfurt abgelehnt. Entscheidend dafür seien "unzumutbare Belästigungen in der Wohn- und Lebensqualität", vor allem durch das zu erwartende Ansteigen der Nebeltage im ohnehin nebligen Klagenfurter Becken. Der Senat hat damit einer Beschwerde der Gemeinde Ebenthal bei Klagenfurt stattgegeben. Dass das Land in seiner Bewilligung die "öffentlichen Interessen" über etwaige Unzumutbarkeiten gestellt hatte, wurde verurteilt. Die Beschwerden von Bürgerinitiativen und anderen Anrainern wurden mangels Parteienstellung aber abgewiesen.

"Unzumutbare Belästigungen in der Lebensqualität"

Nach dem Nein des Bundesumweltsenates ist vorerst völlig offen, wie es in der Causa weitergeht. Bei der Energie Klagenfurt, dem Gemeinschaftsunternehmen von Verbund und Stadtwerken, konnte man am Montag noch nicht sagen, ob man gegen die Entscheidung den Gang zum Höchstgericht antreten wird. Man habe den Bescheid gerade erst erhalten und müsse die Frage eines Einspruchs bzw. dessen Erfolgsaussichten erst abklären, hieß es auf-Anfrage.

Im Vorfeld der Entscheidung hatte es zahlreiche Spekulationen gegeben, etwa dass das Projekt mit seinem 125 Meter hohen Schornstein wegen Bedenken in Ortsbildfragen abgelehnt werden würde. Letztlich entscheidend waren aber "unzumutbare Belästigungen in der Wohn- und Lebensqualität", vor allem durch das zu erwartende Ansteigen der Nebeltage in dem vor allem im Winterhalbjahr ohnehin durch Inversionswetterlagen diesbezüglich benachteiligten Gebiet ausschlaggebend.

Zunahme der Hochnebeltage befürchtet

Sechs Jahre lang wurde das Projekt betrieben, die Kosten gingen auch ohne einen einzigen Ziegel in die Millionen. Das Werk sollte 400 Megawatt Strom und 200 MW Fernwärme liefern, auf 330 Millionen Euro wurden die Kosten geschätzt. Die Stadt Klagenfurt will mit der Wärmeproduktion das Problem lösen, dass das alte Fernheizwerk - es ist das älteste noch laufende in ganz Österreich - 2015 endgültig abgeschaltet werden muss.

Beim Verfahren in erster Instanz hatte die Behörde die Qualität des Gutachtens, welches eine Zunahme der Hochnebeltage von 14 bis 20 Prozent - je nach Niederschlagssituation - in Zweifel gezogen. Der Umweltsenat gab ein Ergänzungsgutachten in Auftrag, bei dem die Zunahme nach einem anderen Rechenmodell bewertet wurde. Das Ergebnis: Die Zunahme wäre prozentuell zwar etwas niedriger, aber ebenso vorhanden. Im Bescheid heißt es dazu: "Eine medizinische Auswirkung auf einen durchschnittlichen, normal empfindenden Erwachsenen (...) ist zwar nicht feststellbar, die Veränderung der örtlichen Verhältnisse durch die festgestellte zusätzliche Nebelbelastung überschreitet aber doch ein Ausmaß, das weder im Rahmen ortsüblicher Schwankungsbreiten noch den Nachbarn zumutbar wäre."

Kleineres Werk in Diskussion

Die Stadt Klagenfurt hat durch die Entscheidung des Umweltsenates nun ein ernsthaftes Problem. Sie muss bald das derzeitige Fernheizwerk abschalten und braucht Alternativen. Insgesamt seien ursprünglich 13 Varianten ausgearbeitet worden, auf die man bei einem Scheitern des Großprojekts zurückgreifen könne. Denkbar wären etwa dezentrale Blockheizkraftwerke, die mit Biomasse betrieben werden, Stadtwerke-Vorstand Romed Karre hatte zuletzt auch die Variante eines kleineren Gaskraftwerkes ins Spiel gebracht. Dieses müsste allerdings ein völlig neues Bewilligungsverfahren durchlaufen, wobei fraglich ist, ob der Zeitrahmen bis 2015 für Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme ausreicht.

Offen ist derzeit auch noch, wie der Verbund auf die neue Situation reagieren wird. Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber hatte in der jüngsten Vergangenheit mehrmals die Wirtschaftlichkeit des Projekts bezweifelt. Bei den derzeitigen Gaspreisen würde sich das GDK Klagenfurt jedenfalls nicht rechnen. Beim Verbund wollte man die Angelegenheit vorerst nicht kommentieren, ein Sprecher verwies darauf, dass es sich um ein Projekt der Energie Klagenfurt GmbH (EKG) handle, an der man beteiligt sei.

Grüne freuen sich

Für Frank Frey von den Klagenfurter Grünen ist der negative Bescheid ein geradezu historischer Meilenstein für die Politik in Kärnten: "Als erstes und vor allem gratuliere ich den vielen Menschen die sich in Form von Bürgerinitiativen gegen dieses Projekt engagiert haben. Ich freue mich, dass wir sie bei ihrem Kampf unterstützen konnten", wird er in der "Kleinen Zeitung" zitiert. Der Bescheid sei ein Signal an alle Politiker, dass die Zeiten des Drüberfahrens und des Täuschens der Bevölkerung vorbei sind und ein Sieg für den Rechtsstaat und für die Demokratie im Land, so der Grüne weiter in dem Bericht. (APA/red, derStandard.at, 16.4.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
Bei negativen Sparkspreads von 20,--EURO

wäre es höchst kriminell so ein Ding in den nächsten Jahren hinzustellen.

Und die Grünen freuen sich, wieder Fortschritt verhindert zu haben!

Nicht nur dass!

Die freuen sich scheinbar auch wie die (zerstörungswütigen) Kinder jetzt baumkrematorien errichten zu dürfen und damit den letzten Wald und die letzten Straßenrand-Bäume der Gegend vernichten zu dürfen.
Aber auch die Grünen werden erkennen: Wenn der letzte Baum verbrannt ist werden Sie erkennen dass man mit Subventionen alleine nicht heizen kann! :-(

Innovativer Ansatz

Eine abgestimmtes ökologisches Projekt sähe so aus:
- Isolierung der Gebäude+größere Heizkörper wo nötig
- Senkung der Vorlauftemperatur im Netz
- Vorheizung des Rücklaufes über Seewasser-Wärmepumpe
- Nachheizung Fernwärme über Biogas Blockheizwerk und
- Stromerzeugung über Fotovoltaik über der Nebelgrenze

Ich haette gerne von ein paar Karawankenbaeren folgendes erklaert

1) Wieso soll ein neues Gaskraftwerk mehr Dampf produzieren als ein altes Kohle- oder Oelkraftwerk

2) Damit dreht man sich aber alle kalorischen Kraftwerke ab. Na ob das so gescheit ist? Biomasse ebenfalls. Das einzige was man dann noch bauen darf ist Solar und Wind.

3)Gegen Windkraft auf den Bergen ist man ja auch

4) Solar erledigt sich von selbst (Nebel)

5) Und eine Ringleitung wird schon seit Jahrzehnten verhindert.

6) Sollten die Kaerntner wirklich einmal Industrie weiter ausbauen und Arbeitsplaetze schaffen frage ich mich aber schon wo der Strom her kommen soll.

7) Na ja dann kauft man halt den Atomstrom from Krsko. Auch gut.

Kohle, Öl und Biomasse erzeugen überhaupt keinen Dampf.

Ich hoffe fuer Sie das das ironisch gemeint ist

Oder sie sollten wieder in die Grundschule gehen.

Wieso sollen die denn keinen Dampf erzeugen? Wie glauben sie denn das die funktionieren?

für Kohle stimmt es: C+O2=CO2

ich korrigiere allerdings für holz und erdöl. pro Kohlenstoffatom haben diese in etwa die Hälfte an wasserstoffatomen im Vergleich zu erdgas.

Weiters müssen für die Wärmeerzeugung nicht 400 MW Strom erzeugt werden, wodurch sich bei reiner Wärmeerzeugung nur mehr ein Bruchteil der Wasserdampfproduktion im Vergleich zu diesem Stromkraftwerk ergeben.

Man kann Strom aus thermodynamischen Gründen nicht ohne Abwärme produzieren

Da erstaunen mich allerdings die 400MW elektrisch, weil das bei 200MW thermischer Leistung, also 600MW gesamt ein phantastischer Wirkungsgrad ist. Wenn man also Strom produziert (mit einem thermischen Kraftwerk) dann entsteht immer Wärme. Wenn man die zur Fernheizung nützt, dann ist das ein toller Gewinn an Effizienz, Einsparung an Brennstoff bzw. CO2.
Daher finde ich es wahnsinnig, daß dieses effiziente Kraftwerk nicht gebaut werden soll.

in prinzip schon, nur sollte man das nicht in der Kessellage einer Stadt machen, wo die 400 MW strom gar nicht benötigt werden.

Also ich glaube kaum das man wegen den extra H in den Kohlenwasserstoffen das Kraftwerk nicht erlaubt. Dann muesste man Biomasse und Oel, Diesel, Benzin, etc auch verbieten, Eigentlich auch Kohle da ist auch extra Wasser drinnen. Oder wie ist das mit den Fabriken die alle Dampf produzieren?

Aussserdem so viel wird das nicht sein. Vielleicht meinen die auch den Dampf durch die Kuehlung oder was.
Egal wie man es dreht und wendet es ist ein bloedsinniges Argument.

so viel wird das nicht sein ?

es geht darum, dass dieses Kraftwerk in erster linie ein Stromkraftwerk ist, das 400 MW Strom erzeugen soll (welche hauptsächlich nach Italien verkauft werden sollen, da dieser zusätzlich Bedarf in Kärnten überhaupt nicht gegeben ist). die wärmeproduktion ist mehr oder weniger nur ein nebenprodukt.

das ist ja grundsätzlich nicht schlecht, nur ist es idiotisch einen solchen Kraftwerkstypen direkt in eine Stadt mit Kessellage zu bauen.

zum vergleich: das alte Fernheizkraftwerk hat eine Wärmeleistung von 108 MW und eine Stromleistung von 28 MW. Auch wenn Gas im allgemeinen bessere Abgaswerte hat als Öl ergibt sich somit ein Anstieg der Abgase. Für Wasserdampf ergibt sich somit sogar die achtfache Menge.

Was ich nicht verstehe

Das bisherige Öl-Heizkraftwerk produziert keine "Nebeltage"?
Biomasse-Kraftwerke produzieren keine "Nebeltage"?

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das jetzige Fernheizwerk mitten in der Stadt und das abgelehnte Projekt am Stadtrand.
Vermutlich würden mehrere kleine Blockheizkraftwerke vor Ort (abgesehen von den Vorteilen der KWK) den Wasserdampf gleichmäßiger über der Stadt verteilen und vor allem die Nachbargemeinde nicht beeinträchtigen.

Mehrere kleine Blockheiz(kraft?)werke hätten aber sicher einen schelchteren gesamtwirkungsgrad.

was ist mit geothermie?

http://wien.orf.at/news/stor... s/2508648/

10 solche häusln samt bohrungen kosten wohl ähnlich viel. in der nähe von thermalquellen wohl noch mehr ausbeute ... oder?

gut, wasserdampf gibts aber trotzdem ... schad, dann nicht.

Kärnten ist mit Bäumen "überwuchert"

und hat den Vorteil große Höhenunterschiede und viel fließendes Wasser zu "besitzen"

Ein GDK ist wirklich das allerdümmste was man da machen kann, der Vorschlag kommt natürlich aus der "wirtschaftskompetenten" Ecke.

Nur um die Heizleistung dieser KraftWärmeKupplung zu erbringen müssen 5-6 Stück des "größten europäischen" Biomasse-KW in Wien Simmering gebaut werden.
Dieses ist laut RH auch trotz Förderung nicht wirtschaftlich.
Dazu kommt die Feinstaubbelastung bei Biomasse.

PS: Biomasse ist sicher in etwas kleinerem Maßstab sinnvoll: in Städten wie Spital / Drau, St. Veit / Glan oder Hermagor.

ja, natürlich, eine perfekte sache für die bezirke.

und auf der koralm wurde das windradprojekt (karl markut) wieder von ein paar gestrigen abgedreht.

das sind dann auch wieder die gestrigen die gerne nach güssing schielen und jammern.

Als Alternative würde ich vorschlagen...

einen FPK Heisluftreaktor zu errichten das reicht dann sicher...

Bitte die Grünen dazu, deren katalytische Wirkung (gegen alles) wird in diesem Fall das Ergbnis massiv erhöhen.

So wie die theoretische Materie-Antimaterie Reaktion

Da wird immer KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) gefordert (und gefördert) und dann merkt man, dass niemand ein kalorisches Kraftwerk in seiner Nähe haben möchte. Irgendwie unverständlich für mich was manchen an einem GuD-Kraftwerk stört. Der Einwand wir sollten den Strom erneuebar produziern wäre dagegen angebracht.

Gefällt mir

und jetzt hoffe ich auf eine Wärmeproduktion mit Hilfe eines heimischen Energieträgers, welcher nur durch die Sonne und den Regen ständig von selbst nachwächst.

Man sollte sich vernünftigerweise ...

... doch am Ausbau des Kernkraftwerkes Krško beteiligen.

Die Kelag ist mit 23% ohnehin der größte Atomstromimporteur in A.
Scheint aber weniger zu stören.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.